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Windchaser (PC)

Artikel veröffentlicht am 19.05.2008

Es gibt sie immer noch, die kleinen, eher unbekannteren Spiele, die, je länger ihr sie zockt, immer besser werden und sich zum absoluten Überraschungshit entwickeln. Viel gehört habt ihr von dem PC-Spiel

"Windchaser" vermutlich noch nicht, wir wollen euch aber zeigen, warum der Titel der intelligenteste Mix aus Taktik und Rollenspiel seit langem ist und das ähnliche "Worldshift" in seinen Schranken verweist. Von Philipp Schneider

Flieg Basis, flieg

Die Kämpfe spielen sich schön taktisch.

Die namensgebende Windchaser ist im Spiel eure fliegende Basis. Mit ihr schwebt ihr über die Level, sucht Artefakte und außerdem dient sie als sicherer Rückzugsort für eure Truppen. Allerdings kann die Windchaser nur bereits erobertes Terrain überfliegen, so dass ihr regelmäßig zunächst Späh- oder Leuchttürme auf den großen Maps einnehmen müsst. Das geschieht wie in einem "Battlefield", in dem ihr alle Gegner in der unmittelbaren Umgebung erledigt und einen kurzen Moment vor dem Turm stehen bleibt. Erst dann könnt ihr eure Basis nachholen und von kürzeren Wegen zwischen Front und sicherem Ort profitieren.

Kämpfen mit Stil

Die Grafik ist sicherlich nicht die große Stärke von Windchaser, der Stil ist aber recht nett.

Das wirklich interessante bei "Windchaser" sind jedoch die Kämpfe. Die spielen sich auf den ersten Blick wie in klassischen Echtzeitstrategiespielen, bieten euch jedoch enorm viele taktische Möglichkeiten. Ihr könnt nämlich in den Schlachten den Kampfstil eurer Helden und anderen Einheiten wechseln, um den ebenfalls in Stilen kämpfenden Feinden besonders viel Schaden zuzufügen oder besondere Zauber sprechen zu können. Drei solcher Stile gibt es, nämlich Chaos, Konzentration und Disziplin. Jeder Stil ist gegen einen der anderen besonders wirkungsvoll, so dass ihr in einem Gefecht immer darauf achten müsst, mit welchem Stil der Gegner kämpft. Mag das System anfangs euch hoffnungslos überfordern - woran auch das eher schwache Tutorial seinen Anteil hat -, machen die Auseinandersetzungen später richtig viel Spaß und sind ungemein vielschichtig.

Willkommene Unterstützung

Zahlreiche Zwischensequenzen erzählen die überraschend spannende Story.

Da ihr stets nur mit wenigen Einheiten auskommen müsst, solltet ihr euch schon eher langsam über die Karten vorarbeiten. Neben einer Handvoll Helden, die spezielle Zauber besitzen, dürft ihr oft noch ein paar Soldaten anheuern und sie später in Kasernen aufleveln. Dieses Upgradesystem der Truppen funktionierte bei uns aber nicht so richtig, zumindest fehlten uns die Rückmeldungen, warum ein entsprechender Soldat auf Stufe 5 mal in eine bessere Einheit umgewandelt werden konnte und mal nicht. Ohnehin ist "Windchaser" ganz klar ein Spiel für Profis. Der Schwierigkeitsgrad ist stellenweise ziemlich hoch angesetzt, immer wieder müsst ihr dieselben Schlachten schlagen, da die Feinde mächtig austeilen und nur mit der richtigen Taktik besiegt werden können. Zudem ist die Steuerung bzw. das Interface sehr komplex und erschließt sich euch erst nach einigen Spielstunden.

Cleveres Schiff

Erfahrungspunkte steckt ihr in interessante Boni und Fähigkeiten.

Selbst wenn eure Helden im Kampf fallen, ist das kein allzu großes Problem, denn nach wenigen Augenblicken laufen die angeschlagenen Truppen selbständig zur Windchaser zurück und stehen dann sofort wieder zur Verfügung. Ihr verliert also im Grunde bei einer Niederlage nur etwas Zeit. Wie viel Liebe zum Detail im Spiel steckt, zeigen die weiteren Möglichkeiten eurer fliegenden Basis. Über Kampferfahrung sammelt ihr Erfahrungspunkte, die ihr rollenspiel-like in einem verschachtelten Fähigkeitenbaum verteilen dürft. Mit der Zeit lernt ihr so Gegenstände wie Heiltränke selbst herzustellen oder die Windchaser gräbt automatisch nach Artefakten. In der Monsterbibliothek erforscht ihr neu entdeckte Kreaturen und erhaltet beim Wiedersehen mit den Feinden einen kleinen Bonus, da ihr nun die Schwachstellen kennt.

Geheimtipp 2008

Eine der schwersten Stellen im Spiel: ständig tauchen aus dem Versteck oben neue Monster auf .

Die Missionen der zwei Kampagnen sind allesamt ziemlich umfangreich, gut zwei Stunden solltet ihr schon pro Karte einplanen, selbst wenn ihr nicht alle Nebenaufgaben erledigt. Die Missionsziele sind sehr abwechslungsreich gestaltet. In einem besonders spannenden Einsatz müsst ihr beispielsweise eine Horde Feinde in einem Talkessel per Steinschlag ausschalten. Doch dafür müsst ihr zuerst drei Hügel in der Nähe einnehmen und mit euren Leuten verteidigen, was gar nicht so leicht ist, da ständig neue Monster eure gesplitteten Truppen angreifen. Neben den abwechslungsreichen Aufgaben hat uns auch die nett erzählte Fantasystory gefallen, in vielen Dialogen lernt ihr die Helden immer mehr kennen. Spielerisch ist "Windchaser" dem Konkurrent "Worldshift" deutlich überlegen, technisch dreht sich das allerdings um. Weder Grafik noch Sound sind auf einem Niveau, das dem Jahr 2008 entsprechen würde. Beim Sound könnte der Soundtrack etwas wuchtiger sein und die Stimme des Erzählers vor jeder Mission ist absolut unpassend besetzt, sonst sind die deutschen Stimmen aber gut gewählt. Die Grafik ist leider ziemlich undetailliert und sieht kaum besser aus als das über zwei Jahr alte "Spellforce 2". Ein paar hübsche Licht- und Zaubereffekte täuschen darüber kaum hinweg. Immerhin ist der optische Stil durchgängig recht hübsch. Auf einen Mehrspielermodus verzichtet "Windchaser" übrigens komplett.

Fazit

von Philipp Schneider

Was Multiplayerfans ihr "Worldshift" ist Solozockern ihr "Windchaser". Ganz ehrlich, ich hatte das Spiel der deutschen Entwickler von Chimera Entertainment nicht auf der Rechnung, bis mich "Windchaser" fast ein ganzes Wochenende vor dem PC gekostet hat. Nach anfänglichen Problemen aufgrund des komplexen Gameplays und einigen Abstürzen bin ich richtig in die Spielwelt eingetaucht und konnte mich an den packenden Kämpfen und spannenden Missionen gar nicht satt spielen. Das nennt man fraglos einen absoluten Überraschungshit, der zumindest in meiner Rangliste ein "Worldshift" und gar ein "Spellforce 2" klar schlägt. Keine Frage, "Windchaser" hat seine Fehler, sei es die Technik, der überzogene Schwierigkeitsgrad oder die steile Lernkurve, doch habt ihr euch erst mal eingespielt, werdet ihr als Fan von Taktik- und Rollenspielen kaum mehr davon los kommen. Ich kann euch daher nur nachhaltig empfehlen, diesem doch eher unbekannten PC-Spiel eine Chance zu geben, zumal es mit gut 25 € auch nicht die Welt kostet.

spieletipps meint:
84

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