Tomb Raider 4 - The last Revelation (PC)
Artikel veröffentlicht am 05.01.2000
Lara Croft ist zurück. Und endlich wissen wir auch, wieso klein Lara schon Archäologin werden wollte. Sie fand im Haus ihrer Eltern eine Ausgabe des National Geographic und wusste sofort, sie musste hinaus in die Welt ziehen und Abenteuer erleben. Also hat sie ihre Eltern so lange angebettelt, bis sie an einer Expedition teilnehmen durfte. Und genau auf dieser Expedition beginnt das Spiel. Am Anfang muss man ein kleines Tutorium absolvieren, auf dem man die kleine Lara steuern muss. Von Elmar Pitschke
Sie hört dabei von einem gewissen Werner von Croy. Jeder, der mal James Bond gesehen hat, weis in dem Moment schon, ein deutscher Name, dass kann nicht gut ausgehen. Und so ist es auch. Am Schluss des Tutorium muss klein Lara den armen Werner zurücklassen um sich selbst retten zu können. Immerhin erfährt man, woher Lara ihren Rucksack erhält, und ich dachte immer, dass Töchter aus gutem Hause keine Leichen beklauen. Danach beginnt das eigentlich Spiel.
Lara ist wieder erwachsen geworden, was man nicht nur an der Haarpracht erkennt. Am Anfang entlässt sie aus Versehen einen alten, ultrabösen, ägyptischen Halbgott in die Welt hinaus. Sozusagen ihr persönliches Y2K Problem. Aber nicht nur das, es dauert auch nicht lange und Werner steht wieder vor der Tür. Lara hat also alle Hände voll zu tun. Die Steuerung ist, wie bei den drei Teilen zuvor auch, sehr gewöhnungsbedürftig. Spätestens, wenn im Tutorium klein Lara zum zehnten Mal gegen eine Mauer gerannt ist, weil die Steuerung manchmal doch sehr unpräzise ist, und man die Dialoge mit Werner a la Werner: "Können Sie noch oder sollen wir eine Teepause machen?", Lara: "Lieber nicht, ich hätte doch Angst, Tee auf ihren schönen Anzug zu kippen." hört, weis man genau, dass Lara in ihrem tiefsten innern doch blond ist. Aber irgendwann hat man sich dann doch an die Steuerung gewöhnt und es wird ein mitreisendes Spiel!
Im Gegensatz zu Teil 3 wurde dieses mal wieder mehr Wert auf das Adventure als auf die Action gelegt. Und das ist gut so. Man verläuft sich nicht mehr in weitläufigen Labyrinthen und kann sich immer sicher sein, daß Gegenstände, die man braucht, irgendwo in der Nähe sind. Außerdem beherrscht Lara jetzt auch drei neue Tricks. Zum einen kann sie jetzt ein Zielfernrohr mit einer Armbrust oder einer Pistole verbinden und so zu einer Sniper Waffe aufrüsten.
Dieses mal kann Lara auch Seile nach oben oder unten klettern und sie kann an ihnen schwingen, um so Tarzangleich von einer Klippe zur nächsten zu kommen. Aber das wichtigste ist, daß sie in diesem Teil Gegenstände im Inventar verbinden kann. Wie oben schon erwähnt, die Armbrust mit dem Zielfernrohr und schon hat man eine Waffe aus Half Life. Das Kombinieren von Gegenständen im Inventar unterstützt auch den Versuch, wieder adventurelastiger zu werden!
Die Grafik ist brillant wie eh und je. Besonders in den Leveln im Freien merkt man, daß die Graphikengine schon leicht angestaubt ist, aber es stört kaum. Im Vergleich zu Teil 3 sind die Konturen noch ein wenig mehr verfeinert worden. Außerdem sind die Wölbungen besser strukturiert worden, was vor allem bei Lara sehr gut zu erkennen ist. Was mich am meisten begeistert hat, waren aber die Bewegungsmöglichkeiten, die die Frau hat. Sie kann springen wie eine Gazelle und dabei die Waffe ziehen. Sie kommt nie ins ruckeln sondern bleibt immer in Bewegung. Außerdem kann sie hangeln, schwimmen, tauchen, gehen und klettern. Natürlich wurde auch die 180° Drehung nicht vergessen!
Die Zwischensequenzen sind auch nicht ohne. Sie sind sehr stimmungsvoll und lassen durchaus das Gefühl aufkommen, im Kino zu sitzen - was man vom Sound aber nicht behaupten kann. Ist er im Intro und den Zwischensequenzen noch hervorragend, lässt er während des Spieles sehr zu wünschen übrig. Er wirkt eintönig und blas. Außerdem hätte man sich für die Mumien wirklich ein anderes Geräusch überlegen können als ein komisches grunzen, bei dem man meinen könnte, dass sie bei ihrem Ableben von ziemlichen Magenschmerzen geplagt worden sind.
Ein kleiner Tipp am Rand, lasst Lara einfach mal irgendwo tief hinunterstürzen, weil diesen Sound haben sie irgendwie cool hinbekommen, aber wirklich bloß diesen. Aber für echte Fans zählt so und so nur, dass Lara zurück ist. Und das ist sie wirklich. Das Spiel besteht aus 35 Level und zwanzig Videominuten - ein Garant für langen Spielspaß! Lara besitzt sechs Waffen und kann zwei verschiedene Fahrzeuge lenken. Allein die Fahrt in dem Jeep wäre schon ein eigenes Spiel Wert gewesen. Und da soll noch mal wer sagen, dass Frauen nicht Autofahren können.
Aber manchmal ist es schon komisch, dass die bösen Schergen manchmal tödlich getroffen zu Boden sinken, wenn man einen halben Meter an ihnen vorbei fährt. Aber ich will ja nichts sagen, so lange es zum Vorteil für die Spieler ist. Grundsätzliche Neuerungen gibt es in diesem Teil nicht, aber wer erwartet die auch bei Tomb Raider. Das wichtigste ist die Geschichte und die Spieltiefe - beides ist hervorragend geworden. Außerdem erfährt man einiges über die Jugend der kleinen Lara. Wie alles begann und woher der Rucksack kam.
Wobei ich hier doch anmerken möchte, dass es irgendwie ein komisches Gefühl ist, in einem Spiel, daß klar einen großen Reiz aus Laras Weiblichkeit bezieht, man am Anfang Lara als sechszehnjährige sieht. Eines möchte ich auf alle Fälle noch anmerken, muß man die Schachtel eigentlich als Postwurfsendungenbehältnis missbrauchen? Für was denn überhaupt noch die Schachtel, wenn das Spiel aus einer CD besteht und die dürftige Anleitung im Booklet ist? Der restliche Inhalt der Schachtel ist nur Werbung, die so und so gleich auf den Müll wandert. Also, ich war ziemlich genervt, als ich die Schachtel aufmachte und mir gleich Tonnen an Werbung entgegenschwappte!
Wer Lara noch nie mochte, wird sie auch jetzt nicht mögen. Für mich ist Tomb Raider 4 das Spiel des Jahres. Es macht schon nach wenigen Minuten (zumindest nach dem Tutorial) süchtig und lässt einem nicht mehr los. Ich bin mir sicher, daß das Spiel alte Lara Fans begeistern wird und eventuell auch neue Fans gewinnen wird. Lara ist einfach cool!
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