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Battle Realms (PC)

Artikel veröffentlicht am 15.02.2002

Mit der "Command & Conquer"-Reihe hat sich der Chefdesigner Ed Del Castillio einen Namen gemacht. Nach dem Weggang von Westwood hat er eine eigene Firma gegründet mit der er nun "Battle Realms" herausgebracht hat. Ed Del Castillio wollte nach eigenen Aussagen mit diesem Spiel frischen Wind in das eingeschlafene Genre der Echtzeit-Strategie bringen. Ob das nur ein vorlautes Versprechen war oder ob es ihm wirklich gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test. Von Gerd Schüle

Asiatisches Flair

In einem Dorf des Drachen-Clans

Im fernen Osten herrschte einst der edle Drachen-Clan über die Heimat des Schwertkämpfers Kenji und sorgte für Recht und Ordnung, damit das Volk friedlich leben konnte. Leider wurde die friedliche Ordnung gestört und der abtrünnige Vater Kenjis brachte voller Herrschaftsgelüste Unglück über den Schlangen-Clan. Als er dabei umkam, wird Kenji die Tat angekreidet, weshalb ihm nichts anderes übrig blieb, als zu fliehen. Als er nach sieben Jahren zurückkommt hat der inzwischen bösartige Schlangen-Clan fast sein ganzes Dorf in Schutt und Asche gelegt. Gleich zu Beginn des Spiels musst du dich entscheiden, ob du in die Fußstapfen von Kenjis Papa trittst und als bösartiger Banditenanführer das Spiel bestreitest oder ob du mit Kenji lieber der Häuptling des edlen Drachen-Clans werden willst, um wieder für Recht und Ordnung zu sorgen. Jede der zwei Kampagnen enthält 18 Szenarien. Die fernöstliche Hintergrundgeschichte wird mit sehenswerten Zwischensequenzen in der Spiel-Engine dargeboten.

Einfacher aber raffinierter Aufbaupart

Ein Bauernhaus steht in Flammen

Beim Aufbaupart geht "Battle Realms" neue Wege. Eine einfache Bauernhütte ist der Ausgangspunkt fast jeder Mission. In diesem Gebäude werden laufend Bauern produziert, bis das Bevölkerungslimit von höchstens 40 erreicht ist. Geht das Anfangs noch recht flott, so dauert das Erscheinen der nächsten Einheit um so länger, je höher die Bevölkerungszahl ist. Die Bauern werden dazu benötigt, die zwei einzigen Rohstoffe - Reis und Wasser - zu produzieren. Diese Ressourcen benötigt man, um Militärgebäude zu errichten, in denen dann die Bauern zu Kämpfern ausgebildet werden können. Um Soldaten zu bekommen, muss man die zur Verfügung stehenden Bauern ausbilden, die dann natürlich nicht mehr zur Rohstoffgewinnung eingesetzt werden können. Allein diese Tatsache bringt schon, trotz seiner Einfachheit, strategische Tiefe mit ins Spiel. Man steht immer wieder vor der Frage: Wie viele Bauern setze ich zur Ressourcengewinnung ein und wie viele bilde ich zu Kämpfern aus?

Truppenausbildung

Hier tobt ein heftiger Kampf

Für die Ausbildung der Truppen gibt es in "Battle Realms" pro Clan nur drei verschiedene Gebäude. Jeder Clan besitzt z. B. je ein Gebäude für Nah- und Fernkämpfer. Allerdings braucht man sich nicht auf diese zwei Einheitentypen begrenzen. Man kann die Fertigkeiten der Krieger auch kombinieren Schickst du z. B. beim Drachen-Clan einen bereits ausgebildeten Speerkämpfer auch noch auf den Übungsplatz, das Ausbildungsgebäude für Fernkämpfer, wird aus ihm ein Drachenkrieger, der beide Fähigkeiten besitzt. Zwar dominiert immer die erste Ausbildungsart, aber immerhin entstehen so sinnvolle Ergänzungen zu den grundlegenden Truppentypen, die je nach Mission auch gebraucht werden. Im Laufe des Spiels stößt man zudem noch auf sogenannte Zen-Meister. Außer Kenji gibt es noch 18 andere dieser Helden, die alle wichtige Spezialfähigkeiten beherrschen. Der Schwertmeister Otomo z. B. fechtet extrem gut und hat einen Kampfschrei auf Lager, der für eine gewisse Zeit die Moral der eigenen Truppen erhöht.

Taktische Raffinessen

Ein Pferdestall

Taktisch interessant ist die Tatsache, dass sich frühe Konfrontationen bei "Battle Realms" bezahlt machen. Durch gewonnene Kämpfe erhält man Yin- oder Yang-Punkte. Damit kann man die Ausbildungsgebäude aufrüsten, wodurch sich wiederum die Fähigkeiten der Kämpfer verbessern. Durch den klugen Einsatz dieser Möglichkeit kann man sich deutliche Vorteile erwerben. Ebenfalls im Vorteil sind Truppen auf einem erhöhten Standpunkt, da sie von dort weiter sehen und schießen können. Schafft man es also, seine Bogenschützen auf einem Hügel zu postieren, wird man leicht mit einer großen Übermacht fertig. Findet man zudem dort noch Felsbrocken, kann man sie auf die Gegner herab stürzen lassen. Schnelles und taktisches Vorgehen, gepaart mit der richtigen Kämpferausbildung, ist der Schlüssel zum Sieg. Das Einigeln in der eigenen Basis führt dagegen meisten zur Niederlage. Deshalb ist "Battle Realms" trotz meist gleichbleibender Missionsziele ein sehr abwechslungsreiches Spiel.

Beeindruckende Kampfanimationen

Ein Standort des Schlangen-Clans

Eine wahre Augenweide ist die 3D-Grafik von "Battle Realms". Und das, obwohl die Abbildung der jeweiligen Einheiten zwar durchaus gut, aber nicht bombastisch ist; dafür sind die Animationen sensationell. So schön wurden Schlachten noch in keinem Strategiespiel zelebriert. Die Kampfanimationen könnten ohne weiteres aus einem entsprechenden Film stammen. Auch die Effekt der Zaubersprüche und die Wirkung der Wurfgeschosse wurden grafisch exzellent eingefangen und dargestellt. Auch die Landschaftsgestaltung mit ihren weiträumigen Wiesen, prächtigen Wasserfällen und schmucken Waldstücken ist auf der ganzen Linie imponierend und passt sehr gut zum Szenario. Alles hat einen fernöstlichen Touch bekommen. Auch die Gebäude wurden ebenfalls mit viel Liebe zum Detail gestaltet und passen sehr gut ins Spiel.

Gelungene Soundkulisse

Reisfelder sind wichtig fürs Überleben

Das gesamte Geschehen auf dem Bildschirm wird mit hervorragenden Umgebungsgeräuschen und einer exzellenten Sprachausgabe unterstützt. Auch in diesem Bereich haben die Entwickler ein erstklassiges Spiel abgeliefert. Durch die exzellente Grafik und die stimmige Soundkulisse entsteht eine faszinierende, fernöstlich geprägte Atmosphäre. Abgerundet wird der hervorragende technische Eindruck des Spiels durch die einfache und leicht zu beherrschende Bedienung des Programms. In einem sehr gelungenen Tutoral wird man vorbildlich in die Bedienung des Spiels eingeführt, die überwiegend mit der Maus bewerkstelligt wird. Das Lesen des ordentlichen Handbuchs erübrigt sich deshalb auch für Anfänger. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich die Beschreibungen der verschiedenen Einheiten im Handbuch anzuschauen.

Fazit

von Gerd Schüle

Keine Frage, Ed Del Castillio hat sein Versprechen gehalten und mit "Battle Realms" frischen Wind ins Echtzeit-Genre gebracht. Das Spiel überraschte mich nicht nur mit dem ungewöhnlichen Szenario, sondern auch mit vielen neuen und guten Ideen. Von der ersten Minute an hat mich das Spiel regelrecht fasziniert und in seinen Bann gezogen. Einen Award hat es sich zurecht verdient. Trotzdem kann ich es nicht uneingeschränkt empfehlen, was aber nicht an der Qualität des Programms liegt, sondern an seiner spielerischen Ausrichtung. Defensiv eingestellte Spieler, die viel Wert auf eine ausgeprägt Aufbauphase legen, sind bei diesem Spiel fehl am Platz. Wer dagegen schnelles, taktisches und trotzdem actionlastiges Vorgehen liebt, sollte sich dieses Spiel auf keinen Fall entgehen lassen. Für mich ist es mit Desperados zusammen auf jeden Fall die Überraschung des Jahres 2001.

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