Metal Fatigue (PC)
Artikel veröffentlicht am 22.06.2000
Es gibt Leute, die befürchten, dass der totale Kapitalismus als Wirtschaftsform zum Krieg unter den großen Firmen führen könnte. Im "Metal Fatigue"-Universum ist dies schon zur grausigen Wirklichkeit geworden. In diesem Echtzeit-Strategiespiel kämpfen drei Corpo-Nation um die Vorherrschaft im Hedoth-Planetensystem. Dieser Test soll zeigen, ob dieses Spiel auch eine führende Rolle unter den Echtzeit-Strategiespielen einnehmen kann. Von Gerd Schüle
Das Spiel: Im 23. Jahrhundert entdeckten die Menschen im Hedoth-Universum die Reste einer hochentwickelten und kriegerischen Kultur. Die Analyse der übriggebliebenen militärischen Einrichtungen ergab, dass diese Alien-Rasse technologisch der Menschheit weit überlegen war, aber aus einem unerklärlichen Grund für immer verschwunden ist. Als man die Bedeutung dieser technologischen Funde begriff, führten drei Großkonzerne einen erbarmungslosen Krieg um die Vorherrschaft im Hedoth-Planetensystem. Anhand der drei Angelus-Brüder wird die spannende Geschichte von "Metal Fatigue" (zu Deutsch: "Metallermüdung"; sprich: "Metel Fetiig") weitererzählt. Jeder der drei Brüder landet nach einer sensationellen Entdeckung auf dem Hauptplaneten des Hedoth-Systems bei einer anderen Corpo-Nation. Die abwechslungsreiche und sehr spannende Story wird in den drei Kampagnen jeweils aus der Perspektive der drei Brüder weitererzählt.
Als Spieler versucht man die Kontrolle der jeweiligen Corpo-Nation zu übernehmen. Dabei wird die Story aus zwei Blickwinkeln heraus weitererzählt; einmal die rein sachliche Ebene, in der man die Ziele der nächsten Mission erfährt, und dazu noch die subjektive Sicht aus den Augen eines der Brüder. Es ist sehr lobenswert, dass sich die Designer mit dem Hintergrund des Spieles so viel Mühe gegeben haben.
Durch die überzeugende Story entsteht eine sehr dichte Atmosphäre, trotz fehlender Zwischensequenzen. Die gesamte Geschichte wird nur anhand einer Textausgabe weiterentwickelt. Erstklassige Rendersequenzen bekommt man leider nur am Anfang des Spieles und am Ende einer jeder Kampagne zu sehen. Hätte man hier konsequent Videos genutzt, wäre das Spiel ein absoluter Hit. Sehr gut gelungen sind den Entwicklern von "Zono" die vielen neuen Ideen, die sie ins Spiel eingebaut haben. Das fängt z. B. bei beweglichen Wänden an und geht bis zur Gestaltung des Schlachtfeldes. Im Gegensatz zu Konkurrenztiteln finden die Kämpfe auf drei Ebenen statt: Auf der Planetenoberfläche, im Untergrund und im Orbit auf verhältnismäßig kleinen Asteroiden. Dadurch kommen viele zusätzliche strategische Möglichkeiten mit ins Spiel. Das Ganze ist zudem sehr gut umgesetzt, durch einen Mausklick oder Tastendruck kann man z. B. von einer Ebene zur anderen umschalten.
Der absolute Clou in "Metal Fatigue" sind aber die gigantischen und coolen Kampfroboter die "Combots", die dem Spiel ein eigenes und unverwechselbares Flair geben. Die Combots sind auch in fast allen Missionen der Schlüssel zum Sieg. Aber das genialste an der ganzen Sache ist das Baukastensystem der Kampfroboter. Jeder Combot besteht aus vier Teilen, die man individuell zusammensetzen kann: dem Torso, den Beinen und dem rechten und linken Arm.
Jedes Teil wird einzeln produziert und nachher zu einem Combot zusammengeschweißt. Im Laufe des Spiels werden immer bessere Teile freigeschaltet. Zudem ist es möglich, die abgetrennten Gliedmaßen des Gegners zu erbeuten, danach zu erforschen, um sie dann in die eigene Produktion mit aufzunehmen. Während der Kämpfe kann man sogar seine eigenen Arme absprengen, um bei sich selbst die besseren Arme der Gegner anzubringen. Mit einem 10 Meter langen Schwert ist es ein leichtes, den Arm eines gegnerischen Combots abzutrennen und sich selbst einzuverleiben. Für all diese guten Ideen haben die Entwickler ein dickes Lob verdient. Natürlich bietet "Metal Fatigue" darüber hinaus das Genreübliche wie z. B. Basisbau oder Ressourcenmanagement ebenfalls an. Auch die üblichen Komfortfunktionen wie Wegpunkte, Warteschlangen bei der Produktion der Einheiten, eine praktische Übersichtskarte und sinnvolle Truppenbefehle fehlen in "Metal Fatigue" nicht.
Die Grafik: Wie die meisten Neuentwicklungen hat auch "Metal Fatigue" eine 3D-Grafik zu bieten, allerdings mit einem großen Unterschied - wenn man will, kann man es spielen wie ein klassisches 2D-Echtzeit-Strategiespiel. Zwar kann man auch bei diesem Programm die Kamera frei drehen, kippen und zoomen, aber es ist zu keinem Zeitpunkt zwingend erforderlich. Damit fällt die ständige Suche nach der optimalen Kameraeinstellung weg und das ist sehr gut so. Weniger gut ist die Ausgestaltung der 3D-Landschaft. Das Terrain mit Bergen, Hängen und Tälern ist zwar sehr gut gelungen, aber durch die sehr spärliche Vegetation sieht die Landschaft teilweise recht öde aus. Aber durch die geradezu geniale Animationen der hervorragend aussehenden Combots wird man wirklich mehr als entschädigt. Es ist ein wahrer Augenschmaus, den kämpfenden Combots zuzuschauen. Die restlichen Einheiten einschließlich der Gebäude sind ebenfalls recht annehmbar dargestellt.
Die Bedienung: Die Steuerung des Programmes ist logisch aufgebaut. Das gesamte Spiel lässt sich mit der Maus vorbildlich steuern. Zwar gibt es optional dazu recht viele Tastenkombinationen, aber diese sind nicht notwendig, um das Spiel sicher in den Griff zu bekommen. Durch die vorbildliche Kameraführung findet man sich sehr schnell zurecht. Für Anfänger ist es eventuell ratsam, einen Blick in das recht verständliche Handbuch zu werfen, alle anderen können sofort loslegen.
Der Sound: Das ganze Spiel wird durch eine angenehme und auf Wunsch auch abschaltbare Hintergrundmusik untermalt. Die Soundeffekt im Spiel sind passend und auch gut umgesetzt. Eine angenehme Stimme warnt und gibt wichtige Informationen vor und während des Spiels weiter.
Fazit:Ich kann es nicht verleugnen, "Metal Fatigue" hat mich total begeistert. Das gelungene Design der coolen Combots und die perfekt umgesetzte Idee mit den drei Ebenen geben dem Spiel einen eigenen, unverwechselbaren und faszinierenden Touch. Gerade durch die verschiedenen Ebenen wird der Spieler auf eine ganz neue Art und Weise herausgefordert. Unverbrauchte neue Features und ein überzeugendes Spielprinzip lassen "Metal Fatigue" aus der Masse der Echtzeit-Strategiespiele herausragen. Das Programm hätte einen Award verdient, wenn da nicht ein paar ärgerliche Detailmängel wären, wie z. B. die etwas öden Einsatzbesprechungen mit den fehlenden Zwischensequenzen, oder zum Teil zu lange und etwas lieblos gestaltete Missionen. Der gravierendste Fehler des Spiels sind aber die fast schon peinlichen Rechtschreibfehler in den Missionsbeschreibungen. So etwas dürfte heutzutage wirklich nicht mehr vorkommen. Trotzdem ist das Spiel sehr empfehlenswert und für Strategiefans ein regelrechtes Muss.
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