Spiele zum Anfassen

(Special)

von Andreas Müller (21. Dezember 2007)

Fantasy und Science-Fiction-Strategiespiele sind die ungeliebten Stiefkinder der deutschen Brettspielindustrie. Sie machen Umsatz und haben ihre Fans, doch die deftigen Kriegsszenarien und das ausufernde Regelwerk schrecken den Massenmarkt ab. Wer sich darauf einlässt, sollte viel Zeit, Geduld und nicht zuletzt Geld mitbringen, um in diesen Nischenmarkt einzutauchen.

Zwei Männer, eine Idee

Dirk Hoppe und Gunnar Nickel hatten vor allem Mut als sie ihr Hobby zum Beruf machten. Mit Anfang 20 erfüllten sich beide Männer einen Traum und eröffneten 1995 in Ludwigsburg ihr Fachgeschäft "Fantasy Stronghold". "Sie haben mich alle für verrückt erklärt!" so Gunnar Nickel über die damalige Meinung seiner Freunde und Familie, denn Tolkien-Boom und "World of Warcraft" ließen noch auf sich warten. Es kam jedoch anders, denn die Kunden merkten sofort, dass die beiden selbst begeisterte Spieler sind. In ihrem Geschäft stehen Fantasy-Bücher neben Manga, Trading Card-Spiele neben Familienspielen und das allmächtige "Warhammer"-Universum neben Strategiebrettspielen wie "Der Ringkrieg".

Besonders die letzten beiden haben eine klare Kundschaft - Männer. "Die Freundinnen sind meist nur Begleitung und kaufen sich lieber Familienspiele", meint Dirk Hoppe und: "Männer wollen erforschen und erobern". Nicht nur einen Spielweg ausprobieren, sondern mehrere Optionen und ein gutes faires Spielprinzip, bei dem nicht schon von Anfang an der Sieger feststeht. Natürlich ganz wichtig: die opulente Ausstattung. So kommen dann auch alle Alters- und Berufsklassen in den "Stronghold", vom Familienvater bis zum "WoW"-Gamemaster aus Frankreich. Hoppe und Nickel haben ihre Nische gefunden in einem Markt, der von der großen Masse aber immer noch ignoriert wird.

Nichts für die Masse

"Armeen mit Untoten, Schlachten oder Kriegsmaschinen haben in Deutschland auf Spieltischen wenig Chancen." so Stefan Ducksch, freier Spielejournalist und Sprecher der Jury Spiel des Jahres". Krieg ist eben in einem Markt, der von Familienspielen dominiert wird, ein heikles Thema. Das ist ein Grund, warum Fantasy-Strategiespiele bisher bei der Wahl zum "Spiel des Jahres" nicht berücksichtigt wurden, denn die Jury schließt Spiele mit kriegerischem Inhalt "kategorisch aus". Zudem sieht der Experte ein weiteres Hindernis für den Massenmarkt: Die Komplexität. Während Normalspieler bei einem 80seitigen Handbuch kapitulieren oder von der immensen Materialflut verwirrt werden, sehen dies echte Fantasy-Brettspieler als Herausforderung. Die Fans sind dann auch bereit, die hohen Anschaffungspreise zu bezahlen. Kein Wunder, dass die Absatzzahlen deutlich niedriger sind, als bei den familienfreundlichen Bestsellern wie "Zug um Zug", der sich weltweit über 800.000 Mal verkauft hat. Für den Heidelberger Spieleverlag ist es dagegen schon ein großer Erfolg wenn mit dem "Warcraft"-Brettspiel an der 10.000er Marke gekratzt wird.

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Das Hobby "Warhammer"

Diese Zahl hat der Verlag Games Workshop längst hinter sich gelassen. Mittlerweile geht man sogar davon aus, dass weltweit 1 Million Spieler in das "Warhammer"-Universum eintauchen. Dabei ist es kein Brettspiel sondern ein Tabletop, das alles andere als einsteigerfreundlich ist. Zudem sind die Anschaffungskosten hoch und eine Partie kann mehrere Stunden dauern. Trotzdem halten die Fans dem Spiel jahrelang die Treue und nennen es liebevoll das "Hobby". "Man bekommt eben alles auf einmal: Spielen, Sammeln, Malen und Basteln" so Gianni Ventrella, einer der Verkäufer in einem der über 250 Games Workshop-Geschäften auf der ganzen Welt. Ventrella ist natürlich selbst leidenschaftlicher Spieler und kennt die Hintergrundgeschichte auswendig.

Das ist eine reife Leistung, denn seit dem ersten "Warhammer Fantasy" in den frühen 80er Jahren ist das Spielsystem enorm gewachsen. Während das Fantasy-Szenario in einer mittelalterlichen Welt spielt, in der Menschen, Zwerge, Orks und andere Fantasy-Völker um die Macht kämpfen, setzt "Warhammer 40.000" auf die Zukunft. Marines und Außerirdische kämpfen hier um die Herrschaft über das ganze Universum. Manchmal kann man da den Überblick verlieren und so haben die "Hobbyzentren", wie die Games Workshop-Läden auch genannt werden, viel zu tun. Die Mitarbeiter entwerfen eigene Szenarien, leiten Turniere oder geben Mal-Workshops, schließlich sollen die teuer erkauften Figuren auch gut aussehen. Dieser Service schlägt sich dann aber auch in den hohen Anschaffungskosten nieder.

Epische Schlachten

Armeen mit Untoten, Schlachten oder Kriegsmaschinen haben in Deutschland auf Spieltischen wenig Chancen

Das "Warhammer"-Spielsystem sieht auf den ersten Blick einfach aus: Zwei Armeen, ein Schlachtfeld, ein Sieger Wie üblich für ein Tabletop, ist das jeweilige Szenario der Fantasie der Spieler überlassen. So positioniert man seine Armeen nach klaren Regeln auf dem Spielfeld und baut Hindernisse wie Barrikaden auf. Der Rest ist taktisches Geschick, Überblick und eine glückliche Hand beim Würfeln. Kompliziert wird es aber trotzdem, weil bei jedem Angriff die speziellen Fähigkeiten der Krieger berücksichtigt werden und das Gelände die Sicht versperrt. Deswegen verzichtet kein Spieler auf den Zollstab, denn es geht um Zentimeter.

Während "Warhammer 40.000" schneller zu spielen ist, setzt das Fantasy-Szenario auf mehr Taktik. Die Einheiten stehen in Reih und Glied und jede Bewegung muss noch besser geplant sein. Ansonsten ist das Kampfsystem ähnlich und mit den Würfeln wird Angriffserfolg, Rüstungsschutz und Schaden berechnet. Besonders bei großen Schlachten kann das Stunden dauern. Games Workshop bietet daher so genannte Einsteigersets wie "Angriff auf den Schädelpass" an. Hier bekämpfen sich Zwerge und Goblins, das Schlachtfeld ist überschaubar und die Spielzeit ist relativ kurz. Doch ein echtes "Warhammer"-Match wird mit großen epischen Schlachten ausgetragen, denn es gilt: Je größer die Armeen, desto geringer zählt das Würfelglück.

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