Test Fallout 3: Grandiose Endzeit-Atmosphäre

von Daniel Frick (04. November 2008)

In den 80er Jahren, in den dunkelsten Stunden des kalten Krieges, war die Angst vor einem Atomkrieg spürbar real. Eines meiner beeindruckendsten Kindheitserlebnisse in diesem Zusammenhang war der US-Film "The Day After", in dem neben der politischen Eskalation davor vor allem auch die Folgen des Atomkriegs anschaulich dargestellt wurden. Es war ein auf intensivste Art und Weise bedrückendes Gefühl - genau wie nun über 20 Jahre später im lange erwarteten "Fallout 3".

Die Bombe als Heilsbringer...Die Bombe als Heilsbringer...

In Megaton herrscht eine Bombenstimmung

Tot zu kriegen sind die Menschen auch nicht, nachdem der Großteil der Menschheit im atomaren Bombenhagel ausradiert wurde. Doch 2277 hat sich der Zynismus verständlicherweise selbst beim letzten Optimisten tief in die Psyche eingegraben. Kein Wunder, wenn man beispielsweise als Ghul mit entstelltem Gesicht Fußabtreter für einen fiesen Barbesitzer spielen muss. Der sympathischen Gesichtspizza Cob begegnen wir in der Bar des zwielichtigen Moritary in der ersten Stadt Megaton, die bezeichnenderweise um den namensgebenen Atombomben-Blindgänger gebaut wurde.

Gegen den Sheriff intrigiert Moritary um die Vorherrschaft in der Festung aus Schrott, doch der hat andere Sorgen. Die Sache mit der Bombe scheint ihm als Einzigem nicht ganz geheuer und er bittet euch, sie zu entschärfen - und so den Jüngern des Atoms, einer postapokalyptischen Psycho-Sekte, ihren Heilsbringer zu nehmen. Wie wir uns entscheiden, hat unmittelbare Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Geschichte inklusive Atompilz - oder eben gerade nicht.

Oft sprechen dann doch die Waffen....Oft sprechen dann doch die Waffen....

Die Sache mit der Moral

Nur eine bizarre Momentaufnahme von Situationen, wie sie uns in den nächsten (locker 50) Stunden immer wieder begegnen werden. Überhaupt: Die Charaktere (und damit auch die Quests) die uns begegnen, versprühen den skurril-morbiden Charme der Vorgängerspiele. Denn in dieser Hinsicht ist "Fallout 3" absolut gelungen, die Quests spiegeln wieder und wieder den postnuklearen Wahnsinn wieder, inklusive jeder Menge moralischer Entscheidungen. Erledigen wir eine von ihrem Zuhälter ausgenutzte Abhängige, um an ihre Kronkorken (das ist die Währung im Ödland) zu kommen oder lassen wir sie gnädig laufen? Helfen wir einem kleinen Jungen auf der Suche nach seinem Vater? Entscheiden müsst ihr selbst!

Dabei ist die Sache mit der Moral durchaus zweischneidig: In der verwüsteten Hauptstadt kämpft jeder für sich alleine und oftmals bleibt einem gar keine andere Wahl, als an sich selbst zu denken. Übertreibt man es aber, sinkt euer Karma-Wert. Bestimmte Personen und Gruppierungen sprechen dann möglicherweise gar nicht mit euch. Andere dafür verlangen geradezu, dass man einen echten postapokalyptischen Kotzbrocken gibt - für jede Menge Abwechslung ist also gesorgt.

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