Blizzard-Gründer im Interview - Seite 3

(Interview)

spieletipps: Lass uns über Diablo 3 sprechen. Traust du dieser Spielwelt eine ähnliche Popularität zu wie der von WarCraft? Könnte der "Gothic Look" von Diablo 1 und 2 sogar erfolgreicher sein als der eher cartoon-hafte Look von World of WarCraft und die aktuell recht bunte Grafik von Diablo 3?

Frank Pearce: Am Ende des Tages muss sich die Grafik eines Spiels dem Gameplay unterordnen. Momentan haben die Leute nur Screenshots von Diablo 3, und die klopfen sie nun auf Unterschiede zu Diablo 1 und 2 ab. Wir haben bei Blizzard das Glück, Diablo 3 bereits spielen zu können. Und wenn du dich hinsetzt und einen aktuellen Build spielst, und Spaß dabei hast, dann achtest du weniger darauf, ob das Spiel einen "Gothic Look" hat oder farbiger aussieht. Pikanterweise gibt es auch in Diablo 2 viele Levels, die überhaupt keine Gothic-Optik haben. Einige sehen sogar ausgesprochen neckisch aus, mit Pygmäen oder grellbunten Gegnern. Die wahre Herausforderung für die Diablo-Serie in Bezug auf ihre Massentauglichkeit ist ein anderer: Bislang hatte die Serie eine "M"-Einstufung ("nicht geeignet unter 17 Jahren", Anm. d. Autors), während die WarCraft-Serie "ab 13 Jahren" ist. Sicherlich wollen wir Spiele erschaffen, die wir in die Hände von so vielen Fans wie möglich legen können.

spieletipps: Blizzard hat noch nie ein neues Genre erfunden, genau genommen noch nicht einmal ein Untergenre. Stattdessen kopiert und verbessert ihr bestehende Ideen. Warum ist Blizzard trotzdem so erfolgreich?

Frank Pearce: Eine extreme wichtige Rolle spielt, dass wir in der Geschäftsführung die Qualität der Spiele an die allererste Stelle setzen. Wir diskutieren ständig darüber, was wir in eine Marke investieren wollen - anstatt darüber zu reden, wie wir Geld herausholen können. Wir stellen sicher, dass wir keine langfristigen Vorteile opfern, um einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen. Es mag zwar für die nächsten Quartalszahlen gut sein, ein unfertiges Spiel zu veröffentlichen, aber die langfristige Auswirkung einer solchen Entscheidung ist gewaltig. Vor allem dann, wenn du damit deinen Ruf beschädigst. Deshalb versuchen wir immer, Entscheidungen zu treffen, die im Interesse unserer Spielemarken sind.

spieletipps: Eure Einkünfte hängen stark von den Abo-Einnahmen von World of WarCraft ab. Der Trend scheinen aber Browserspiele zu sein, die kostenlos, schnell herunterladbar und einfach zu spielen sind. Befürchtest du, dass sich die ganze Spielebranche in Richtung dieser Casual-Spiele bewegt?

Frank Pearce: Das kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt da draußen eine riesige Zielgruppe für MMOs und Echtzeit-Strategie, und die gehört sicherlich nicht zu den Gelegenheitsspielern. Wenn überhaupt, dann stellen diese Casual-Märkte eine Chance dar, dass noch mehr Spieler sich MMOs und Echzeit-Strategiespiele anschauen und kaufen.

spieletipps: Wird das nächste World of WarCraft ein Browserspiel?

Frank Pearce: Das bezweifle ich stark. Aber ich kann keine Garantie übernehmen, weder für die eine noch für die andere Richtung.

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