Halo 3 (Xbox 360)
Artikel veröffentlicht am 27.09.2007
Aller guten Dinge sind Drei, doch gilt das auch für den Master Chief? Im finalen Teil der Halo-Trilogie findet die Story um die Ringwelt ihren krönenden Abschluss. Viel wichtiger sind allerdings die Fragen nach Technik, Gameplay und dem Multiplayermodus. Kann Halo 3 in diesen Bereichen auf der Xbox360 wirklich neue Standards setzen oder entpuppt sich die Halo-Hysterie als hoffnungsloser Hype? Wir geben euch im Test die ungeschönte Antwort. Von Jan Höllger
Grün wie die Rüstung des Master Chief ist die Hoffnung
Vor drei Jahren erschien der bislang letzte Teil der beliebten Shooter-Reihe, damals noch für die alte Xbox. Mochte der Solomodus damals aufgrund des plötzlichen Endes nicht ganz überzeugen, gilt Halo 2 bis heute noch als eines der besten und am meisten gezockten Multiplayertitel. Dementsprechend hohe Erwartungen werden an die Entwickler von Bungie bei Halo 3 gestellt, gilt es doch als wichtigstes Xbox360-Spiel und Systemseller für Microsoft. Wir wollen uns zunächst mit der Solokampagne beschäftigen.
Actionblockbuster
Diese knüpft storytechnisch direkt am Ende des Vorgängers an. Das Kampfgeschehen verlagert sich nun auf die Erde, deren Position die Covenants gerade ausfindig gemacht haben. Der einzige, der die Vernichtung des blauen Planeten noch aufhalten kann, ist der Master Chief höchstpersönlich. Nach einer etwas unsanften Landung findet er sich im tiefsten Dschungel wieder, natürlich unverletzt. Wie man es aus den Vorgängern kennt, wird die spannende, aber auch ein wenig undurchsichtige Story in mitreißenden Zwischensequenzen erzählt, die sowohl optisch wie auch akustisch superb umgesetzt sind und Kinoqualitäten besitzen.
Waffenpower
Spielerisch werden sich Halo-Kenner sofort heimisch fühlen. Vor allem die Steuerung geht super flüssig von der Hand, auch wenn das Nachladen von Waffen nun nicht mehr über die X-Taste, sondern den RT-Bumper vonstatten geht. Doch nach kurzer Umgewöhnung stört diese Umstellung nicht mehr. Wie gehabt steht ihr immer vor der Wahl, ob ihr lieber mit zwei Waffen gleichzeitig kämpft oder stattdessen auf die starken Granaten in der linken Hand vertraut. Beide Arten haben ihr Vor- und Nachteile, so dass ihr ruhig häufig zwischen verschiedenen Waffen und Granaten wechseln solltet. Mit knapp 20 verschiedenen Schießeisen ist das Waffenarsenal mehr als üppig, wovon besonders der Mehrspielermodus profitiert. Doch auch im Rahmen der Story kann es nötig sein, dass der Master Chief eine Alienwaffe benutzt oder gar mit dem Partikelschwert in den Nahkampf geht. Mit Plasmakanone, Maschinengewehr und einem Raketengeschütz gibt es zudem drei Stativwaffen. Das Besonders ist, dass sich diese mächtigen Waffen auch von dem Stativ herunterreißen lassen, dann aber nur noch über begrenzte Munitionskapazität verfügen.
Weit und läufig
Neu sind auch einige Ausrüstungsgegenstände, die der Master Chief einsetzen darf. Mit dem Blasenschild lassen sich für kurze Zeit etwa alle Schüsse und Granaten aufhalten, der Grav-Lift lässt den Helden ein paar Meter in die Luft steigen. Genau wie die zehn benutzbaren Fahrzeuge wirken sich die Ausrüstungsgegenstände vor allem im Onlinespiel aus. Um gegen die clevere und vielköpfige Alienarmee eine Chance zu haben, werdet ihr oftmals von Kameraden im Kampf unterstützt. Auch die Verbündeten gehen geschickt hinter Mauern in Deckung und räumen unter den Feinden gut auf. Das Leveldesign ist zudem so ausgelegt, das es hin und wieder auch kurze Alternativrouten gibt. So dürft ihr mit dem Master Chief statt über eine Brücke auch unter dieser hergehen, wodurch ihr den Feinden in den Rücken fallen könnt. Auch wenn die Levels recht linear ablaufen, habt ihr nie den Eindruck durch einen Schlauch gescheucht zu werden. Gegenüber den Vorgängern sind die Missionen deutlich weitläufiger ausgefallen.
An die frische Luft
Die Action in Halo 3 ist bombastisch, ruhige Momente gibt es nur selten. Ganz überzeugen konnte uns das Leveldesign aber auch nicht. Besonders die Innenräume sind optisch und architektonisch manchmal langweilig designt, was fast schon typisch für die Shooter-Reihe ist. Das fällt unter anderem in der zweiten Mission auf, die auf einem Militärstützpunkt spielt. Die öden Wandtexturen und das Graubraun-Gemisch hätte wohl auch die alte Xbox noch darstellen können. Ohnehin ist Halo 3 grafisch nicht ganz der erwartete Überflieger. Zwar sieht das Spiel alles andere als schlecht aus, doch echte Highlights gibt es zu selten. Für WoW-Momente sorgen allerdings die famosen Licht- und Explosionseffekte. Im Mehrspielermodus wird der Detailgrad der Optik allerdings deutlich heruntergefahren und stellenweise ruckelt das Geschehen auch unschön, was wir beim Solopart nicht erleben konnten. Bestnoten gibt es dafür für den Sound. Zu jeder Zeit begleitet ein ungemein atmosphärischer Soundtrack das Geschehen und die Effekte knallen lautstark aus den Lautsprechern.
Wie schwer darf es sein?
Für die neun Missionen der Solokampagne dürft ihr in den einfacheren Schwierigkeitsgraden etwa 10 Stunden einplanen. Die gesamte Zeit werdet ihr auf einem extrem hohen Niveau unterhalten, Story und Kämpfe bieten genug Überraschungen, da verzeiht man ein paar eher langweilige Abschnitte mit Levelrecycling. Richtig anspruchsvoll wird Halo 3 in den beiden höchsten Spielstufen. Konntet ihr zuvor problemlos mit Schnelligkeit und Zielgenauigkeit unter den Feinden aufräumen, müsst ihr im höchsten Schwierigkeitsgrad schon taktischer vorgehen, da sich die Aliens enorm geschickt verhalten und die Levelumgebung perfekt ausnutzen. Wer sich darauf einlässt erlebt ein unglaublich intensives Spielerlebnis.
Der neue Onlinegott!
Eine Klasse für sich ist der Mehrspielerpart von Halo 3. Ganze neun verschiedene Onlinemodi stehen euch zur Verfügung, von denen einer packender ist als der andere. Dank eines Bewertungssystems könnt ihr eure Leistungen einfach mit denen euerer Gegner vergleichen, um so beispielsweise gleichstarke Mitspieler zu finden. Die Mehrspielerlobby sowie die ganzen Menüs machen einen äußerst durchdachten Eindruck und verdeutlichen die Wichtigkeit der Mehrspielermatches in der Halo 3-Welt. Cool ist auch die Möglichkeit, dass ihr die gesamte Solostory mit bis zu vier Leuten im Coop-Modus gemeinsam erleben dürft. Wer mag zeichnet sämtliche seiner Onlinematches auf und betrachtet die Filme später aus allen möglichen Kameraperspektiven im Kino-Modus. Natürlich dürft ihr die selbst erstellten Actionblockbuster auch euren Freunden zur Verfügung stellen.
Schmieden statt Spielen
Eine Art Editor verbirgt sich hinter der Schmiede. Hier dürft ihr alle Objekte wie Waffen oder Grav-Lifte beliebig auf den vorhandenen Karten neu verteilen oder hinzufügen. Selbst nach unzähligen Mehrspielerpartien bieten euch die Maps so immer wieder Überraschungen, wobei es schon erstaunlich ist, was für Auswirkungen eine andere Platzierung eines Jeeps oder eines Raketenwerfers auf einer Karte hat.
Fazit
von Jan Höllger
Der Master Chief hat es wieder geschafft. Halo 3 ist das erwartete große Spiel geworden, dass sich kein Xbox360-Besitzer entgehen lassen sollte. Bei mir persönlich wollte der Solomodus zwar nicht so richtig zünden, besonders die Innenräume fallen mir immer noch zu stark gegenüber den herausragenden Schlachten unter freiem Himmel ab. Doch insgesamt gesehen hatte ich selten bei einem Shooter auf Konsole mehr Spaß, zumal die Action gewaltig ist und kinoreif inszeniert wird. Nochmals deutlich besser als die Solo-Kampagne ist der gesamte Mehrspielermodus, der unglaublich durchdacht wirkt und mit der Schmiede oder dem Aufzeichnungsmodus sicherlich auf lange Sicht motivieren kann. Als Gesamtpaket aus Einzel- und Mehrspielerpart ist Halo 3 daher schon das derzeit beste Xbox360-Spiel. Wem es aber allein auf die Solo-Kampagne ankommt, wird mit Bioshock länger und gehaltvoller unterhalten. Spannend bleibt jedenfalls die Frage, ob Halo 3 wirklich der Abschluss der Trilogie sein wird, das Halo-Universum würde sicherlich noch für mehrere Spiele genug Stoff bieten.

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