spieletipps fragt - Seite 3

(Interview)

spieletipps: Erfahrene Spieler braucht nur wenige Wochen, um bei Burning Crusade von Level 60 auf Level 70 zu kommen. Dann benötigten sie vielleicht einige Monate, um sich all die Items und Sets zu sichern, die ihnen Prestige geben. Das heißt aber, dass ein Addon den Hardcore-Spielern viel weniger lang neuen Spielspaß bietet, als sie dann wieder aufs nächste Addon warten müssen.

Nicht nur die Spieltiefe ist wichtig, sondern auch die Spielbreite!

Jeff Kaplan: Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Wo ich dir auf jeden Fall zustimme: Es gibt eine Gruppe von Spielern, die neue Inhalte definitiv schneller konsumiert, als wir sie produzieren können. Es wäre aber keine sehr gute Entscheidung, wenn wir das Spiel nur um diese Gruppe herum designen würden. Uns geht es mehr um den Durchschnittspieler, der durchschnittlich viel Zeit in World of WarCraft steckt. Macht ihm das Spiel Spaß? Dabei ist nicht nur die Spieltiefe wichtig, also dass man sich ständig verbessert, dass man heute Taten vollbringt, die gestern noch unmöglich gewesen wären. Sondern es geht auch um die "Spielbreite", und damit meine ich, dass ich heute PvP machen kann und morgen eine Solo-Tour. Übermorgen nehme ich mir einen Fünf-Personen-Dungeon vor, und dann wieder einen 25-Leute-Raid.

Es geht darum, viele Optionen zu haben, es geht um das Gefühl, "Hey, das habe ich ja noch nie gesehen oder getan!". Und wir geben den Spielern ja auch zwischen den offiziellen Erweiterungen neuen, coolen Content, mit unseren "Deep Patches". Zum Beispiel haben wir mit einem Patch integrierten Voice-Chat nachgeliefert, sodass die Leute keine externen Lösungen wie TeamSpeak mehr zu benutzen brauchen. Wir achten auch bei den Deep Patches auf die Ausgewogenheit. Wenn wir also etwa einen neuen 25-Personen-Raid bringen und eine neue 5-Personen-Instanz, dann vergessen wir auch den Solospieler nicht, und fügen eine Quest hinzu, die er, wenn er will, jeden Tag spielen kann.

Meinung

Was auf jeden Fall für Blizzard spricht, ist die bedingungslose "Es ist fertig, wenn's fertig ist"-Haltung. Nur, etwas anderes kann sich Blizzard bei der riesigen Masse an Spielern gar nicht leisten. Blizzard baut extrem stark auf den eigenen guten Ruf. Um den nicht zu gefährden, verzichtet die Firma unter anderem auf immense Werbeeinnahmen, die sie sicherlich im Umfeld oder sogar ingame mit World of WarCraft erzielen könnte.

Dass Jeff Kapplan viele andere MMOs kennt und auch mag, glaube ich ihm sofort: Gildenchef von Legacy of Steel auf dem Nameless-Server von EverQuest wird beziehungsweise wurde man nicht durch Zufall. Schade finde ich, dass er sich nicht zu einer Aussage bequemt à la "Guild Wars ist uns schon ein wenig auf den Fersen" oder "Lineage 2 ist in Asien sehr ernstzunehmen". Aber wenn jemand für Blizzard sprechen darf, dann weiß er, was er zu sagen hat und was nicht. Wie lange Blizzard aber noch an der klobigen Grafik festhalten möchte, ist mir jedoch ein Rätsel. Das Rollenspiel Morrowind sah schon 2002 (bei ebenfalls eigenwilligem Grafikstil) meiner persönlichen Meinung nach besser aus.

spieletipps: Vor einiger Zeit hat mir Richard Garriott, der Macher von Ultima und jetzt Tabula Rasa, gesagt: "World of WarCraft besitzt kein einziges wichtiges Feature, dass nicht in Wahrheit schon Ende der Neunziger erfunden worden ist, von EverQuest oder Ultima Online." Würdest du dem zustimmen?

Jeff Kaplan: Ultima Online und EverQuest sind unglaubliche Spiele, sie gehören zu den besten, die jemals gemacht worden sind. Beide Titel sind fortwährende Vorbilder für jeden, der sich mit dem Fantasy-Rollenspielgenre beschäftigt. Aber ich denke, umso länger jemand wirklich World of WarCraft spielt, desto mehr wird er die Unterschiede erkennen. Das Geheimnis liegt darin, wie Ideen umgesetzt werden! Natürlich haben die erwähnten Spiele alle ein Klassensystem und lassen dich Quests lösen. Doch was World of WarCraft so einzigartig macht, ist die Art und Weise, wie es das umsetzt, wie dich das Quest-System durch das Spiel führt.

spieletipps: World of Warcraft ist kommerziell ungeheuer erfolgreich. Denkst du, dass es überhaupt eine klare Nummer 2 gibt im Markt, und welches andere MMO wäre das?

Jeff Kaplan: Wir sehen andere Firmen nicht als Konkurrenten. Ich erwarte mir von der Spiele-Industrie mehr Titel, die ich persönlich gerne spiele. Natürlich habe ich Guild Wars gespielt, ich habe EverQuest sehr lange gespielt, ich kenne Dark Age of Camelot gut. Ich freue mich auf neue MMOs, einfach deswegen, weil ich sie gerne spiele. Ich hoffe aber, dass wir uns bei Blizzard immer bemühen, uns selbst die größte Konkurrenz zu machen! Ich wünsche mir, dass es unsere eigenen Ideen für die Zukunft sind, gegen die wir tagtäglich antreten.

spieletipps: Das klingt sehr selbstbewusst. Trotzdem: Was könnte World of WarCraft die Nummer-1-Position streitig machen. Was könntet ihr falsch machen, oder ein anderer Entwickler richtig?

Jeff Kaplan: Das sind gute Fragen, auf die ich dir keine Antwort geben kann. Ich denke, wir werden einfach abwarten müssen und sehen, was passiert.

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