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Medal of Honor Airborne (PC)

Artikel veröffentlicht am 15.09.2007

Fallschirmspringer hatten im 2. Weltkrieg einen schweren Job: Aus luftiger Höhe unter Dauerbeschuss aus einem wackelnden Flugzeug abspringen, in der Luft den sperrigen Fallschirm öffnen und dann an einem bestimmten Ort die Erde zu erreichen, um sofort kampfbereit zu sein, schließlich sind sie mitten im Feindgebiet gelandet. Diese Dramatik der Fallschirmtruppen versucht EA im neuen Weltkriegs-Shooter "Medal of Honor: Airborne" auf den Bildschirm zu bringen. Ob das gelungen ist, klärt unser Test. Von Jan Höllger

Raue Sitten

Vor jedem Einsatz gibt es eine kurze Einsatzbesprechung

Als Mitglied der 82. Airborne Division schlüpft ihr in die Rolle des amerikanischen Fallschirmspringers Boyd Travers und kämpft auf sechs Schlachtfelder des 2. Weltkrieges. Eine echte Story gibt es serientypisch nicht, bis auf kurze Besprechungen vor den Einsätzen, werdet ihr ziemlich unvorbereitet in den Kampf gestoßen. Gestoßen ist dabei durchaus der richtige Ausdruck, denn jeder Einsatz startet in der Luft an Bord eines Transportflugzeuges. Während ihr noch gedanklich mit eurem Leben abschließt, stößt euch ein Offizier einfach aus dem Flugzeug.

Lande, wo immer du willst

Massenabwurf über einer französischen Stadt

Nach dem ersten Schrecken aufgrund der harten Sitten in der Armee werdet ihr Gefallen an dem Fallschirmsprung finden, denn die Aussicht ist gigantisch. Unter euch toben auf einer riesigen Fläche bereits die Kämpfe, selbst Details wie zu zerstörende Flaks lassen sich schon ausmachen. Grüner Rauch zeigt euch an, wo eine Landung besonders günstig ist. Doch diese sicheren Landezonen sind allenfalls eine Empfehlung, im Grunde dürft ihr überall im gesamten Level landen. Selbst strategisch günstige Plätze wie ein Kirchturm oder ein Dach in der Nähe einer Feindstellung stehen euch offen, wenn ihr denn in der Luft den Fallschirm in die richtige Richtung lenkt und eine halbwegs saubere Landung hinlegt.

Zielmanagement

Mit einem Snipergewehr räumt ihr kräftig auf

Eine nette Erweiterung des klassischen Shooter-Alltags stellen die Sprünge somit auf jeden Fall dar und bieten euch besonders im Mehrspielermodus neue taktische Möglichkeiten. Im Rahmen der Solokampagne machen die Sprünge aber vielleicht gerade einmal 3 % der Spielzeit aus. Sobald ihr sicher am Boden gelandet seid, spielt sich "Airborne" wie jeder andere Weltkriegsshooter. In jeder Mission erhaltet ihr verschiedene Einsatzziele, wie etwa drei deutsche Offiziere auszuschalten oder einen Funkturm zu zerstören. Ein gelber Pfeil auf eurem Kompass zeigt euch die ungefähre Richtung des Zieles an, so dass ihr euch nicht hoffnungslos auf den zuweilen recht großen Schlachtfeldern verlauft.

Gerahmte Freiheit

Nach einer Waffenaufwertung verschwimmt für kurze Zeit das Bild

Auch dank der Fallschirmsprünge sind die Levels in "Airborne" nicht strikt linear aufgebaut, wie man es aus den Vorgängern noch kennt. Je nachdem, wo ihr landet, spielt sich eine Mission immer etwas anders. Während Anfänger erst mal in einer sicheren Landezone herunterkommen sollten, können Mutige auch im Rücken des Feindes ihr Glück wagen. Habt ihr so kein Glück, sucht ihr euch beim nächsten Sprung, der nach dem Ableben des Helden umgehend erfolgt, eine andere Landeposition aus.

Qual der Wahl

Die Kämpfe gegen die Panzer zehren an den Nerven

Meist gibt es in einer Mission auch mehrere Ziele zu bewältigen, bei der Reihenfolge der Abarbeitung seid ihr aber weitestgehend frei. Im spannenden Einsatz Operation Avalanche, der in der italienischen Ausgrabungsstätte von Paestum spielt, könnt ihr beispielsweise zuerst zwei Treibstofftanks in die Luft jagen, ein Munitionslager zerstören oder einen Funkturm in luftiger Höhe sabotieren. Welche Aufgabe ihr zuerst angeht, ist völlig egal, was euch ein annehmbares Maß an Freiheit gibt. Zum Ende eines Einsatzes kommt es dann aber in der Regel zu einem stärker geskripteten Showdown. Natürlich merkt das Spiel aber auch, wo ihr gerade kämpft, und schickt die feindlichen Truppen zum Brennpunkt. Ihr müsst also nicht befürchten, dass ihr in "Airborne" keine Gegner habt.

Wer suchet, der findet

Ihr dürft eure Waffen individuell auswählen

Die Feinde verhalten sich sogar recht clever und ziehen sich bei Beschuss gekonnt zurück. Zuweilen agieren die Deutschen aber schon etwas zu aggressiv und suchen den direkten Nahkampf. Weniger schlau sind leider die eigenen Teamkameraden, die euch nur wenig helfen und euch zudem oft genau vor den Lauf rennen. Der Schwierigkeitsgrad von "Airborne" ist durchaus anspruchsvoll, bereits auf der Einfachsten von drei möglichen Stufen. Allerdings hilft es ungemein, die nähere Umgebung in den Missionen auszukundschaften. Ein uneinnehmbares Schloss verliert über einen geheimen Keller- oder Seiteneingang viel von seinem Schreckens, vor allem, da ihr so die gefährlichen MG-Nester umgehen könnt.

Kurz und knackig

Auf dem Fabrikgelände im Ruhrgebiet wimmelt es von Scharfschützen

Mit gerade einmal sechs Schauplätzen, darunter leider auch mal wieder die Normandie, ist "Airborne" kein allzu langes Vergnügen. Profis werden den Titel in weniger als sechs Stunden durchgezockt haben. Dank des offenen Leveldesigns und einem unrealistischen, aber motivierenden Upgradesystems der Waffen kann sogar der zweite Durchlauf noch Spaß machen, zudem dürfte der ansprechende Mehrspielermodus seine Anhänger finden. Letztlich bleib "Medal of Honor: Airborne" aber ein sehr typischer Weltkriegs-Shooter, wie ihr ihn in den letzten Jahren zur Genüge gespielt habt. Ist der Boden nach dem kurzen Luftintermezzo erst einmal erreicht, hört es mit den Innovationen fast gänzlich auf. Die packende Inszenierung der Schlachten mag darüber hinwegtrösten, doch spielerisch und auch in Sachen Story hätten wir schon etwas mehr erwartet.

Krieg ohne Physik

Eine Landung so nahe an einer Feindstellung ist immer risikoreich

Das Gleiche trifft auch auf die Grafik zu. Auf den ersten Blick macht die Optik einen hübschen Eindruck. Sowohl die Charaktermodelle als auch Licht- und Spiegeleffekte sehen klasse aus, dagegen fallen die Explosionen und etliche Texturen stark ab. Auch die nur rudimentär vorhandene Physikengine passt nicht so recht zu einem NextGen-Shooter. Keinen Grund für Kritik gibt es in den Bereichen Steuerung und Sound. Sowohl auf der Xbox360 als auch am PC steuert ihr euren Helden intuitiv durch die Levels. Der orchestrale Soundtrack und die knalligen Effekte sorgen zudem für die nötige Atmosphäre, die "Airborne" trotz des bekannten Gameplays wieder aufzubauen vermag.

Fazit

von Jan Höllger

Frischen Wind ins aus meiner Sicht überstrapazierte Weltkriegssetting bringt "Medal of Honor: Airborne" leider nur wenig. Klar ist die Idee mit den Fallschirmsprüngen interessant und auch klasse umgesetzt, doch sobald ihr den Boden erreicht, spielt sich "Airborne" wie jeder andere Shooter. Und mit einem "Call of Duty 3" gibt es da eben einen Genrevertreter, der euch deutlich intensiver in das Geschehen hineinzieht und zudem besser aussieht. Trotzdem ist "Airborne" natürlich ein routiniert in Szene gesetztes Actionspiel, das Fans des Szenarios fraglos ansprechen wird. Doch neben einigen eher langweiligen Schauplätzen ist vor allem die sehr kurze Spielzeit für ein derartiges Spiel indiskutabel. Immerhin bessert der spannende Mehrspielermodus das ungenügende Preis-/Leistungsverhältnis ein wenig auf. Wer vom 2. Weltkrieg immer noch nicht genug bekommen kann, mag über die Mängel hinwegsehen, alle anderen warten auf das vielversprechendere "Call of Duty 4".

spieletipps meint:
82

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