Spiele im Fokus - Seite 2

(Special)

Ist ein Verbot von Gewaltspielen sinnvoll?

Jeder, der sich an seine eigene Kindheit und Jugend erinnert, der weiß, dass verbotene Dinge einen gewissen besonderen Reiz ausüben. Jeder hat schon einmal diesen oder jenen Film gesehen, obwohl die Eltern dies verboten haben, oder er hat gegen andere Verbote verstoßen. Warum also sollte dies bei Computerspielern anders sein? Gerade in Zeiten weltweiter Vernetzung stellt es kein Problem dar, sich Spiele herunterzuladen die in Deutschland verboten sind. Eine staatliche Kontrolle ist hier kaum möglich. Zwar gibt es bereits Internetwachen der Polizei, diese sind jedoch nicht in der Lage, den gesamten Datenverkehr in Deutschland zu überwachen. Hinzu kommt das Problem der offenen Grenzen innerhalb Europas. In einem Internet-Forum ist dazu folgender Satz eines Users zu lesen: "Mittlerweile wäre es mir egal, wenn in Deutschland alle Computerspiele verboten werden, denn dann kauf ich halt nur noch meine Spiele in Österreich [...]."

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Merkwürdig

Wenn in Deutschland ein Spiel verboten wird, wer soll dann einen Menschen, der dieses Spiel unbedingt haben möchte, daran hindern nach Frankreich, Polen, Tschechien, Österreich oder irgend ein anderes Land zu fahren und sich dieses Spiel dort zu kaufen? Wenn man Cannabis aus Holland schmuggeln kann, dann kann man auch Computerspiele mitbringen. Solange an den Deutschen Grenzübergängen keine flächendeckenden Gepäckkontrollen stattfinden, wie dies zu DDR-Zeiten üblich war, ist es kaum möglich die Einfuhr von verbotenen Spielen zu kontrollieren. Ein Rückgang des Konsums von Counter-Strike & Co wäre kaum zu erwarten.

Computerspiele als Sündenbock

Bei vielen Spielern entstand nach den Berichterstattungen über die Reaktionen der politischen Verantwortlichen auf die Ereignisse in Emsdetten der Eindruck, dass seitens der Politiker lediglich ein Sündenbock gesucht wurde, um das Versagen ihrer Politik zu vertuschen. Ohne die Ermittlungsergebnisse der Polizei abzuwarten wurden Gewaltspiele als Auslöser für diese Tat genannt. Nicht eingegangen wurde darauf, dass neben den persönlichen Motiven wie zum Beispiel ein Hass auf bestimmte Mitschüler auch soziale Missstände in diesem Lande als Ursache in Frage kommen. Nach Angaben des Kinderschutzbundes lebten im Jahre 2006 rund 2,5 Millionen Kinder von Sozialhilfe. Diese Kinder haben häufig nicht die gleichen Bildungs- und damit Berufschancen wie jene, deren Eltern ein normales Einkommen haben.

Meinung

Es ist sehr schade, dass sich einige unserer Politiker nach den schrecklichen Ereignissen in Emsdetten wieder einmal zu völlig überzogenen Reaktionen haben leiten lassen, ohne die Ermittlungen der Polizei abzuwarten.

Statt dessen sollen über eine Million unschuldiger Spieler für die Tat eines Einzelnen bestraft werden, obwohl ein Zusammenhang zwischen Spielen wie Counter-Strike und Amokläufen wie dem aus Littleton, Erfurt oder Emsdetten wissenschaftlich nicht erwiesen ist.

Was Computerspieler von der Killerspiele-Debatte halten

Gegenwärtig diskutiert man in der Szene heftig über die Aussagen vieler Politiker zum Thema Gewalt in Computerspielen. Im Bericht von Tagesspiegel Online vom 25. Januar 2007 äußerte sich der im Potsdamer Jugendclub "Alpha" tätige Sozialarbeiter Steffen Heise dahingehend, dass es für ihn enttäuschend sei, dass eine Generation Jugendlicher, die mit solchen Spielen aufgewachsen sind, unter Generalverdacht gestellt werde. Laut Heise wüssten 99,9 Prozent der Jugendlichen, dass sie die Computerwelt nicht mit der realen Welt gleichsetzen dürfen. "Die wissen, dass es anders als am Computer im realen Leben keine Speichertaste gibt, wenn eine Waffe im Spiel ist."

Ähnlich sind auch die Äußerungen der Jugendlichen, welche die regelmäßig stattfindenden LAN-Parties des Jugendclubs besuchen. Für sie ist klar, dass es etwas anderes ist eine reale Waffe abzufeuern als am Bildschirm zu ballern.

Jeder, der beruflich mit Schusswaffen zu tun hat, oder in der Bundeswehr diente, weiß, wovon hier die Rede ist. Im Online-Forum der Zeitschrift PC-Welt zum Artikel "Gewaltspiele, wenn das ZDF Amok läuft" vom 10. November 2004 sind ähnliche Äußerungen zu finden. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Satz eines Users: "Ich selber (vermutlich auch Millionen andere) kann zwischen Spiel und Realität unterscheiden! Ich kann im Spiel Monster töten/abschlachten, in der Realität kann ich kein Blut sehen. Mal so am Rande, ich bin so blutlüstern im realen Leben, dass ich Vegetarier geworden bin..." Auch wenn die Aussage aus dem Jahre 2004 stammt, so trifft sie dennoch auf die meisten heutigen Spieler zu (auch wenn die wenigsten ihre Essgewohnheiten aufgrund von Computerspielen ändern würden).

Innerhalb der Szene ist es unstrittig, dass bestimmte Spiele, die mit einem Mindestalter belegt sind, nur an Personen abgegeben werden sollen, die dieses Mindestalter auch erreicht haben. Jeder seriöse Händler wird eine Altersüberprüfung vornehmen, wenn er bezweifelt, dass der Käufer das entsprechende Mindestalter hat. Zu Hause jedoch sind die Eltern für die Kontrolle der Altersfreigabe zuständig. Das Problem ist nur, dass viele Eltern dieser Kontrollpflicht nicht nachkommen. Für viele ist es halt bequemer, ihr Kind vor den Computer zu setzen wo es den ganzen Tag sich selbst überlassen bleibt. Manche machen sich nicht einmal die Mühe auf den Bildschirm zu schauen um zu sehen, was die Kinder am Rechner machen. In diesem Falle ist es kein Wunder, dass selbst 10-jährige Spiele spielen, die erst ab dem 18. Lebensjahr freigegeben sind.

Fazit

Klar ist, dass Gewaltspiele allein nicht die Auslöser von Amokläufen sein können. Es muss noch viel mehr passieren, ehe man in der Wirklichkeit zur Waffe greift und auf jemanden schießt. Zwar sind die Ereignisse in Littleton, Erfurt oder Emsdetten tragisch, aber dennoch handelt es sich um Einzelfälle. Würde man Egoshooter und ähnliche Spiele verbieten, so würde damit über eine Million Unschuldiger für die Taten einzelner Personen bestrafen.

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