Die Crysis-Macher unter sechs Augen - Seite 3

(Interview)

Spieletipps: Bisher habt ihr ja ausschließlich für PC entwickelt. Auf eurer Webseite werden gerade Programmierer für unter anderem die Next-Gen-Konsolen gesucht. Werde ihr zukünftig auch für mehrere Plattformen entwickeln?

Cevat Yerli: Natürlich sind die neuen Konsolen für uns sehr interessant. Das liegt zum einen am deutlich weniger ausgeprägten Problem der Raubkopien. Fakt ist jedoch, dass die PC-Retail-Industrie mit schwindenden Umsätzen zu kämpfen hat, dennoch der PC-Markt an sich wächst. Das liegt daran, dass sich die Schwerpunkte in andere Bereiche verschieben, wie z.B. dem immer wichtiger werdenden Thema "Online", für das auch neue Geschäftsmodelle gefunden werden müssen. Für uns bedeutet das für die Zukunft, dass wir neben dem PC auch Konsolen bedienen werden und uns zunehmend auf den Online-Part konzentrieren werden. Wir werden dem PC auf jeden Fall treu bleiben, alle anderen Interpretationen von unseren Aussagen sind schlicht falsch.

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Crysis Warhead:

Spieletipps: Crysis hatte, wenn man sich die Kritiken anschaut, zwei große Makel, die den ganz großen Wurf verhinderten: Raubkopien und enorm hohe technische Anforderungen. Was hat dem Erfolg letztlich mehr geschadet? Ihr hatte euch ja insbesondere auf eurem Heimatmarkt Deutschland mehr versprochen.

Cevat Yerli: Ich möchte zum zweiten Punkt zunächst was sagen. Wir hatten eine ehrenvolle Absicht. Die Absicht war, dass wir ein Spiel abliefern, das heute auf modernen und alten PCs läuft, aber auch in Zukunft immer noch sehr, sehr gut aussehen wird, damit das Spiel nicht wirklich alt wird. Crysis sollte auch 1,5 Jahre nach Release noch extrem gut aussehen. Far Cry zum Beispiel sieht auch heute noch sehr gut aus, wenn man es auf Ultra High spielt, was mit heutiger Hardware gut machbar ist. Mit diesen Settings würde das Spiel auch heute noch, obwohl die Engine inzwischen ja durchaus ein alter Hase ist, noch Grafikwertungen jenseits der 80 % einfahren. Andere Hersteller maximieren ihre Spiele nicht für die aktuelle Generation der Hardware, sondern für die Generation davor. Der Effekt: Die Spieler altern deutlich schneller. Unser Dilemma ist, dass Spieler es heute gewöhnt sind, das Spiel gleich auf maximale Settings zu stellen.

Avni Yerli: Dazu kommt, dass sich viele Spieler von dem Gerücht der schlechten Performance haben anstecken lassen und das Spiel dann erst gar nicht ausprobiert haben. Crysis wurde auch gerne mit moderner Hardware zusammen vermarktet, was diesen Effekt noch zusätzlich unterstützt hat.

Cevat Yerli: Dabei haben wir auf der GDC dieses Jahr einen 650-Dollar-PC präsentiert, der unterstrich, dass man keinen Monster-PC braucht, um seinen Spaß mit Crysis zu haben. Das war letztlich auch die Basis von Warhead.

Avni Yerli: Zum Thema Piraterie: Toptitel haben leider das Problem, dass sie ganz oben auf der Liste von Software-Piraten stehen. Für uns war es extrem traurig zu sehen, dass bereits vor Release unser Spiel zum illegalen Download bereit stand. Daneben dann noch ein Counter, der unaufhörlich Downloads zählte - das tut weh. Insbesondere nach vier Jahren Entwicklungsarbeit. Die Konsequenz daraus für uns: PC-Spiele müssen sich in Zukunft verändern. Wir müssen das System verändern, "Online" bringt uns da viele Möglichkeiten. Und lass mich noch etwas zum Thema "erfolgreich" sagen: Bisher hat sich Crysis schon öfter verkauft als damals Far Cry.

Wir akzeptieren keine Einschränkungen und schrecken auch vor Risiken nicht zurück.

Spieletipps: In der Zwischenzeit ist mit Call of Duty 4 ja ein enorm erfolgreicher Shooter veröffentlicht worden. Im Gegensatz zur offenen Spielwelt von Far Cry und Crysis setzt Call of Duty auf enge Schlauchlevel und dem starken Einsatz von Script-Sequenzen, wodurch eine packende Inszenierung ermöglicht wird. Inwieweit beeinflusst euch das für zukünftige Entwicklungen?

Cevat Yerli: Wenn man Call of Duty genauer analysiert, wird man merken, dass es Stück für Stück weniger linear wird. Aus Entwicklersicht ist es natürlich wesentlich einfacher, einen Schlauchlevel umzusetzen, als eine offene Spielwelt mit nicht linearem Gameplay. So etwas wie Crysis ist alles andere als einfach packend umzusetzen. Mit Warhead haben wir einen großen Schritt gemacht, die Handlung noch spannender und effektvoller zu erzählen. In unserer offenen Spielwelt geben wir dem Spieler sehr viel Freiheit, was mir persönlich auch besser gefällt.

Avni Yerli: Der Trend ist relativ eindeutig, immer mehr Spiele bewegen sich hin zu einer offenen Spielwelt.

Spieletipps: Trotz Sitz in Deutschland seid ihr ja ein sehr internationales Team. In welcher Sprache wird denn bei euch entwickelt? Welche Version eurer Spiele kann man als "Originalversion" bezeichnen?

Avni Yerli: Wir entwickeln komplett in Englisch, dies ist also auch die Originalversion. Am Standort Frankfurt haben wir ca. 170 Mitarbeiter aus 31 verschiedenen Nationen. Hier läuft alles in Englisch ab, selbst die gesamte Software und die Skripte sind komplett in Englisch. Die Tester spielen auch die englische Version, und erst hinterher wird synchronisiert. Wir legen dabei sehr viel Wert auf erstklassige Synchron-Versionen. Warhead zum Beispiel gibt es neben den üblichen Versionen (deutsch, englisch, italienisch, französisch, spanisch usw.) auch komplett in Türkisch und Ungarisch.

Spieletipps: Ihr ja bisher ausschließlich Ego-Shooter veröffentlicht, die leider immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Aus Regierungskreisen gibt es immer wieder Forderungen nach besserem Jugendschutz, Verboten bis hin zum Herstellungsverbot. Wie ist eure Meinung dazu?

Avni Yerli: Es macht uns nicht wirklich Angst. Wenn so etwas kommt, hätten wir kein Problem damit, einfach in ein anderes Land zu gehen und genau so weiterzumachen wie bisher. Die Bahamas sollen ja sehr schön sein (lacht). Ich bin sogar sehr sicher, dass die meisten Mitarbeiter mitgehen würden, denn diese sind ja auch ausschließlich wegen der Arbeit nach Frankfurt gezogen. Es betrübt natürlich ein wenig, da das Ganze immer wie ein Damoklesschwert über uns schwebt und nötige Planungssicherheit fehlt. Das Thema ist ja inzwischen erst mal vom Tisch und wird dort auch vermutlich so schnell nicht mehr auftauchen. Mein Eindruck ist ohnehin, dass sowohl Politik als auch Fachleute mit der Zeit dazulernen.

Spieletipps: Ihr seid ja einer der wenigen auch international erfolgreichen deutschen Entwickler. Was macht euren Erfolg aus? Was macht ihr anders als andere?

Cevat Yerli: Wir setzen uns enorm hohe Ziele, die wir später dann noch immer weiter nach oben korrigieren. Wir akzeptieren keine Einschränkungen und schrecken auch vor Risiken nicht zurück. Dahinter stehen wir und wollen diese Leidenschaft auch auf unsere Mitarbeiter übertragen, um letztlich in allen Bereich das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Spieletipps: OK! Vielen Dank für das Gespräch. Achja, wann kommt nochmal Crysis 2?

Avni & Cevat Yerli: Bitte (lachen herzhaft)

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