ArmA 2: Hohe Erwartungen und große Enttäuschung

(Special)

von David Lojewski (01. Juni 2009)

Mystische Stille herrscht, als wir die DVD des neuen Taktik-Shooters "Armed Assault 2" in den Händen hielten und in das Laufwerk legen. Schließlich handelt es sich hier um den inoffiziellen Nachfolger der legendären Militärsimulation "Operation Flashpoint" und um die offizielle Fortsetzung des bugverseuchten "Armed Assault". Die Erwartungen sind hoch.

Vor dem Release hat uns Publisher Peter Games bereits zweimal zu Presse-Events geladen, damit wir einen Eindruck vom Entwicklungsstand des Shooters bekamen (spieletipps berichtete: Vorschau 1, Vorschau 2). In der erste Alpha, die uns im Oktober letzten Jahres gezeigt wurde, konnten wir uns einen Eindruck vom Multiplayer-Part des Spiels machen. Ein unglaublicher Fahrzeugpark wartete darauf, ausprobiert zu werden, ein Commander-Modus lud zum Teamplay ein und schließlich sollten uns die Animationen vom Hocker hauen. Die Erwartungen waren hoch. Doch stattdessen mussten wir uns mit einer schwammigen Steuerung, häufigen Abstürzen und fiesen Clipping-Fehlern herumschlagen.

Beim zweiten Besuch im Frühjahr 2009 zeigte uns Bohemia Interactive dann eine Preview-Version, nahm uns mit auf eine Reise nach Chernarus-Russland und präsentierte uns die ersten Kapitel des umfangreichen Singleplayer-Modus. Besonderheit gegenüber den Vorgängern ist die interaktive Geschichte, in denen ihr den Ausgang durch bestimmte Aktionen und zahlreiche Nebenquests selbst bestimmt. Außerdem gab es noch eine Demonstration der Feuerkraft und der aufpolierten Optik. Die Erwartungen waren hoch.

Am 20. Mai 2009 dann die Meldung aus München: "Armed Assault 2 hat den Goldstatus erreicht", wir können das Spiel endlich auf unserem Testrechner installieren. Die Erwartungen waren hoch - und schon nach den ersten Spielminuten wird uns klar, dass Bohemia Interactive nichts aus den Fehlern des ersten Teils gelernt hat. Im Gegenteil, der Shooter hat Fehler an allen Ecken!

Das Hauptproblem ist ganz klar die Steuerung. Zwar wirbt Peter Games mit über 120 verschiedenen Fahrzeugtypen, doch haben die allesamt die gleiche Achillesverse - die Lenkung. Ein präzises Steuern durch das großflächige Spielgelände ist kaum möglich, da die schwammige Lenkung jede Fahrt unnötig erschwert. Besonders nervig ist das bei Hummers und anderen leichtgängigen Fahrzeugen. Ein Flug im Helikopter ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Obwohl ihr mit intensivem Training die Luftfahrzeuge mit Gamepad oder Joystick einigermaßen bändigen könnt, schauen Nutzer von Maus und Tastatur selbst nach zahlreichen Flugstunden immer noch in die Röhre. Die Steuerung ist hier einfach zu umständlich.

Das nächste Problem ist die Auftragserfüllung. Das Spiel bietet unterschiedliche Missionsziele, die ihr auch in beliebiger Reihenfolge abarbeiten könnt und die sich unterschiedlich auf den weiteren Spielverlauf auswirken. Schade nur, dass die Missionsvielfalt der artig groß ist, dass wir kaum Aufträge erledigen konnten. Das geht schon im Training los. Hier sollen wir mit einer Panzerfaust auf Zielobjekte feuern, nur um wenige Minuten später festzustellen, dass wir eines der Fahrzeuge gar nicht hätten zerstören dürfen, weil wir es noch zum Fahren benötigen. Jetzt steht uns ein unnötiger Fußmarsch bevor.

Ich sah viele Süden Unbekannt hier jetzt

Viele Missionen ließen sich auch dank der "überragenden" Mikro-KI nicht beenden. So sollten wir uns an einem Sammelpunkt mit Verstärkung treffen, doch die traf leider nie am vereinbarten Treffpunkt ein. Insgesamt war der Singleplayer-Modus also kaum spielbar, weil wir die Missionen nicht erfüllen konnten.

Zu diesen Hauptproblemen gesellen sich mehrere kleine Frustmomente. So kämpften wir während des gesamten Tests weniger mit Soldaten, als mit fehlenden Grafiken (von Bäumen oder Gesichtern) und immer noch vielen Clipping-Fehlern. Als die Grafiken einmal geladen waren, waren wir natürlich beeindruckt von der herausragenden Optik und den Detailreichtum. Doch leider zerstörte der Shooter dieses Bild immer wieder selbst. Ebenso nervig ist die deutsche Übersetzung. Während im Spiel die Sprachausgabe komplett in Englisch ist, dürfen sich deutsche Soldaten mit ärgerlichen Untertiteln wie: "Ich sah viele Süden Unbekannt hier jetzt" herumschlagen. Eine ordentliche Lokalisation sieht anders aus.

Auch der Mehrspieler-Modus bot sich uns nicht zum Testen an. Denn ein Netzwerkspiel ließ sich nur mit sehr viel Glück aufbauen, außerdem stürzte es häufig ab. An einen vernünftigen Test war hier nicht zu denken. Mangels hoher Spieleranzahl war auch ein Internet-Spiel nicht möglich, der Multiplayer Part wird deshalb an späterer Stelle von uns getestet.

Fazit

So lange kein finaler Patch vorhanden ist können wir nur zwei Dinge tun: 1. eine Wertung verweigern und 2. vom Kauf abraten. Wir haben uns gegen eine Wertung entschieden, da die aktuelle Version schlicht nicht fair testbar ist. Das ist umso ärgerlicher, da Entwickler Bohemia aufgrund von Teil 1 entsprechend vorbelastet ist. Wir können in dieser Form nur vom Kauf abraten. Arma 2 ist ein komplexes Spiel, das sicherlich schwer von Herstellerseite fehlerfrei auf den Markt zu bringen ist. Daher werden wir die nächsten Patches abwarten und weiterhin ein Auge auf den weiteren Verlauf werfen und hier entsprechend berichten. Einen Test reichen wir nach, sobald wir den Eindruck haben, dass das Spiel soweit ist.

Update: Beta Patch 1.01

Immerhin hat Bohemia Interactive bereits am Freitag einen ersten Beta-Patch für das Spiel veröffentlicht. Nach der Installation sind bei uns zumindest die fehlenden Texturen zurück gegangen und auch die KI orientierte sich ein wenig besser. Sogar einige Missionen konnten wir nun abschließen. Dennoch gibt es immer noch immense Probleme mit dem Spiel. Der zweite Patch steht schon in den Startlöchern und soll im Juni erscheinen. Hoffentlich bringt dieser dann mehr Verbesserungen. Spieletipps.de verzichtet deshalb an dieser Stelle auf eine Wertung, da das Spiel noch nicht in einer endgültigen Version vorliegt. Dennoch wollten wir euch mit diesem Special vor den Fehlern des Spiels in seiner jetzigen Version warnen, um mögliche Käufer zu informieren.

Update: Final Patch 1.02

Mittlerweile bemüht sich Bohemia Interactive mehr denn je um Schadensbegrenzung und veröffentlicht den zweiten großen Patch für die Militärsimulation. Wie schon der erste Bugflicker liegt der Fokus auf der Verbesserung der KI und der Performance. So beherrschen die computergesteuerten Soldaten nun eine bessere Wegfindung und rennen jetzt nicht mehr blind links durch Mauern oder suchen auch schon mal das Weite wenn ein Panzer auf sie zugefahren kommt. Vorher blieben sie wie angewurzelt stehen. Mit dem Patch lief das Spiel auf unserem Testrechner auch deutlich flüssiger und wir hatten weniger Abstürze im Multiplayer-Modus zu beklagen.

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