Forza Motorsport (Xbox)
Artikel veröffentlicht am 21.05.2005
Für die Xbox gibt es einige erstklassiger Rennspiele, aber solch ein Schwergewicht wie "Gran Turismo 4" für die PS2 gibt es für diese Plattform nicht. Diese Lücke will Microsoft nun mit dem kürzlich erschienenen "Forza Motorsport" entgültig schließen. Ob ihnen das gelungen ist, erfahrt ihr in unserm Test. Von Gerd Schüle
Umfangmäßig unterlegen
Mit "Forza Motorsport" hat Microsoft das ehrgeizige Ziel im Auge gehabt, ein Spiel auf den Markt zu bringen, das in Sachen Umfang, Realismus und Spielbarkeit dem großen Erzrivalen "Gran Turismo 4" der Konsolenkonkurrenz aus dem Hause Sony die Stirn bieten kann. Voller Eifer gingen die Entwickler an die Sache, mussten sich aber in einem Punkt sehr schnell geschlagen geben. Der Umfang von "Forza Motorsport" ist zwar im Vergleich mit der restlichen Konkurrenz geradezu enorm, aber den Vergleich mit "Gran Turismo 4" verlieren sie eindeutig. Aber wie bereits erwähnt, hat "Forza Motorsport" trotzdem einiges anzubieten. Im Spiel sind immerhin 231 Autos von über 60 namhaften Herstellern integriert. Neben solch legendären Firmen wie Ferrari oder Porsche sind auch ganz normale Hersteller wie VW oder Ford im Spiel vertreten und auch solch außergewöhnliche Hersteller wie z.B. Bentley, Pagani und Zonda werdet ihr im Spiel finden. Mit diesen Fahrzeugen dürft ihr euer Können auf mehr als 25 verschiedenen Strecken unter Beweis stellen. Damit kann das Spiel zwar nicht dem Gigantismus von "Gran Turismo 4" standhalten, aber ansonsten lässt "Forza Motorsport" damit die restliche Konkurrenz hinter sich.
Aller Anfang ist schwer
Auch in Sachen Spielmodi hat "Forza Motorsport" einiges zu bieten. Es gibt immerhin fünf verschiedene Varianten: die Arcaderennen, Zeitprüfungen, den Freien Lauf, den Multiplayerpart und das Herzstück des Spiels, den Karrieremodus. Die erste Aktion die hier anfällt ist die Auswahl des Heimatkontinenten. Ihr könnt euch einen der drei Kontinente Europa, Amerika und Asien auswählen. Diese Auswahl beeinflusst aber nicht den Ablauf der Karriere, sondern hat nur Auswirkungen auf die Auswahl der angebotenen Autos, deren Preis und der Preis des erhältlichen Zubehörs mit dem ihr euere Fahrzeug verschönern oder tunen könnt, sich je nach Kontinent unterscheidet. Entscheidest du dich z.B. für Europa, kannst du recht leicht und verhältnismäßig günstig Autos wie z. b. einen Lotus, Jaguar oder andere europäische Fahrzeuge erwerben. Autos aus Asien und Amerika sind dann dagegen eher selten und deshalb teuer. Sobald du dich dann für einen Heimatkontinent entschieden hast, kaufst du von dem spärlichen Anfangskapital das erste Fahrzeug. Da aller Anfang schwer ist reicht das Geld am Anfang natürlich nicht für ein allzu hochmotorisiertes Fahrzeug.
Auf dem Weg nach oben
Da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, fängst du auch in "Forza Motorsport" ganz klein an. Du hast eine lange Karriere vor dir, bei der du dich Schritt für Schritt nach oben fahren kannst. Die Rennveranstaltungen sind grundsätzlich zuerst einmal in Levels aufgeteilt. Jeder fängt bei Level 0 an. Wenn ihr ein Rennen gewinnt, bekommt ihr dafür Preisgelder. Je höher dein eingefahrenes Preisgeld ist, um so höher steigst du auf. Innerhalb der Levels gibt es verschiedene Rennen mit verschiedenen Voraussetzungen. Es gibt beispielsweise Rennen bei denen nur europäische Autos zum Einsatz kommen dürfen oder als Startbedingung wurde festgelegt, dass nur Fahrzeuge mit einem Frontantrieb das Rennen bestreiten dürfen oder nur Autos mit einem Mittelmotor und Heckantrieb. Diese Rennveranstaltungen bestehen immer aus mehreren Rennen und wenn du die alle gewinnst erhältst du zusätzlich zum Preisgeld noch ein neues Auto. So wird dein Fuhrpark und die Auswahl der zur Verfügung stehenden Rennveranstaltungen mit der Zeit immer größer. Je weiter ihr in der Karriere voran kommt, desto länger werden die einzelnen Rennen. Insgesamt müsst ihr innerhalb der Karriere über 400 Rennen bestreiten.
Der Drivatar
Ähnlich wie bei "Gran Turismo 4" braucht ihr aber nicht alle Rennen selbst fahren, sondern ihr könnt euch einen Computerfahrer zulegen, der bei "Forza Motorsport" Drivatar genannt wird. Diesen virtuellen Fahrer dürft ihr sogar ausbilden, damit er einen Fahrstil erlernt, der eurem Fahrstil sehr ähnlich ist. Dazu müsst ihr als Basistraining fünf verschiedene Rennstrecken durchfahren. In euerm Profil wird dann gespeichert wie gut oder schlecht ihr die einzelnen Kurventypen bewältigt habt. Daraus ergeben sich mit der Zeit immer konkretere Werte, die am Schluss angezeigt werden. Diese Werte bestimmen dann den Fahrstil des Drivatar, der nun die Kurven so fährt, wie ihr es tut. In der Startaufstellung eines Rennens könnt ihr nun den Drivatar anwählen, der dann an eurer Stelle für euch das Rennen fährt. Allerdings habt ihr innerhalb der Rennen keinen Einfluss mehr auf die Fahrweise des Drivatars, ihr könnt nur noch zuschauen. Zudem ist das ganze nicht umsonst, euer Computerfahrer streicht natürlich einen Teil des Gewinns für sich selbst ein. Praktisch ist das Ganze höchstens bei den Ausdauerrennen, richtig Spaß hat mir die Sache aber nicht gemacht, ich fahre meine Rennen lieber selber.
Das Fahrverhalten
Sehr clever hat man die Sache mit dem Schwierigkeitsgrad des Spiels gelöst. Grundsätzlich ist "Forza" eine Simulation und kein Arcaderacer. Das heißt unter anderem, dass jedes Auto ein ganz individuelles Fahrverhalten an den Tag legt. Ein Porsche 911 fährt sich nun einmal ganz anders als ein VW Golf oder Lotus Exige. Die Entwickler gingen sogar so weit, dass selbst der Reifendruck und die Reifenabnutzung sich auf das Fahrverhalten auswirken. In der Werkstatt kann man seinen Wagen im Setup auf die Umstände der nächsten Strecke und seine Bedürfnisse einstellen. Da die ganze Sache für Anfänger natürlich nicht allzu leicht ist, hat man Fahrhilfen ins Spiel eingebaut, die sich jederzeit zu und abschalten lassen. Je mehr Fahrhilfen ihr benutzt um so niedriger ist natürlich der Schwierigkeitsgrad. Es gibt z.B. eine Traktionskontrolle das ABS oder eine zuschaltbare Ideallinie. Gerade die Ideallinie ist eine sehr nützliche Hilfe, denn sie zeigt nicht nur den idealen Fahrweg an, sondern anhand ihrer Einfärbung könnt ihr auch erkennen ob ihr eine Kurve zu schnell anfahrt. Der Clou an der Sache ist, je höher euer Schwierigkeitsgrad ist, desto höher ist auch das Preisgeld bei einem Sieg.
In der Werkstatt
Natürlich kann man mit den gewonnenen Preisgelder neue Autos kaufen, aber das ist nicht immer nötig um konkurrenzfähig zu bleiben. Denn in der Werkstatt könnt ihr eure Autos nach Herzenslust verändern und tunen. Je nach Fahrzeug sind die zur Verfügung stehenden Aufrüstteile verschieden, aber von Auspuffanlagen über Zündanlagen bis zu Turbos, Gewichtsverringerung, breiten Reifen und neuen Motoren ist fast alles vorhanden, was das Herz eines Autofans höher schlagen läst. Damit kann man manchen Alltagswagen zu einer richtigen Rennmaschine aufrüsten. Das Schönste dabei ist aber, dass sich sämtliche Veränderungen auch auf das Fahrverhalten deiner Fahrzeuge auswirken. Doch das ist noch längst nicht alles. Wenn ihr wollt könnt ihr auch das Aussehen eurer Autos verändern. Dazu gibt es jede Menge Spoiler, Felgen, Seitenschweller, verschiedene Scheiben und Heckflügel. Wenn euch die Farbe eures Gefährts nicht mehr gefällt, verpasst ihr ihm eben eine andere Lackierung. Natürlich könnt ihr dann euer Auto auch noch mit verschiedenen Aufklebern verschönern. Auch in diesem Bereich ist das Angebot recht vielfältig.
Sehenswert
Die grafische Gestaltung von "Forza Motorsport" kann sich sehen lassen. Sämtliche Autos wurden sehr detailverliebt und authentisch gestaltet. Man sieht selbst den Fahrer im Innern der Fahrzeuge. Alles wirkt sehr realistisch, selbst das Schadensmodell der Autos, das sich natürlich auch auf deren Fahrverhalten auswirkt. Die Strecken des Spiels wurden nicht ganz so hervorragend umgesetzt, können sich aber ebenfalls sehen lassen. Ihr fahrt durch schöne Landschaften und realistisch umgesetzte Stadtkurse, deren größtes Manko ihre Leblosigkeit ist. Unterstützt wird die hervorragende grafische Gestaltung durch einen erstklassigen Motorensound, der genauso individuell gestaltet wurde wie das Fahrverhalten der Fahrzeuge. Auch hier wirken sich Upgrades und Tuningteile auf das Motorengeräusch deiner Fahrzeuge aus. Man kann sofort am Geräusch erkennen ob in dem Auto ein Turbo eingebaut wurde oder ein Kompressor. Lediglich die abstellbare Hintergrundmusik des Spiels fand ich fürchterlich. Abgerundet wird der erstklassige technische Gesamteindruck mit einer exzellenten Steuerung. Egal ob ihr ein Lenkrad benutzt, oder das Gamepad, ihr habt eure Autos bestens im Griff.
Fazit
von Gerd Schüle
Ab sofort müssen rennspielbegeisterte Xbox Besitzer nicht mehr neidisch zu den PS2 Besitzern aufblicken die voller Begeisterung "Gran Turismo 4" spielen. Mit "Forza Motorsport" haben die Xbox Besitzer nun endlich ein fast ebenbürtiges Spiel erhalten, das mit Leichtigkeit den Genre Thron der Rennsimulationen auf der Xbox erobert. Gut, den riesigen Umfang eines "Gran Turismo 4" erreicht "Forza" nicht, aber auch dieses Spiel kann dich wochen- oder sogar monatelang an den Bildschirm fesseln. Das realistische Fahrverhalten ist einfach spitze und Dank der intelligenten Fahrhilfen und der zuschaltbaren Ideallinie kommen auch Anfänger mit dem Spiel zurecht. Lediglich Fans von Arcaderacern werden mit "Forza Motorsport" nichts anfangen können, aber für die gibt es ja jede Menge guter Spiele. Freunde von Simulations-Rennspielen sollten sich diese Perle auf keinen Fall entgehen lassen.

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