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Grand Theft Auto: Vice City Stories (Playstation 2)

Artikel veröffentlicht am 09.04.2007

So wie "Liberty City", bekommt auch "Vice City" nun seinen verbesserten Nachfolger - "Vice City Stories" - in dem ihr auf neue Missionen in der Sonnenstadt geschickt werdet. Zum "halben Preis" gibt es die "VC"-Hommage zu kaufen, aber lohnt sich das Geld wirklich, wenn man bereits "VC" besitzt? Von Wachtang Budagaschwili

Zurück nach Möchtegern-Miami

Gangster Vic

Wir befinden uns wieder in den 80er Jahren mitten im Neonlicht von "Vice City", hören die großen Hits von Phil Collins und INXS während wir das nächste Fahrzeug stehlen und ballern alles weg, was sich uns in den Weg stellt. Die Story, gefüllt mit bizarren, bunten Charakteren und scharfsinnigem, schwarzem Humor, setzt vor dem Originaltitel "GTA: Vice City" ein, in dem ihr euch als Scarface-Montana-Verschnitt Tony Vercetti die Stadt mit Drogen und Waffen unter den Nagel gerissen habt. Dieses Mal schlüpft ihr in die Rolle des Vic Vance, dem Bruder des aus dem Vorteil bekannten Lance Vance (gesprochen von Phillip Michäl Thomas), der sich gerade bei der Army angemeldet hat, um Geld für seine Familie und seinen kranken Bruder zu verdienen. Eure ersten Jobs, erteilt vom Army-Chef Jerry Martinez, sind Drogengeschäfte, Mordaufträge und Zuhälterei. Ein guter Start ins große Business der Untergrundwelt! Kein Fan der "GTA"-Serie wäre jetzt geschockt, denn schließlich musste bisher jeder Held sein Geld mit den dreckigsten Geschäften verdienen.

Ein neuer Antiheld

Ist Vic nicht ein typischer "GTA" -Kerl?

In diesem Fall aber ist die Entwicklung besonders konträr, da Vic von Anfang an gegen Drogen etc. spricht und dann doch jede Art von Mist erledigt beinahe ohne Hintergedanken und ohne irgendwelchen Skrupel. Der Charakter und seine Handlung sind nicht übereinstimmend und beeinträchtigen den logischen Verlauf der Story. Die meisten "GTA"-Spieler wird das jedoch wohl kaum kümmern. Vic ist zu allem bereit, sogar dazu, ganze Horden von Bikern oder Mexikanern umzulegen, nur um Geld zu verdienen. Gut, dass Rockstar im Titelbildschirm erwähnt, das Spiel solle nichts Dargestelltes verherrlichen oder rechtfertigen. Dennoch, "GTA"-Helden waren schon immer Antihelden, wie man sie in der Literatur vorfindet, und man sollte sich mit ihnen nicht identifizieren können - sie sind ja keine Pfadfinder, sondern Gangster, Killer und Drogendealer. "VCS" wollte mir Vic als einen Helden zeigen, der dies alles nicht tun will, es aber im Endeffekt liebend gerne ausführt. Ein Hypokrit eben. Schade.

Außerdem...

Eine Zwischensequenz

Wie gesagt, mit solch einem Thema sollte man sich in diesem Genre nicht lange beschäftigen, es ist halt so. Mit der Zeit versetzt man sich ins angenehme, gewohnte "GTA"-Klima mit aufregenden Missionen und bekloppten Charakteren. Das Spiel bringt alt bekannte "Vice City"-Gesichter wieder hervor und stellt euch natürlich auch viele neue Freaks vor. Lance, Umberto, Diaz und Phil Cassidy sind wieder da, nicht zu vergessen - ihre prominenten Synchronstimmen von P.M. Thomas, Danny Trejo, Luis Guzman und Gary Busey. Bis auf Lance jedoch spielen diese Figuren keine besonders gewichtigen Rollen. Phil Collins, gesprochen vom selbigen, ist diesmal mit von der Partie und garantiert einige Missionen und jede Menge lustige Dialoge. Doch die Zwischensequenzen sind nur der halbe Spaß. Das echte "GTA"-Feeling kommt erst so richtig auf der Straße mit dem triple-S auf: Stehlen, schießen und Sex.

Kick it like Tony

Ärger, nichts als Ärger

Die Befehlstasten entsprechen nach wie vor denen aus "Liberty City Stories". Drückt ihr allerdings R1, zielt das Game zufällig auf irgendwen, oft auch auf die harmlosen Leute während euch eine Gruppe von Mexikanern mit Armee-Shotguns erledigt. Dadurch verdreht sich gleichzeitig auch die Kamera in die Richtung, in die das Spiel zielt und ihr kommt ganz schnell durcheinander. Ansonsten macht es genauso viel Spaß wie im Vorgänger die Stadt in Angst und Schrecken zu versetzten. Die Auswahl an Waffen ist in Ordnung, allerdings ist die Zielmechanik vor allem im Nahkampf schlecht. Ihr müsst eigentlich stets wegrennen, um aus der Distanz zu ballern, denn im Nahkampf werdet ihr meistens nicht schießen können. "Vice City" ist bis auf wenige Details nicht größer geworden, ihr könnt mit einem Banshee in ein paar Minuten einen Kreis drehen und wieder am Ausgangspunkt ankommen. Ihr werdet einige Straßen wiedererkennen, aber durch die neuen Möglichkeiten wie Gebäudebau ist durchaus einiges anders. Der Radar ist euer bester Freund. Trotzdem, ihr müsst bei jeder Mission mittels Menü-Karte euren Weg berechnen, da euch die Straßen von "Vice City" ansonsten schnell in eine Sackgasse führen werden.

Drive it like Schumi

Neonlichter und dicke Schlitten

Das Fahren ist beinahe gleich wie in früheren Spielen. Die Fahrphysik ist zwar etwas verbessert worden (wohl gemerkt im Vergleich mit "Liberty City Stories"), was aber letztendlich ein zweischneidiges Schwert ist - einerseits fliegt man sehr schnell aus der Kurve, andererseits gelingen einem dadurch bescheuerte und unrealistische Stunts, die die Fahrphysik wieder lohnenswert machen. Extrem seltsame Physik-Glitches passieren immer wieder völlig unvermittelt, und leider werdet ihr öfter in Umgebungen festgemauert, was euch dann wieder zum Spielstand-Laden zwingt. So etwas ist schlichtweg nur sehr ärgerlich! Neben Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Booten und Minizeugs wie Jetski und Quad sind auch die Chopper zurück, mit denen ihr den Himmel über "Vice City" erkunden könnt. Fliegen ist einfacher und schneller als fahren! Und nicht zu verachten, ihr könnt schwimmen, das heißt es gibt keinen merkwürdigen Tod mehr, wie das noch in "GTA III" und "VC" der Fall war, wenn man ins Wasser fällt.

Mission Possible

Danny Trejo's Charakter Umberto und Vic haben nichts Gutes vor

In diesem Spiel findet ihr alle bisher bekannten "GTA"-Storymissionen, die Vielfalt und Eingebundenheit überzeugt mehr als bei "Liberty City Stories". Auch die Spielzeit liegt deutlich höher als die 10 Stunden in "LCS". Nebst den Storymissionen gibt es auch jede Menge andere Aufgaben wie Taxi und Feuerwehreinsätze sowie Bandenkriege. Außerdem tummeln sich im Spiel noch 3 andere Gangs, die Gebäude besitzen. Erkämpft sie euch und baut sie aus, um Geld zu verdienen! Es gibt 6 Arten dieser Gebäuden, jede verbunden mit einem fiesen Geschäft wie Raub oder Drogen, diese Missionen verbessern euren Ruf. Der Glitch-Vorteil: wird eure Firma attackiert und ihr beschützt sie nicht, wird das Haus nur beschädigt aber nicht übernommen - einfach reparieren! Ihr könnt früh damit anfangen und ordentlich Geld kassieren. Wie bei "San Andreas" löst ihr hierbei immer einen Bandenkrieg aus und tötet dann die Mitglieder der feindlichen Bande, was hier aber deuuuuuuutlich einfacher ist, sobald man Geld und gute Waffen hat. Für solche Missionen gibt es z.B. auch neue Kostüme.

Atmosphäre

Wie ein Radiomoderator sagt: "Vice City, Vice Bitches"

Die Atmosphäre kommt in "Vice City Stories" noch besser rüber als im alten "GTA 3". Die 80er sind auferstanden, Neonlichter, lustige Sportkarren, irre Outfits und tolle Radiomusik sind wieder da, nur diesmal mit etwas verbesserter Grafik und Framerate, die nun auch fast immer konstant bleibt. Nur wenn stellenweise zu viele Gangmitglieder auftauchen, wird das Spiel teilweise sehr langsam. Die Licht- und Wettereffekte sind nicht ganz ausgefeilt, die Sonne blendet euch bei Sonnenauf- und Untergang extrem und Regen kommt aus heiterem Himmel ohne eine einzige Wolke. Fährt man um die Ecke ist er außerdem abrupt wieder verschwunden, dann plötzlich wieder da... Vergessen wir aber nicht, das Spiel wurde bloß von der PSP auf PS2 umgeschrieben ohne Veränderung, sprich teilweise sind die Texturen auch zu niedrig aufgelöst. Für ein modernes PS2-Spiel, vor allem nach "San Andreas" reicht das natürlich nicht aus.

Und in the air tonight...

Auch die Bikes haben Empfang

Der Sound ist die größte Stärke von "VCS", wie es auch sonst bei "GTA" üblich war. Die Synchronisation ist sehr gut gelungen, nicht nur dank der prominenten Stimmen, die Texte und Dialoge sind nett und amüsant wenn auch teilweise zu lang. Der Radio-Soundtrack von "VCS" bringt alles wieder in Ordnung, was grafisch nicht drin war. Zwar sind die Radiosender die gleichen wie bei "Vice City", aber die Musik mit vielerlei Liedern wie Phil Collins' "In the air tonight" sowie zahlreichen Tracks von Krokus, INXS, Quiet Riot, Blondie, Frankie goes to Hollywood uvm. ist neu. Die Charts sind auch nicht zu verachten, vor allem der Mastermind der 2 Live Crew Luke "Skywalker" Campbell. Die Radiodialoge sind außerordentlich bizarr und ordinär sowie derb sarkastisch gegen Amerika gerichtet, man kann sie sich gerne antun ohne sie ernst zu nehmen.

Fazit

Wachtang Budagaschwili von Wachtang Budagaschwili

"VCS" ist eine verbesserte Version von "VC" mit neuen Fahrzeugen, Missionen und Möglichkeiten. Leider kostet das Spiel hier doppelt soviel wie es in den USA wert ist (dort 20$, hier ca. 30 Euro) und man sollte sich den Kauf gut überlegen, denn das Spiel hat auch viele Glitches und Fehler, die den Spielspass bremsen, ganz abgesehen von der zurückgebliebenen Grafik. Wart ihr ein Fan der Stadt "Vice City", könnt ihr eine Blick riskieren, mochtet ihr die Stadt an sich jedoch nicht so gerne, dann lasst es lieber sein.

spieletipps meint: Unterhaltsam, ironisch, actiongeladen. Die PSP-Umsetzung ist zwar nicht so umfangreich wie die PS2-Titel, bietet dennoch lange, spaßige Spielstunden.
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