Demigod-Interview: Halbe Götter für ganze Kerle

(Interview)

Chris Taylor führt einen der letzten großen unabhängigen Spiele-Entwickler, Gas Powered Games. Doch die glorreichen Zeiten von Total Annihilation und Dungeon Siege 2 sind vorbei. Supreme Commander war immerhin noch durch seine schiere Größe beeindruckend, Star Siege hingegen ließ Kritiker und Spieler kalt. Mit Demigod ("Halbgott") plant Taylor endlich wieder einen großen Wurf: Inspiriert von der WarCraft-3-Mod DotA, treffen bis zu acht Assassinen und Generäle in abgedrehten Riesenarenen aufeinander. Erstere sind extrem mächtige Einzelkämpfer, letztere etwas schwächer, doch dafür bringen sie eine Armee mit.

Jörg Langer: Chris, wie wurde aus einer Idee einiger deiner Mitarbeiter ein ausgewachsenes Spieleprojekt?

Chris Taylor: Drei meiner Leute hatten einen Prototypen gebaut, mit dem man schon etwas herumspielen konnte. Damit kamen sie zu mir, um es mir als Projekt schmackhaft zu machen. Ich sah es mir an und sagte, "Lasst es uns machen!" Das hat keine fünf Minuten gedauert.

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Chris Taylor:

Jörg Langer: Werden die drei reich, wenn Demigod erfolgreich wird?

Chris Taylor: Wir haben kein spezielles Belohnungsmodell für so was. Aber alle drei sind Führungskräfte, und die verdienen deutlich mehr als das restliche Team. Das heißt, zwei davon waren es - sie haben mittlerweile meine Firma verlassen, um selbst eine aufzumachen. Ich wünsche den beiden viel Erfolg, aber zu kompensieren brauche ich die ja jetzt nicht mehr für ihre Idee. Natürlich werden wir sie in den Credits nennen. Davon abgesehen: Wir bewegen uns in einer hochkompetitiven Branche. Wenn ich da Leute, die tolle Ideen einbringen, nicht dafür belohnen würde, würden sie schnell abwandern.

Jörg Langer: Siehst du Demigod eher als Experiment oder eher in der Klasse eines sicheren Hits wie Dungeon Keeper 2?

Chris Taylor: Es ist definitv ein Experiment. Wir haben das Spiel eigenhändig finanziert, fast anderthalb Jahre lang. Und das machen wir sonst nicht. Wir waren bei so vielen Publishern, die uns sagten: "Nein, danke!" - weil Demigod so anders ist als alles, was du in den Regalen finden kannst. Aber so ist das immer, wenn du etwas ganz Neues erschaffst, den Publishern ist es zu riskant. Für mich war das die Gelegenheit, es selber zu machen. Ich bin ein großes Wagnis eingegangen, aber wir haben die Chance, den Markt zu erweitern.

Jörg Langer: Ein anderes Experiment ist der Vertriebsweg: Distributor ist Stardock, der zwar auch Händler beliefert, aber eigentlich auf Downloads spezialisiert ist.

Chris Taylor: Stardock ist unser Partner für Nordamerika; wie es in Europa aussieht, ist noch nicht ganz klar. Sins of the Solar Empire wird auch von Stardock vertrieben, und man findet es überall in Amerika in den Regalen. Das funktioniert genauso wie bei Valve, die ihre Spiele sowohl über Steam selbst online anbieten als auch im Handel von EA vertreiben lassen. Wenn mein Haus abbrennt, kann ich mir einen neuen Rechner kaufen und via Stardock Demigod erneut runterladen. Ganz einfach. Und man kann es auch neu auf andere Rechner downloaden, das Spiel gehört nämlich dir, auch wenn du es digital erwirbst. iTunes hingegen, erlaubt dir nicht, bereits gekaufte Musik auf einen anderen PC heruntergeladen, was ein massives Problem ist. Ich finde, die Firmen müssten endlich kapieren, warum dem digitalen Download die Zukunft gehört.

Demigod kann man einfach drauflosspielen.

Jörg Langer: Nur darf der Digitaldistributor nicht pleite gehen...

Chris Taylor: Du bist offensichtlich paranoid. Aber dann kannst du dir für fünf Extradollar zusätzlich die Packung mit CD zuschicken lassen bei Stardock!

Jörg Langer: Demigod mischt verschiedenste Genres - welcher Spielertyp soll es spielen?

Chris Taylor: Unser Spieler ist ein Jugendlicher oder junger Erwachsener. Auch ein paar Frauen dürften Spaß mit dem Onlinespiel haben. Wir sprechen nicht nur Profispieler an, sondern machen es auch weniger erfahrenen Spielern einfach, Demigod zu spielen. Weißt du, ich habe mir gerade Civ 4: Colonization gekauft, für 30 Dollar. Ich weiß, es wird mir Spaß machen, aber es ist kein Spiel zum einfach Drauflosspielen. Du musst wirklich verstehen, was da abläuft, und von wo du welche Ressourcen wohin bringst. Demigod braucht längst nicht diesen Grad an Verständnis und Auswendiglernerei. Du musst immer noch über deine Taktik und Ausrüstung nachdenken, aber dir platzt nicht dein Kopf vor lauter Komplexität. Es wird dich nicht einschüchtern, wenn du es startest. Das ist das Problem vieler PC-Spiele: Sie wirken auf Nicht-Profis einschüchternd. Ich zweifle nicht einen einzigen Moment daran, dass ein Spiel von Firaxis nicht großartig ist. Und ich weiß, auch Colonization wird mich begeistern. Aber solche Spiele benötigen viel Zeit, um sie zu verstehen. Demigod kann man einfach drauflosspielen.

Jörg Langer: Du findest also, PC-Spiele müssten mehr Richtung Massenmarkt gehen?

Chris Taylor: Falls ich das je gesagt haben sollte, habe ich die falschen Worte gewählt. Aber die PC-Spiele müssen breiter werden, schon allein wegen der horrenden Entwicklungskosten. Viele Leute werden Demigod sehen und es als Hardcore-Spiel wahrnehmen. Aber diese Leute sollten sich dann mal Supreme Commander ansehen, dann sehen sie den Unterschied. Das war ein wahres Hardcore-Game! Versteh' mich nicht falsch, die Hardcore-Spielergemeinde ist riesengroß. Sie wächst nur nicht mehr. Außerdem: Wieso sollten nicht auch Hardcore-Spieler mal ein einfacheres Spiel erleben wollen? Nur weil ich Steaks liebe, heißt das doch nicht, dass ich keine Hotdogs mag!

Jörg Langer: Werden die Leute überhaupt als General spielen wollen? Die Assassinen klingen cooler.

Chris Taylor: Die Generäle spielen sich mittlerweile sehr ähnlich zu den Assassinen. Auch sie können total wahnsinnige, abgedrehte Sachen machen! Aber sie werden einige Dinge nicht in ihrem Arsenal haben, um den Vorteil zu kompensieren, dass sie mit Armeen in den Kampf ziehen.

Am Ende des Tages müssen wir die Balance hinbekommen. Wir nehmen hier etwas weg, fügen es dort hinzu, und das machen wir solange, bis das Spiel fertig ist.

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Screenshots:

Jörg Langer: Erzähl' mir mehr über die Subklassen.

Chris Taylor: Wir haben nur zwei Klassen, die sich sehr ähnlich sind. Anfangs waren die Generäle viel schwächer als die Assassinen, und dafür waren ihre Armeen sehr stark, aber die Testspieler mochten das nicht sonderlich. Nun haben wir MÄCHTIGE Generäle, die zerschmettern und töten und zerstören und ausradieren! Subklassen gibt es nicht, aber je vier total unterschiedliche Typen von Generälen und Assassinen. Die heißen dann zum Beispiel Sword Angel oder Tower und haben jeweils ein ganz anderes Aussehen, eigene Skill Trees, eigene Special Effects und so weiter.

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