Test
Clive Barkers Jericho
Der Name Clive Barker steht bei Eingeweihten für Grusel der üblen Sorte. Viel Blut, Gedärme und Ängste, deren Zuhause die Abgründe der menschlichen Seele sind. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen an ein Spiel, für dessen Hintergrundgeschichte eben jener Horrorautor verantwortlich ist. Ob mit dem Egoshooter "Jericho" wirklich der Jüngste Tag angebrochen ist, bleibt euch beim Lesen folgender Zeilen nicht verborgen. Von Stefan Buechner
Los Team, go go go!
Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist das Team Jericho, eine mystische Spezialeinheit besonders begabter Kampfmagier, die in allen Zeiten und überall auf der Welt unerklärlichen Phänomenen auf den Grund gehen, um die dafür meist verantwortlichen üblen Horden des Grauens effektiv ausschalten. Sieben solcher Soldaten des Guten - drei weibliche sowie vier männliche - unterliegen der steuernden Hand des Spielers und brennen darauf, die Waffen krachen zu lassen. Eigentlich kein uninteressanter Ansatz für einen Ego-Shooter, zumal jedes Teammitglied über einzigartige Fertigkeiten verfügt, die ihr an vielen Stellen des Spiels einsetzen müsst, um Situationen geschickt zu meistern und weiter zu kommen. Von der Theorie her gut und eigentlich der Stoff, aus dem intelligente Shooter gemacht werden könnten. Verknüpft mit einer gut durchdachten Story genau die Kost für schaurig schöne Herbstabende.
Süßes oder es gibt Saures!
Das wahre Grauen zeigt bedauerlicherweise aber ein anderes Gesicht. Lässt ein Vorwort, gefolgt von einem Intro in Spielgrafik euch noch gespannt auf den Beginn der Action hoffen, werdet ihr bald eines Besseren belehrt. Als Anführer einer Spezialtruppe von sechs Spezialisten sollt ihr den rätselhaften Vorkommnissen in der Wüstenburg al-Khali auf den Grund gehen. Bewaffnet mit dem Modernsten, was militärische Kriegsführung und Forschung zu bieten haben, verfügt das Team über brachiale Schussgewalt ebenso wie über Sprengstoffe, Scharfschützin oder Computerunterstützung. Nicht zu vergessen die speziellen Begabungen der Teammitglieder, die sich allerdings erst im Lauf des Spiels in voller Ausprägung offenbaren. An der Grafik gibt es nichts zu mäkeln, glitschig glänzend arbeiten Shader an der Darstellung von Blut und Innereien, eklige Monster in alptraumhaften Variationen - die sich im Verlauf des Spiels jedoch zunehmend ähnlich sehen - trachten nach dem Leben eurer Teammitglieder und hauchen nur widerwillig unter konzentriertem Beschuss ihr Unleben aus. Trostlose Ruinen, dunkle Bunkergänge und geräumige Grabkammern machen oft den Einsatz der Taschenlampe nötig, Nebelschwaden beschränken die Sicht und wollen eine unheimliche, in Grau- und Brauntönen gezeichnete Stimmung erzeugen. Gelingen will all dies nicht so recht, aus mehreren Gründen.
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