Six Days in Fallujah

Irak-Krieg als Popcorn-Unterhaltung

12. Apr 2009

Nichtsdestotrotz muss Six Days in Fallujah kritisch beäugt werden. Im Gegensatz zu den Handlungen in den meisten anderen Kriegsspielen sind die des Konami-Titels nicht schon seit 65 Jahren Geschichte. Sie sind vielen Amerikanern, Briten, Polen und Irakis, deren Einheiten an den Kämpfen beteiligt waren, noch gut im Gedächtnis. Man könnte es durchaus als "unsensibel" bezeichnen, so früh ein Spiel aus den Geschehnissen zu machen, das sich auch noch nah an der Realität orientieren soll. Aber so muss es vielleicht sein in einer Zeit, in der alles schneller und kurzlebiger wird. Wer um 11.05 Uhr noch nichts von dem Flugzeugabsturz um 10.55 Uhr weiß, gehört schon nicht mehr zur Bohème. So kann die logische Folge doch nur sein, dass auch die Spieleindustrie schneller werden muss bei der Verarbeitung von einschneidenden Ereignissen. Und der Nutzer sollte daran gewöhnt sein.

Es ist unsensibel, so früh ein Spiel aus den Geschehnissen in Fallujah zu machen

Was jedoch sauer aufstößt, ist der Kommentar von Anthony Crouts, dem Marketing-Vize-Präsident von Konami, gegenüber dem Wallstreet Journal: "We're not trying to make social commentary. We're not pro-war. We're not trying to make people feel uncomfortable. We just want to bring a compelling entertainment experience. At the end of the day, it's just a game."

Was versteht dieser Mann unter einer "fesselnden Unterhaltungserfahrung"? Einen brutalen Krieg, bei dem tausende Menschen getötet wurden? Sind die Denker und Lenker der Spielebranche so eingestellt - fesselnde Unterhaltung gleich Massenmord? Denn im Endeffekt geht es in einem Shooter doch nicht ohne Peng Peng.

Meiner Meinung nach hat er die denkbar schlechteste Umschreibung für einen auf Realismus getrimmten Kriegs-Shooter gewählt. "Fesselnde Unterhaltung" kann auch ein Spiel wie Flower bieten: was einen Spieler fesselt, sind Situationen, die ihm ungewohnt sind, weil sie seine Wahrnehmungen herausfordern und ihm fremd vorkommen. Seine Vorstellungen von Moral und Ethik - also das, was er im echten Leben für normal hält - werden über Bord geworfen.

"Fesselnde Unterhaltung" ist nicht gerade die beste Umschreibung für einen Kriegs-Shooter. Im wahren Fallujah wurde alles zerstört - die Menschen stehen vor Ruinen, die früher ihre Häuser waren. Verletzte und Tote liegen einfach am Straßenrand.

Seite 2 von 3

Druckversion

Kommentare neu

zurück zur Special-Übersicht

zur Six Days in Fallujah Übersicht

Six Days in Fallujah (Übersicht)

GTA 5 - Trailer-Analyse

Die geheimen Hinweise von Rockstar

Schauplatz, Hauptfigur, Geheimnisse und das mögliche Veröffentlichungsdatum mehr

News

Diablo 3: Schon wieder verschoben, kommt frühestens im April

Auf dem vierteljährlich stattfindenden "Earnings Call" von Activision Blizzard gibt es eine offizielle Mitteilung z (...) mehr

Weitere News

Alte Spiele verkaufen

Spielenamen
eingeben und checken wie viel Cash es gibt!

Top