Spiele im Fokus

(Special)

Seit dem Amoklauf in der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten vom 21.11.2006 diskutieren einige führende Politiker in diesem Lande erneut über ein Verbot von sogenannten "Killerspielen". Es wird weitgehend dahin argumentiert, dass es solche Spiele seien, die derartige Gewaltverbrechen fördern oder sogar auslösen würden.

In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" vom 09.12.2006 äußerte sich der bayrische Innenminister Günther Beckstein (CSU) zu diesem Thema folgendermaßen: "Ein Kriminologe hat mir viele Killerspiele vorgeführt. Sie fördern Gewaltbereitschaft und aggressives Verhalten, können bei anfälligen Personen zu Nachahmungstaten führen. Durch das stundenlange Anschauen von Killerspielen stumpfen viele Jugendliche ab. Bei labilen Charakteren sinkt eindeutig die Hemmschwelle."

1 von 3

Amokläufer:

Auch Jörg Schönbohm aus Brandenburg ist da ähnlicher Auffassung. "Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten." Aber würde man mit einem Verbot solcher Spiele Amokläufe wie in Littleton, Erfurt oder Emsdetten tatsächlich verhindern? Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass diese Spiele nicht der einzige Auslöser für derartige Amokläufe sein können. Wissenschaftlich lässt sich ein direkter Zusammenhang bisher nicht nachweisen.

Dr. Caroline Oppl und Dr. Astrid Kirsten, Mitarbeiterinnen der Freien Universität Berlin, kommen in ihren aktuellen Studien zur Wirkung von Gewaltspielen auf Kinder im Alter zwischen 8 und 13 Jahren zu dem Ergebnis, dass nicht die Spiele die Kinder aggressiv machen. Vielmehr sei der Konsum solcher Spiele von der Persönlichkeitsstruktur des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen abhängig. Jungen, die ein aggressiveres Verhalten zeigen, würden eher dazu tendieren Gewaltspiele zu spielen, während Mädchen, welche seltener zu aggressivem Verhalten neigen, sich mehr mit Geschicklichkeitsspielen beschäftigen würden. Diese Tatsache erklärt jedoch nicht, wie es zu solch erschütternden Ereignissen wie in Erfurt, Littleton oder Emsdetten kommen kann.

Nach Angaben des Deutschen eSport Bundes spielen in Deutschland ca. eine Million Menschen Spiele wie Counter-Strike. Dem gegenüber stehen im Zeitraum von 2002 bis 2006 neun Amokläufe in Deutschland zu Buche. Wenn also so genannte "Killerspiele" die Gewaltbereitschaft steigern und Taten wie in Emsdetten provozieren, warum ist die Zahl der Amokläufe dann nicht weitaus höher? Man muss sich fragen, ob die Ursachen für solche Gewalttaten nicht an anderer Stelle zu suchen sind.

Oftmals vergessen die Politiker, die ein Verbot von "Killerspielen" fordern, dass Gewalt nicht nur in Spielen vorkommt

Die meisten Motive sind sicher auf der persönlichen Ebene des Täters zu suchen. Wenn ein Täter beispielsweise vor der Tat verstärkt von seinen Mitschülern gehänselt oder sogar misshandelt wurde, so kann der Wille sich für diese Qualen zu rächen in einer exzessiven Gewaltanwendung ausarten. In einem Interview bei SPIEGEL Online zum Thema "Amokläufer an Schulen" vom 22. November 2006 machte der Psychologe Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt dazu folgende Aussage: "Jemand ist über längere Zeit wütend auf eine bestimmte Personengruppe und macht sie für sein Leid verantwortlich.

Die Person zeigt sich mit Schusswaffen und spricht Drohungen und Warnungen aus. Auslösend wirken dann Situationen, in denen ein wichtiger Faktor des Lebens wegfällt." letzteres wäre dann der Fall, wenn - wie im Fall Robert Steinhäuser, dem Amokläufer aus Erfurt - ein Schulabschluss verweigert wird. Der Amokläufer von Emsdetten hätte sich am Tag nach seiner Tat vor Gericht wegen unerlaubtem Waffenbesitzes verantworten müssen. Man kann sich schon vorstellen, dass diese Täter glaubten eh schon alles verloren zu haben. Vermutlich hätten sie auch ohne Gewaltspiele zu einer ähnlich spektakulären Handlung geneigt.

Sind Videospiele die einzigen Übermittler von Gewalt?

Oftmals vergessen die Politiker, die ein Verbot von "Killerspielen" fordern, dass Gewalt nicht nur in Spielen vorkommt. Auch im Fernsehen und Kino wird Gewalt dargestellt. Filme wie "Natural Born Killers" oder "From Dusk Till Dawn" zählen zu den Lieblingsfilmen vieler Jugendlicher. Auch Horrorfilme wie "Dawn Of The Dead" erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Zwar sind diese Filme mit einer Altersfreigabe ab dem 18. Lebensjahr belegt, jedoch kann die Einhaltung dieser Freigabe kaum kontrolliert werden, wenn ein solcher Film zu Hause im Regal steht.

Schließlich prüfen viele Eltern nicht einmal, was ihre Kinder sich ansehen. Müsste man dann nicht solche Filme auch verbieten? Das wäre eine logische Schlussfolgerung. Dann würde jedoch wiederum die Frage aufkommen, ob jeder, der sich einen solchen Film ansieht, verstärkt zur Gewalt neigt und somit ein potentieller Amokläufer ist. Diese Frage ist mit Sicherheit genauso schwer zu beantworten wie die, inwieweit Counter-Strike-Spieler verstärkt dazu neigen in der Realität durchzudrehen und wie wild um sich zu schießen.

1 von 3

Steine des Anstoßes:

Weiter mit: Spiele im Fokus - Seite 2

Kommentare anzeigen

Die 10 besten Aufbauspiele

Die 10 besten Aufbauspiele

In den vergangenen Jahren haben die Entwickler Aufbaustrategen nicht gerade mit viel Nachschub verwöhnt. Dennoch (...) mehr

Weitere Artikel

Wahr oder falsch? #222: Matschepampe als Basis für fiese Geräusche in Mortal Kombat X?

Wahr oder falsch? #222: Matschepampe als Basis für fiese Geräusche in Mortal Kombat X?

Wenn ihr euch mal richtig prügeln wollt, beschreitet ihr mit Mortal Kombat X den richtigen Pfad. Hier geht es nich (...) mehr

Weitere News

Gutschein Aktion

Holt euch Keys für Gigantic
Schnell zugreifen!

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht