Apollo Justice: Ace Attorney (Nintendo DS)
Artikel veröffentlicht am 24.05.2008
Machen wir uns nichts vor, auch im Gerichtssaal siegt am Ende nicht immer die Gerechtigkeit, sondern die Partei mit dem besten und gerissensten Anwalt. Ob ihr ein solcher seid, dürft ihr im neuen DS-Adventure "Apollo Justice: Ace Attorney" beweisen. Das japanische Adventure spielt nämlich fast vollständig im Gerichtssaal. Von Jan Höllger
Einspruch euer Ehren
Ganz neu ist die Idee nicht, schon zum vierten Mal schickt euch Capcom auf dem Nintendo DS in die Mahlen der Justiz, doch anders als in den Vorgängern spielt ihr im neuen Teil nicht mehr den Staranwalt Phoenix Wright, sondern den unerfahrenen Anwalt Apollo Justice, der gleich in seinem ersten Fall seinen Mandaten vor einer Verurteilung wegen Mordes bewahren muss. Dafür vernehmt ihr im Gerichtssaal die Zeugen, zieht die richtigen Schlüsse und legt dem Richter Beweise vor, um eure Aussagen zu untermauern. Stellt der Ankläger hintergründige Fragen ruft ihr dagegen ein lautes "Einspruch" in das Mikrofon des Handhelds, damit sich für den Angeklagten keine weiteren Probleme ergeben.
Enges Lösungskorsett
Ein wenig skurril und trocken ist das Ganze Prozedere im Gerichtssaal unserer Meinung nach leider schon. Apollo Justice glänzt kaum einmal mit witzigen Wortspielen wie sein Vorgänger Phoenix Wright und auch die vier Fälle sind relativ langweilig geraten. Bevor es in der Regel zum Prozess selbst kommt, dürft ihr übrigens als Detektiv an den Tatorten nach Spuren und Beweisen suchen, ein wenig im CSI-Stil, freilich stark vereinfacht. Die meiste Zeit verbringt ihr aber im Gericht selbst, sodass es dem Spiel auf Dauer an Abwechslung mangelt. Größtes Ärgernis ist aber, dass euch bei der Lösung der Fälle keinerlei Freiheiten erlaubt sind. Sprich ihr müsst Beweise genau dann vorlegen, wenn es das Spiel euch vorschreibt, sonst kommt ihr nicht weiter. Zieht ihr zu oft die falschen Schlüsse zögert der Richter auch nicht, euren Mandaten vorschnell als schuldig zu verurteilen und ihr müsst den gesamten Fall von vorne spielen und euch dabei die vielen Texte erneut durchlesen, was sehr ermüdend ist. Die Steuerung mit dem Touchstift geht immerhin leicht von der Hand und der Animestil der Grafik hat auch seine Reize, Sprachausgabe gibt es aber leider nicht.
Fazit
von Jan Höllger
Typisch japanisch, kein westliches Entwicklerstudio würde ein Adventure fast komplett im Gerichtssaal ansiedeln. Die Idee ist dabei gar nicht einmal schlecht und die ganze Aufmachung auch durchaus gelungen, doch letztlich habe ich mich schon ab dem zweiten Fall gelangweilt durch die Textwüsten geklickt und die gewünschten Beweise vorgelegt, wenn es mir das Spiel vorschreibt. Etwas mehr Freiheit bei der Lösung hätte ich schon gerne gehabt und mehr Abwechslung hätte dem Spiel ebenfalls gut getan. Fans der Vorgängerspiele werden aber sicherlich auch mit "Apollo Justice: Ace Attorney" ihren Spaß haben, westliche Adventurezocker sollten lieber das gute "Undercover" oder "Geheimakte: Tunguska" ins Auge fassen.
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