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Handel mit virtuellem Geld (PC)

Artikel veröffentlicht am 09.06.2007

Reichtum weckt Neider. Das ist nicht nur im echten Leben so. In MMORPGs wie "World of Warcraft" sind "Chinafarmer" ein viel diskutiertes Thema. Sie erspielen in kürzester Zeit eine Menge virtuelles Geld, in WoW "Gold", und verkaufen es bei eBay oder auf privaten Webseiten für echtes Bares. Dieser Markt floriert mehr als man im ersten Moment annimmt. 1.000 Gold ist ein Haufen Cash in WoW und es dauert etwa 25 Stunden um diesen Haufen zu verdienen - oder 2 Minuten und 50 Euro bei eBay. Von Henning Ohlsen

Die Entwickler von World of Warcraft, Blizzard Entertainment, sehen den Goldhandel sehr ungern, denn es ist ein Verstoß gegen ihre AGBs und Spieler, die sich Gold kaufen, haben einen Vorteil anderen gegenüber. "Wir sind nicht nur der Meinung, dass dieses Verhalten illegal ist, sondern wir glauben auch, dass dadurch die Wirtschaft im Spiel geschädigt und das allgemeine Spielerlebnis der tausenden Spieler, die World of Warcraft eigentlich genießen möchten, ruiniert wird."

Szenen:

World of Warcraft in all seiner Pracht Es gilt riesige Drachen und andere Fabelwesen zu besiegen. Wem das zu anstrengend ist, der geht auf einer stürmischen Insel angeln oder posiert einfach vor der Kamera wie dieser attraktive Zwergen-Priester.

Kein Kraut gegen Betrüger gewachsen

Bereits vor dem Release von WoW im Februar 2005 gab es diverse Statements von Blizzard zu diesem Thema. Doch kontrollieren konnten sie es nie - bis Ende Januar dieses Jahres eine Meldung auf allen News-Seiten zu lesen war: eBay verbietet den Handel mit virtuellen Gegenständen aus Online-Spielen. Eine Missachtung soll die Schließung des eBay-Accounts zur Folge haben.

Ein Ende des leidigen Themas scheint nahe. Die Spielergemeinde atmet hörbar auf und freut sich über diese Entscheidung wie die Jecken über den Karneval. Doch Pustekuchen - wenige Tage später folgt die Nachricht, dass dieses Verbot nur für die USA und Großbritannien zählt; nicht aber für Deutschland. Wegen der unterschiedlichen Rechtslage ist es bei uns nicht möglich den Handel zu verbieten.

Die rechtliche Komponente

Das bestätigt Dr. Andreas Lober, Rechtsanwalt der Kanzlei SchulteRiesenkampff in Frankfurt, den Kollegen von ingame.de gegenüber:

Steckt Blizzard selbst hinter den Chinafarmer- Unternehmen?

"Bisher hat es noch keiner erfolgreich geschafft, den Handel mit virtuellen Gegenständen zu unterbinden. Die Spieler haben nun einmal im Spiel Gold und Gegenstände und können diese auch übertragen. Die Eigentumsfrage stellt sich dabei eigentlich gar nicht, denn was der Spieler im Spiel tut, wird von der Spielmechanik ausdrücklich zugelassen. Die Frage ist nur, ob Blizzard & Co. verbieten können, dass irgendwo im echten Leben auch echtes Geld dafür bezahlt wird.

Ein solches Verbot müsste aber in den Endnutzerlizenzbedingungen (EULAs) oder Spielregeln enthalten sein, die wiederum nach dem Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu beurteilen sind. Man spricht hier von AGB-Kontrolle. Ob die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von World of Warcraft und anderen Spielen wirksam sind, ist aber aus den unterschiedlichsten Gründen schon nach der AGB-Kontrolle höchst fraglich. Hinzukommt, dass auch das Wettbewerbsrecht Handelsverboten grundsätzlich kritisch gegenübersteht. Im Zweifel muss der Betreiber beweisen, dass der Handel das Spiel schwer schädigt."

Hoffnungsschimmer:

eBay will den Handel mit virtuellen Gegenständen verbieten. Der großen Freude darüber folgt Ernüchterung, denn dieser Plan wird nur in den USA und Großbritannien umgesetzt. In Deutschland ärgern sich die Spieler weiter.

Das heißt also, dass Blizzard daran gelegen sein müsste, diese schwere Schädigung des Spiels zu beweisen. Dafür hatten sie bei WoW zwei Jahre Zeit. Bei Diablo 2, einem älteren Online-Spiel des Entwicklers, sind es bereits über 6 Jahre. Doch getan hat sich nichts. Dem aufmerksamen Leser stellt sich jetzt die Frage: "Was ist da los? So ein großes Unternehmen schafft es nicht für seine Interessen einzutreten?"

Konkurrenzkampf:

Es gibt sehr viele verschiedene Anbieter von WoW Gold. Unter ihnen sind auch einige schwarze Schafe, deren Service man besser nicht in Anspruch nimmt. Seinen Gildenkollegen sollte man lieber auch nichts davon erzählen, wenn man schon Gold kauft.

Meinung

Online-Rollenspiele und Goldfarmer gehören zusammen wie Chip und Chap oder Starsky und Hutch. Momentan überfluten sie World of Warcraft wie einst die Elbe Sachsen und niemand kann etwas dagegen tun. Die AGBs stimmen nicht mit unserem Gesetz überein, sind deshalb nicht rechtswirksam und den Spielern bleibt nichts anderes übrig, als an die Ehre aller zu appellieren, doch bitte auf den Kauf zu verzichten.

Doch was wäre, wenn es 1.000 Gold für 2 Euro zu kaufen gäbe? Dann würde vermutlich jeder seine moralischen Bedenken über Bord werfen und zuschlagen. Also ist es wohl eher der Neid, der so viele bei diesem Thema aufschreien lässt. Sie sind neidisch darauf, dass sie viele Stunden Zeit in das Spiel stecken müssen, um so viel Gold zu verdienen, wie andere in wenigen Minuten.

Henning Ohlsen, 09.06.2007

Was tut eigentlich Blizzard?

Und diese Frage ist absolut berechtigt. Für wen wäre es noch leichter, eine große Menge Gold in Umlauf zu bringen, als für die Chinafarmer? In verschiedenen Foren behaupten böse Zungen, Blizzard hätte selbst etwas mit diesen Firmen zu tun, sei am Gewinn beteiligt, die Schließung der Accounts der Händler sei nur gefaked, oder noch schlimmer - es seien nur Tarnfirmen, die in Wirklichkeit von Blizzard geleitet würden. Auf der einen Seite verkündet man, man habe gerade wieder 50.000 Accounts von Betrügern gelöscht und auf der anderen verdient man durch den Goldhandel noch extra. Eine ziemlich verstörende Vorstellung für jeden treuen Kunden, die aber zum Glück nicht besonders realistisch scheint. Dadurch, dass man das Problem nicht in den Griff bekommt, entsteht viel zu viel negative Publicity.

Doch wie sehr schadet das zusätzliche Gold wirklich, das so in die Welt von Warcraft gerät? Ein Spieler, nennen wir ihn Oragarn, wollte Zeit sparen und kauft sich deshalb 1.000 Gold bei eBay. Er kann nun vorübergehend mehr Geld für die Gegenstände ausgeben, die er haben möchte. Das hat zur Folge, dass diese Sachen teurer werden, denn die Nachfrage steigt. Das Gold der anderen ist weniger wert. Wir haben eine Inflation - noch keine Hyperinflation wie in den frühen 1920ern, aber dennoch durchaus spürbar.

Rechenexempel

Drehen wir die Zeit einmal zurück: Oragarn möchte doch kein echtes Geld für virtuelles ausgeben. Also muss er selbst farmen gehen, wenn er sich neue Ausrüstung kaufen möchte. Oragarn spielt die nächsten 14 Tage jeden Abend zwei Stunden länger als sonst. Am Ende sieht er sich seinen Kontostand an und stellt fest, dass er 1.023 Gold verdient hat. Oragarn ist überglücklich und kauft die Sachen, die er braucht. Wieder folgen Preiserhöhung und Inflation.

Was unterscheidet diese beiden Methoden nun? Im ersten Fall erarbeitet Oragarn echtes Geld und investiert es in virtuelles, im zweiten erarbeitet er sich das Gold und investiert also mehr Zeit. Die Ergebnisse sind gleich, beide Male steigen die Preise. Blizzard wird vor Gericht also schwerlich beweisen können, dass der Handel mit Gold dem Spiel ernsthaft schadet. Deshalb gab es auch noch nie einen Prozess. Das Risiko diesen zu verlieren wäre zu hoch und könnte die Chinafarmer erst recht bekannt machen.

Moralischer Pranger

Den meisten Spielern geht es dabei sowieso mehr um die moralischen Gründe und weniger um den steigenden Preis. Sie sprechen davon, was für ein "geiles Gefühl" es ist, das erste eigene Reittier zu kaufen, dass man sich genau wie bei "Mensch ärgere dich nicht" an die Spielregeln halten sollte und seit es Berichte über die Chinafarmer gibt, wird auch immer wieder an die Menschenwürde appelliert.

Es mag stimmen, dass meist Jugendliche, die von zu Hause weggelaufen sind, sich bei solchen Unternehmern melden und in 12-Stunden-Schichten für einen Hungerslohn Gold sammeln. Aber was wäre ihre Alternative? Sie bekommen dort wenigstens zu Essen, einen Schlafplatz und ein bisschen Geld. Sonst säßen sie auf der Straße.

Fazit

Die Goldfarmer sind den normalen Zockern ein Dorn im Auge. Doch die Konsequenzen ziehen die wenigsten. Anstatt mit dem Spiel aufzuhören, diskutieren sie das Problem immer und immer wieder erschöpfend in verschiedenen Foren, ohne dass sich dadurch etwas ändern könnte. Blizzard muss dringend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von World of Warcraft so anpassen, dass sie mit unserem Gesetz stimmig sind, sonst werden sie den Handel nie stoppen können.


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