Handel mit virtuellem Geld - Seite 2

(Special)

Das heißt also, dass Blizzard daran gelegen sein müsste, diese schwere Schädigung des Spiels zu beweisen. Dafür hatten sie bei WoW zwei Jahre Zeit. Bei Diablo 2, einem älteren Online-Spiel des Entwicklers, sind es bereits über 6 Jahre. Doch getan hat sich nichts. Dem aufmerksamen Leser stellt sich jetzt die Frage: "Was ist da los? So ein großes Unternehmen schafft es nicht für seine Interessen einzutreten?"

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Konkurrenzkampf:

Meinung von Henning Ohlsen

Online-Rollenspiele und Goldfarmer gehören zusammen wie Chip und Chap oder Starsky und Hutch. Momentan überfluten sie World of Warcraft wie einst die Elbe Sachsen und niemand kann etwas dagegen tun. Die AGBs stimmen nicht mit unserem Gesetz überein, sind deshalb nicht rechtswirksam und den Spielern bleibt nichts anderes übrig, als an die Ehre aller zu appellieren, doch bitte auf den Kauf zu verzichten.

Doch was wäre, wenn es 1.000 Gold für 2 Euro zu kaufen gäbe? Dann würde vermutlich jeder seine moralischen Bedenken über Bord werfen und zuschlagen. Also ist es wohl eher der Neid, der so viele bei diesem Thema aufschreien lässt. Sie sind neidisch darauf, dass sie viele Stunden Zeit in das Spiel stecken müssen, um so viel Gold zu verdienen, wie andere in wenigen Minuten.

Dieses Video zu WoW schon gesehen?

Was tut eigentlich Blizzard?

Und diese Frage ist absolut berechtigt. Für wen wäre es noch leichter, eine große Menge Gold in Umlauf zu bringen, als für die Chinafarmer? In verschiedenen Foren behaupten böse Zungen, Blizzard hätte selbst etwas mit diesen Firmen zu tun, sei am Gewinn beteiligt, die Schließung der Accounts der Händler sei nur gefaked, oder noch schlimmer - es seien nur Tarnfirmen, die in Wirklichkeit von Blizzard geleitet würden. Auf der einen Seite verkündet man, man habe gerade wieder 50.000 Accounts von Betrügern gelöscht und auf der anderen verdient man durch den Goldhandel noch extra. Eine ziemlich verstörende Vorstellung für jeden treuen Kunden, die aber zum Glück nicht besonders realistisch scheint. Dadurch, dass man das Problem nicht in den Griff bekommt, entsteht viel zu viel negative Publicity.

Doch wie sehr schadet das zusätzliche Gold wirklich, das so in die Welt von Warcraft gerät? Ein Spieler, nennen wir ihn Oragarn, wollte Zeit sparen und kauft sich deshalb 1.000 Gold bei eBay. Er kann nun vorübergehend mehr Geld für die Gegenstände ausgeben, die er haben möchte. Das hat zur Folge, dass diese Sachen teurer werden, denn die Nachfrage steigt. Das Gold der anderen ist weniger wert. Wir haben eine Inflation - noch keine Hyperinflation wie in den frühen 1920ern, aber dennoch durchaus spürbar.

Rechenexempel

Drehen wir die Zeit einmal zurück: Oragarn möchte doch kein echtes Geld für virtuelles ausgeben. Also muss er selbst farmen gehen, wenn er sich neue Ausrüstung kaufen möchte. Oragarn spielt die nächsten 14 Tage jeden Abend zwei Stunden länger als sonst. Am Ende sieht er sich seinen Kontostand an und stellt fest, dass er 1.023 Gold verdient hat. Oragarn ist überglücklich und kauft die Sachen, die er braucht. Wieder folgen Preiserhöhung und Inflation.

Was unterscheidet diese beiden Methoden nun? Im ersten Fall erarbeitet Oragarn echtes Geld und investiert es in virtuelles, im zweiten erarbeitet er sich das Gold und investiert also mehr Zeit. Die Ergebnisse sind gleich, beide Male steigen die Preise. Blizzard wird vor Gericht also schwerlich beweisen können, dass der Handel mit Gold dem Spiel ernsthaft schadet. Deshalb gab es auch noch nie einen Prozess. Das Risiko diesen zu verlieren wäre zu hoch und könnte die Chinafarmer erst recht bekannt machen.

Moralischer Pranger

Den meisten Spielern geht es dabei sowieso mehr um die moralischen Gründe und weniger um den steigenden Preis. Sie sprechen davon, was für ein "geiles Gefühl" es ist, das erste eigene Reittier zu kaufen, dass man sich genau wie bei "Mensch ärgere dich nicht" an die Spielregeln halten sollte und seit es Berichte über die Chinafarmer gibt, wird auch immer wieder an die Menschenwürde appelliert.

Es mag stimmen, dass meist Jugendliche, die von zu Hause weggelaufen sind, sich bei solchen Unternehmern melden und in 12-Stunden-Schichten für einen Hungerslohn Gold sammeln. Aber was wäre ihre Alternative? Sie bekommen dort wenigstens zu Essen, einen Schlafplatz und ein bisschen Geld. Sonst säßen sie auf der Straße.

Fazit

Die Goldfarmer sind den normalen Zockern ein Dorn im Auge. Doch die Konsequenzen ziehen die wenigsten. Anstatt mit dem Spiel aufzuhören, diskutieren sie das Problem immer und immer wieder erschöpfend in verschiedenen Foren, ohne dass sich dadurch etwas ändern könnte. Blizzard muss dringend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von World of Warcraft so anpassen, dass sie mit unserem Gesetz stimmig sind, sonst werden sie den Handel nie stoppen können.

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