Irak-Krieg als Popcorn-Unterhaltung fürs Wohnzimmer

(Special)

von Henning Ohlsen (12. April 2009)

Viele Medien benutzen Kriege, um Quote zu machen. Darf die Spieleindustrie da mitmachen und schwerwiegende Konflikte als Unterhaltungsprogramme tarnen? Konami erntet gerade heftige Kritik für seinen neuen Titel Six Days in Fallujah.

Kriegsspiele schwirren so einige auf dem Markt herum. Manche davon, zum Beispiel Call of Duty oder Medal of Honor, nehmen dabei auch auf Schauplätze Bezug, die es wirklich gegeben hat. Aber keins haben die Medien schon vor seinem Release so sehr zerrissen wie Six Days in Fallujah. Der neue Shooter, entwickelt von Atomic Games und herausgebracht von Konami, stellt sechs Tage in der Schlacht um die Stadt Fallujah im Irak-Krieg nach. Bei den Gefechten kamen vom 7. November bis 23. Dezember 2004 nach US-Schätzungen rund 1.500 Menschen ums Leben.

Es fällt schwer, mit englischen Zeitungen zu sympathisieren, die gegen Six Days in Fallujah hetzen und nach der schlimmsten Form der Zensur schreien - nämlich einem Verbot. Blätter wie die Daily Mail haben eine lange und unschöne Geschichte, wenn es darum geht, sich für Kontrolle und Autoritarismus einzusetzen. Ihre Berichterstattung ist voreingenommen, tendenziös und abwertend.

Kriege werden instrumentalisiert, um Quote zu machen.

Von den Medien werden Kriege schon lange instrumentalisiert, um Quote zu machen. Zeitungen titeln mit überspitzten Headlines in riesigen Buchstaben, das Fernsehen zeigt Nahaufnahmen der blutigsten Szenen. Bei der Invasion in den Irak informierte es uns rund um die Uhr über neue Bombardierungen, führte uns die Zerstörung vor Augen und bei alle dem konnten die Reporter kaum ihre Freude über ratternde Maschinengewehre und ohrenbetäubende Explosionen verbergen. Je mehr Tote, je mehr Verletzte und je mehr Chaos, desto besser.

Und nun wollen eben diese sensationsgeilen Medien, die ihren Zuschauern und Lesern Krieg als etwas Spannendes und Unterhaltendes verkaufen, der Spieleindustrie vorschreiben, was sie darf und was nicht? Das grenzt schon nicht mehr an Ironie, das ist purer Spott.

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