Test Tony Tough 2

von Daniel Frick (13. November 2006)

Die Marke "Anaconda" des deutschen Publishers dtp steht vor allem für eines: Spielerisch anspruchsvolle Adventure-Spiele. Ein Vetreter dieses Genres ist ein unkonventioneller kleiner Privatdetektiv, der mit markigen Sprüchen an längst vergessene Lucasarts Adventures erinnerte und vor 3 Jahren ein Überraschungserfolg war. Nun widmet sich die Fortsetzung den Jugendjahren des namensgebenden Helden.

Unser Held in voller LebensgrößeUnser Held in voller Lebensgröße

Ein Adventure mit zu wenig Knobeleien

In dem kleinen Ort Washington in New Mexico, in dem normalerweise höchstens mal Außerirdische landen aber ansonsten herzlich wenig passiert, scheint es doch tatsächlich einen ominösen Kriminalfall zu geben. Vor lauter Schreck über einen Einbruch stirbt die Tante von Florence, dem Hausmädchen der Familie Tough. Doch Tony hat ganz andere Sorgen. Nach allzu aufmüpfigem Sprücheklopfen muss er in der Schule nachsitzen. Nach einem etwas mühsamen Einstieg in die Geschichte, die Kapitelweise, zum Teil aus verschiedenen Perspektiven mehrfach erzählt wird, findet sich der kleine Klugscheißer mit der viel zu großen Brille also in besagtem Klassenzimmer wieder. Just der Punkt an dem als Spieler beginnen darf zu tüfteln, wie man besten ungesehen dem Klassenlehrer entwischt. Sind die beiden ersten Rätsel erst mal geknackt, macht sich nach einer Weile allerdings Frust breit: Statt weiterhin zu knobeln, legt man bevorzugter Weise (unnötig) lange Wege zurück, um die kleine Stadt besser kennen zulernen oder hört sich ebenso lange Dialoge an, deren Sinn sich nicht immer erschließt. Daß man dabei auch nicht immer ganz den Überblick behält, wo es jetzt eigentlich weitergeht, ist eine direkte Folge dieses Missstandes und zugleich das größte Manko an dem ambitionierten kleinen Adventure: Zu viele Spaziergänge, zu wenige Rätsel.

Zu lange Wege zerren am SpielspaßZu lange Wege zerren am Spielspaß

Technische Umsetzung weitgehend gelungen

Schade eigentlich, dass "Tony Tough 2" bei den Kernelementen eines Adventures (zu) wenig zu bieten hat. Vor allen Dingen, wenn man die eigentlich recht gelungene technische Umsetzung sieht. Man kann sich sowohl über das Szenario als auch die abgedrehten Charaktere streiten, in sich ist die Story inklusive der einsamen Wüstenstadt und der kleinen Nervensäge absolut stimmig. Der hält mit platten und naseweisen Sprüchen nicht hinter dem Berg, so dass man zumindest zu Beginn öfter mal ordentliche grinsen muss. Allerdings nützt sich der oft plumpe Humor dann doch recht schnell ab und geht einem dann nach einer Weile eher auf den Geist als zu unterhalten. Trotzdem. Die Comic-Grafik kann sich sehen lassen und erinnert am Klassiker wie "Monkey Island". Auch die teilweise recht bekannten Synchronsprecher machen ihren Job ordentlich, obwohl man von sogenannten Stars vielleicht etwas mehr Enthusiasmus und Überzeugungskraft bei den Witzen erwarten dürfte, vor allem wenn genau mit denen auf der Verpackung geworben werden. Die Einteilung in Kapitel muss sich auch hinterfragen lassen: Sollten hier neue Wege in der Erzähltechnik eingeschlagen werden oder wollte man schlicht das quantitativ eher magere Produkt "strecken"? Erfreulich sind allerdings die niedrigen Hardwareanforderungen.

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