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Jagged Alliance 3 (PC)

Artikel veröffentlicht am 04.06.2008

Fans der "Jagged Alliance"-Reihe warten seit fast zehn Jahren auf eine Fortsetzung. Zwei offizielle Erweiterungen und diverse aktuellere, aber sehr dürftig umgesetzte Imitationen wie "Brigade E5: New Jagged Union" und "Hired Guns: The Jagged Edge" waren nur ein schwacher Ersatz. F3 Games will das nun ändern und dem betagten König des Taktik-Genres "Jagged Alliance 2" einen würdigen Nachfolger bescheren. Von Philipp Rauh

Entdeckt: Die dritte Dimension

Riskant: Russisch-Roulette mit Sturmgewehren

Wer lang genug sucht, findet auch meistens was. In "Jagged Alliance 3" heißt dieser Fund "Dreidimensionalität". Oder besser gesagt, die "Silent Storm"-Grafikengine. Denn eben diese verwendet F3 Games in einer runderneuerten Version. Vorbei sind die Zeiten von Bitmap-Explosionen, handgemalten Schatten und Gif-Animationen. Ersetzt wurden diese altertümlichen "Features" des Vorgängers durch eine komplett zerstörbare Umgebung, dynamische Lichteffekte und detaillierte Texturen. Nicht ersetzt, sondern lediglich ein wenig verbessert, wurde das Spielsystem. Rundenbasierte Kämpfe, Zug um Zug gegen die intelligente KI, ein Interface das dem des Vorgängers nahezu gleicht und über 40 verfügbare Söldner, von denen 30 aus den ersten beiden Teilen stammen, all das lässt das Herz eines jeden sentimentalen "Jagged Alliance"-Spielers höher schlagen.

In einem unbekannten Land...

Alte Bekannte: "JA"-Veteranen werden hier wehmütig

Die kleine Bananenrepublik Arulco aus Teil 2 wurde von ihrer sadistischen und tyrannischen Diktatorin Deidranna befreit. Das Volk atmet auf und die Wirtschaft erholt sich langsam. Doch nicht weit davon entfernt brodelt ein neuer Konflikt. Im angrenzenden Land Severna kämpfen fünf verschiedene Gruppen um die Vorherrschaft in 30 großen Sektoren. Im Gegensatz zum Vorgänger reist man in "Jagged Alliance 3" nicht von einem quadratischen Sektor zum anderen sondern navigiert seine Söldner wie in "Silent Storm" zu sehr großräumigen Gebieten auf der Landkarte. Erst dann erscheinen die in diesem Sektor vorhandenen Locations, in denen später die Kämpfe ausgetragen werden. Von diesen Locations wird es mehr als 300 Stück geben, jede einzelne weitaus größer als die Schauplätze in "Silent Storm". An geografischem Umfang mangelt es "Jagged Alliance 3" also keineswegs.

Wenn Fünf sich streiten freut sich der Spieler

Pfusch am Bau: Löchrig wie ein Schweizer Käse

Auf einer Spielwiese dieser Größe ist genug Platz für mehrere streitbare und rachsüchtige Parteien. So wird es die loyalen Regierungstruppen Severnas geben und die Guerillas der Rebellen auf der Gegenseite. Allerdings kann man sich im Gegensatz zum zweiten Teil der Serie diesmal entscheiden für welche Seite man kämpfen will. Und wem das nicht genug ist, der kann sich aus zwei weiteren Fraktionen seinen Lieblingsverein heraussuchen. So könnt ihr die wirtschaftlichen Interessen der "Corporate Security Services" mit Waffengewalt durchsetzen oder dem Nachbarland Agawan bei der Invasion Severnas zur Seite stehen. Des weiteren wird es eine fünfte, nicht spielbare Fraktion geben. Angeführt von einem verrückten Professor versucht eine Roboterarmee die Macht im Staat zu ergreifen. Ob diese Partei als herausforderndes Gimmick ins Spiel dazu geladen werden kann, wie die übergroßen Killerkäfer im Vorgänger, bleibt abzuwarten.

Spiel mit mir!

Nachteil: Der Alptraum jedes tauben Soldaten

Die Einzelspieler-Kampagne wird etwas anders ablaufen als im Vorgänger. So ist es nun nicht mehr euer Ziel eine bestimmte Person zu eliminieren, ebenso wenig genügt es einfach nur eine Reihe von Missionen zu bestreiten um eurer Partei zum Sieg zu verhelfen. Viel mehr verläuft das Spiel nicht-linear. Je nachdem wie ihr handelt und kämpft entsteht eine dynamische politische Situation in Severana mit Bündnissen und Konflikten, das Auslöschen einer Fraktion wird nur in den seltensten Fällen zum Gewinnen reichen. Kluge Diplomaten haben es da weitaus leichter. So werden Feinde durch Verträge zu Verbündeten, mit deren Hilfe man Konkurrenten aus dem Weg schaffen kann. Doch die Kampagne muss man nicht alleine bewältigen. Der Mehrspieler-Modus erlaubt bis zu 16 Hobby-Feldherrn gleichzeitig gegen- oder miteinander mit jeweils bis zu 6 Söldnern in den Krieg zu ziehen. Auch hier ist wieder die Diplomatie nebst taktischem Geschick gefragt. Denn man kann nicht nur Bündnisse mit anderen Spielern eingehen sondern auch untereinander Söldner tauschen.

Fazit

von Philipp Rauh

Hält F3 Games alle Versprechen der Vergangenheit, wird "Jagged Alliance 3" der lang ersehnte Thronerbe des von Taktikspielern heilig gesprochenen Vorgängers. Die leicht angegraute, aber hübsch aufgebohrte "Silent Storm"-Grafikengine führt die Serie ansehnlich in die dritte Dimension ein und hält trotzdem am Charme der beiden ersten Teile fest. Spendieren die Entwickler der Fangemeinde neben einer stimmigen Single-Player-Kampagne noch einen ausgereiften Multiplayer-Modus wird "Jagged Alliance 3" mein persönliches Spiel des Jahres 2008.


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