Six Days in Fallujah

Irak-Krieg als Popcorn-Unterhaltung

12. Apr 2009

Dabei bietet die Stellung eines großen Unternehmens so viele Einflussmöglichkeiten, auf die Crouts hätte kommen können. Es geht gar nicht darum, eine Pro- oder Anti-Kriegshaltung einzunehmen, sondern vielmehr Leute zum Nachdenken anzuregen. Videospiele können Geschichten erzählen, Schicksale aufzeigen. Ein Videospiel ermöglicht dazu eine Tiefe und eine Art und Weise - nämlich interaktiv -, in der wir es vorher noch nie gesehen haben. Der Protagonist trifft schwierige moralische Entscheidungen, beeinflusst dadurch seine Umgebung und den weiteren Verlauf der Story. In Rollenspielen wird dies schon hin und wieder umgesetzt.

Alternativ können Publisher einfach sagen, dass ihr neues Kriegsspiel das Realistischste ist. Geniale Grafik, lebensechte Physik, realistischer Sound, realistische Waffen und Uniformen. Sie laden die Spieler ein, ihre Gehirne auszuschalten und einfach den tollen Krieg zu genießen. Dann können wir uns auch das Gezanke mit der Daily Mail sparen und unsere Denkkästen ebenfalls auf Standby stellen.

Videospiele ermöglichen es, interaktiv Geschichten zu erzählen

Leider orientieren sich Entwickler und Publisher von Kriegsspielen zu selten an Buchautoren oder Filmemachern, die ihre Rezipienten viel tiefer in ihre Geschichten hineinziehen. Dabei gibt es genug Filme, die vormachen, wie es geht. Sie schaffen es, dass sich der Zuschauer mit der Hauptfigur identifiziert und mit ihr mitfühlt, indem sie immer eine Grundhaltung erkennen lassen und eine Lektion für ihre Zuschauer bereithalten, die diese lernen sollen. Das macht ihre Arbeit wertvoll und unterscheidet sie von den häufig sensations- sowie kriegsgeilen Zeitungen und Fernsehanstalten.

Wenn weiterhin Spiele produziert werden, die den Krieg einfach nur als eine tolle Unterhaltung fürs Wohnzimmer darstellen ohne die Realität zu betrachten, in der Menschen gequält, erniedrigt und getötet werden, hat die Daily Mail vielleicht doch recht. "Es ist nur ein Spiel", das niemanden sich "unwohl" fühlen lassen soll, wie Crouts sagt, ist völlig falsch. Das ist das Schlimmste, das ich mir vorstellen kann. Krieg muss sich "uncomfortable" anfühlen! Sonst stumpfen wir alle ab. Kriege dürfen nicht zur Popcorn-Unterhaltung werden - auch nicht für die Spieleindustrie.

Zum Nachdenken anregen können auch Videospiele. RPGs wie Mass Effect, Oblivion oder Neverwinter Nights machen vor, wie spannende Geschichten erzählt werden und der Spieler gefordert wird, moralisch schwierige Entscheidungen zu treffen.

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