Die Siedler - Aufstieg eines Königreichs (PC)
Artikel veröffentlicht am 03.10.2007
Die "Siedler" Reihe gehört in Deutschland zu den erfolgreichsten PC Spiel Reihen, die es gibt. Mit dem Vorgänger verließen die Entwickler im Grunde den einst erfolgreichen Aufbau - Kern des Spieles um auf der Suche nach neuen Wegen nur auf den ausgelutschten Pfaden der Echtzeit Strategie zu landen. Die meisten "Siedler" Fans waren schlichtweg empört, obwohl es kein schlechte Spiel war. Deshalb wollen die Hersteller mit "Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs" zurück zu den Wurzeln des Spiels. Von Salome Schüle
Sechser Pack
Auch wenn es sich bei "Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs" wieder um ein reinrassiges Aufbauspiel handelt, ist es in eine bescheidene Story verpackt geworden. Der fiese Rote Prinz ist zu neidisch und machthungrig. Damit er nicht die Stelle des Königs einnehmen kann, was er gern würde, kämpfen wir und unsere Ritter innerhalb der Kampagne in 16 sehr abwechslungsreichen Missionen gegen ihn und seine Schergen. Dabei bekommt ihr es auch mit brandschatzenden Wikingern, tödlichen Seuchen, plündernden Banditen und zeitweise Leerlauf zu tun. Dabei schlüpft ihr in die Haut von einem der sechs zur Verfügung stehenden Helden. Jeder dieser Helden hat Vor- und Nachteile und je nachdem, welchen dieser Charaktere ihr übernehmt, spielt sich "Siedler 6" etwas anders.
Der Grundstock
Alandra greift z. B. Kirchgängern etwas tiefer in die Tasche, kann dafür aber auch kranke Siedler heilen. Elias beweist dagegen, dass er ein extremes Geschick beim Handeln hat und wer die Nachbarn kriegerisch erobern will, sollte das mit Marcus tun, der Truppen günstiger rekrutieren kann. Mit eurem Helden begebt ihr euch dann in die zu besiedelnde Region. Sehr praktisch ist eine kleine Übersichtskarte, auf der mit Symbolen angezeigt wird, welche Waren und Rohstoffe ihr in diesem Gebiet findet. Dort findet ihr dann eine Burg, eine Kirche und ein Lagerhaus mit den benötigten Rohstoffen für den Aufbau eures Dorfes. Das ist der Grundstock eurer Siedlung, um den ihr euch nicht kümmern müsst.
Abgespeckter Warenkreislauf
Dank eines sehr übersichtlichen Menüs habt ihr in kurzer Zeit einen Steinbruch und eine Holzfällerhütte errichtet. Diese zwei Gebäude liefern euch die notwendigen Rohstoffe, die ihr unbedingt für eine erfolgreiche Vergrößerung eurer Siedlung braucht. Da ihr sicher nicht wollt, dass eure Untertanen verhungern solltet ihr danach schnellst möglich eine Jagdhütte und die weiterverarbeitende Metzgerei hochziehen. Insgesamt wurde im Vergleich mit früheren Titeln wie z. B. das äußerst beliebt "Siedler 2" der Warenkreislauf etwas vereinfacht. Neu dabei ist die Tatsache, dass die Arbeiter selbst alle Waren direkt ins Lagerhaus bringen. Dadurch entsteht ein zentraler Aufbau rund um das Lagerhaus und den Marktplatz. Hunger haben zwar weiterhin alle Siedler, aber im Grunde gibt es zu einem Rohstoff nur noch ein weiterverarbeitendes Gebäude.
Glückliche Siedler
Um das erlegte Wild aus der Jagdhütte z. B. als Nahrung anbieten zu können, errichtet ihr eine Metzgerei. Bei Getreide reicht danach ein Bäcker, die Mühle ist weggefallen. Allerdings gibt es bei machen Waren mehrere Weiterverarbeitungsmöglichkeiten. Erlegtes Wild dient nicht nur als Nahrungsgrundlage für den Metzger, sondern mit einer Gerberei erzeugt ihr damit auch noch Kleidung. Wenn der Ausstoß eines Produktionsgebäudes zu gering ist, könnt ihr es mit einem Update in drei Stufen ausrüsten. Dabei ist ein voll ausgebautes Gebäude effektiver als drei gleiche in der Grundstufe. Ein weiter Vorteil dieser Vorgehenswege betrifft den Transport der Waren. Produktionsbetriebe auf dem höchsten Level bekommen einen Handkarren, mit dem sie das Hergestellte schneller befördern können.
Straßenbau
Damit der Transport von Waren grundsätzlich schneller geht, solltet ihr sowieso die einzelnen Gebäude mit Straßen untereinander verbinden. Die Siedler befördern zwar auch ohne ein gutes Wegenetz ihre hergestellten Produkte, aber deutlich langsamer. Dadurch kommt es dann viel schneller zu entsprechenden Engpässen und dem daraus folgenden Stillstand. Positiv ist die einfache Tatsache, dass ihr Rohstoffe wie z. B. Eisenerz sofort abbauen könnt, wenn ihr sie findet. Auch dann, wenn es euch noch nicht möglich ist, sie weiterzuverarbeiten. Sind die Voraussetzungen dazu dann endlich erfüllt, ist schon ein gewisser Vorrat angehäuft und die Herstellung von wichtigen Produkten erfolgt schneller.
Expansion
Die zu besiedelnden Karten sind in mehrere Gebiete unterteilt. Auf eurem Startgebiet findet ihr nicht alle Rohstoffe. Die andern Ländereien sind in einem undurchdringlichen Nebel verhüllt. Nun tritt euer Held auf den Plan. Um expandieren zu können, müsst ihr euren Helden aussenden. Schon anhand der farbigen Grenzlinien könnt ihr meistens erkennen ob es sich um neutralen Boden handelt. Wenn ihr diesen mit eurem Helden betretet, lichtet sich der Nebel und ihr könnt anhand der Symbole auf eurer Minikarte sehen, was dieses Territorium alles anzubieten hat. Um ein solches Gebiet für euch beanspruchen zu können, müsst ihr es erobern.
Außenposten
Das geht nur indem euer virtuelles Ego weiterhin dort verweilt und einen Bauauftrag für einen Außenposten erteilt. Danach macht sich ein Siedler mit einer Handkarre auf den Weg und errichtet das Gebäude am gewünschten Platz. Sobald das Bauwerk fertig ist, gehört der Landstrich euch und ihr könnt ihn genauso wie euer Startgebiet besiedeln. Natürlich kommt es auch vor, dass Gebiete schon von anderen Partien besetzt sind. Wenn es sich dabei um Freunde oder neutrale Völker dreht, könnt ihr mit ihnen regen Handel betreiben. Aber es kommt auch vor, dass ihr auf Feinde stoßt und es zu recht einfachen Kampfhandlungen kommt. Eine gelungene KI eurer Soldaten und Gegner ist kaum vorhanden, darum hätte es dem Spiel gut getan, ganz auf die unterdurchschnittlichen Kampfhandlungen zu verzichten.
Der Aufstieg
Wenn ihr die Wünsche eurer Siedler nicht erfüllen könnt fangen sie irgendwann zu streiken an. Da im Lauf des Spiels auch die Ansprüche eurer Untertanen größer werden, müsst ihr auch dafür sorgen, dass euer Held aufsteigt. Mir jeder Beförderung werden neue Gebäude freigeschaltet. Um eine Beförderung zu ermöglichen, müsst ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dadurch entsteht wiederum ein kontinuierlicher Aufbau eurer Siedlung. Eine weitere Herausforderung dabei sind unterschiedliche Klimazonen wie z. B. Bergregionen, fruchtbares Land oder karge Wüstengebiete. Abgerundet wird dieses System mit einem stetigen Tag und Nachtwechsel und unterschiedlichen Wetterbedienungen.
Wuselfaktor
Die einstige knuddel Grafik der Siedlerspiele ist dahin, nicht aber der enorme Wuselfaktor. Eine gut ausgebaute Siedlung wird sehr lebendig präsentiert. Wer sich dann die entsprechende Zeit nimmt, kann seine wuselnden Untertanen beobachten - und das ist ein wahrer Augenschmaus. Denn grafisch trumpft das Spiel auf, mit einem realistischen Look zwar, aber erstklassig gestaltet und wunderschön mit klasse Effekten. Egal ob es sich um die vorbildlichen Animationen der Siedler oder das fantastische Aussehen der Gebäude und Landschaftsumgebungen handelt. Untermalt wird das Ganze mit einem orchestralen, aber sehr gut passenden Soundtrack und einer gekonnten Sprachausgabe. Die ausgezeichnete Steuerung geht einem schon nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über.
Fazit
von Salome Schüle
Endlich ist der Ausflug ins Echtzeit Genre beendet. Mit "Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs" kehrte das Spiel gekonnt zu den Wurzeln der Serie zurück. Die ersten Stunden mit dem Spiel haben mich regelrecht begeistert. Durch den vereinfachten Warenkreislauf wurde es einsteigerfreundlicher, andererseits ist dadurch die Langzeitmotivation zurückgeschraubt worden. Der Aufbau einer neuen Siedlung macht extrem viel Spaß, der Wuselfaktor in seinem neuen realistischen Look gefällt mir hervorragend und die Kampagne wurde gut in Szene gesetzt. Andererseits wiederholen sich bestimmte Abläufe viel zu oft, ein alter Schwachpunkt der Serie, der durch die Vereinfachung der Produktionsketten zugenommen hat. "Siedler 6: Aufstieg eines Königreichs" kommt eben nicht an die motivierende Komplexität eines "Anno 1701" heran, ein klasse Spiel ist es trotzdem.
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