Virtua Tennis 2009 (Xbox 360)
Artikel veröffentlicht am 08.06.2009
Auch wenn Tennis im Fernsehen ohne Becker und Graf hierzulande nur noch ein Nischendasein führt, sind die Videospielumsetzungen des weißen Sports recht erfolgreich. Nachdem sich im letzten Jahr "Top Spin 3" als Weltranglistenerster durchsetzen konnte, wagt Sega nun mit "Virtua Tennis 2009" das Rebreak. Von Jan Höllger
Zwei-Satz-Sieg
Auch wenn es sich bei beiden Tennissimulationen um die gelbe Filzkugel dreht, könnten die Spiele kaum unterschiedlicher sein. "Virtua Tennis" kommt ganz klar aus dem Arcade- und Automatenbereich und ist allein schon deshalb deutlich einsteigerfreundlicher, wohingegen ein Top Spin 3 mit raffinierter Steuerung und Spieltiefe zu punkten weiß. Beide Serien können daher recht gut nebeneinander existieren, müssen sich aber stets weiterentwickeln, um nicht zu einem überflüssigen Lizenzupdate - vergleichbar mit der NHL-Reihe in den letzten Jahren - zu verkommen.
Was ist neu?
Diese Gefahr ist bei "Virtua Tennis 2009" Nachfolger von Virtua Tennis 3 schon gegeben, denn bei unseren Testmatches konnten wir nicht allzu viele Neuerungen oder Verbesserungen feststellen. Gerade bei den Schlagvarianten und den Ballwechseln fühlen wir uns sofort an den Vorgänger erinnert, bis auf eine neue etwas dynamischere Schulterkamera hat sich im Prinzip nichts geändert. Das ist in der Hinsicht nicht so schlimm, da die Ballwechsel schön flott ablaufen und die Spieler wie gewohnt mit allem Einsatz hinter jedem Ball herhechten wie Boris Becker in seinen besten Tagen. Doch das könnt ihr mit Teil 3 der Sportserie genauso haben.
0:40 für die Konkurrenz
Auch wenn "Virtua Tennis 2009" keinen so großen Wert auf Realismus legt, ist es für uns doch unverständlich, warum es im Spiel praktisch kein Aus gibt. Mit Ausnahme bei Angaben landete die Filzkugel in unseren Partien nicht ein einziges Mal im Netz oder abseits des Feldes, was ebenso unbefriedigend wie unrealistisch ist. Risikoschläge wie ein Top Spin 3 kennt Segas Filzkugeljagd immer noch nicht, sodass ihr im Grunde nach ein paar Sätzen die Steuerung absolut beherrscht und zwangsläufig in ein Motivationsloch fallt, zumindest wenn ihr nur gegen die KI spielt.
Doppelsieg?
Keine Frage, auch in der 2009er Ausgabe macht "Virtua Tennis" Spaß, gerade im Mehrspielerdoppel an einer Konsole oder online, doch mehr als ein zünftiges Arcade-Tennisspiel dürft ihr eben einfach nicht erwarten. Ein Top Spin 3 übertrifft Segas Titel mit Ausnahme der Einsteigerfreundlichkeit in allen Belangen. Recht kurzweilig ist immerhin abermals der Karrieremodus, in dem ihr euch von der Nummer 100 an die Weltranglistenspitze emporarbeiten müsst. Das gelingt durch Siege in diversen Turnieren, die leider größtenteils nicht lizenziert sind, oder durch Absolvieren witziger, auf Dauer aber eintönigen Minispielen und Trainingssessions. Gerade zu Beginn ist der Schwierigkeitsgrad in der Welttournee allerdings so was von einfach, dass erst nach ein paar Stunden wirkliche Motivation aufkommen mag.
Kein Grafik-Update
Mit Roger Federer und Rafa Nadal sind die derzeit wichtigsten Tennisspieler im Spiel lizenziert, insgesamt könnt ihr aus 23 echten Tennisspielern und -spielerinnen wählen, in der Tournee müsst ihr freilich einen eigenen Jungspund erstellen. Gegenüber den Originalspielern fallen die No-Names in Sachen Körperdetails stark ab, ohnehin wirkt die Grafik alles andere als frisch und für ein NextGen-Tennisspiel der zweiten Generation schon fast enttäuschend. Das fängt bei den langen Ladezeiten an, geht über undetaillierte Platzbeläge bis hin zu den Balljungen. Akustisch kann das Spiel ebenfalls keine Akzente setzen, sehr eigenartig erscheint uns neben der schrecklichen Musik vor allem der wilde Mix aus englischen und deutschen Ansagen des Schiedsrichters.
Fazit
von Jan Höllger
"Virtua Tennis 2009" tritt mir persönlich zu sehr auf der Stelle und geht letztlich fast den Weg eines klassischen Jahres-Updates von EA Sports. Die Neuerungen gegenüber dem Vorgänger sind sehr überschaubar und rechtfertigen im Grunde nur für die größten Serienfans den Neukauf, alle anderen können getrost beim billigeren "Virtua Tennis 3" bleiben. Habt ihr an den weißen Sport allerdings auch nur den Hauch eines Realismusanspruches, solltet ihr ganz klar auf das immer noch geniale "Top Spin 3" setzen, das gerade durch seinen Simulationsaspekt und somit die Langzeitmotivation punktet. Für das flotte Arcadespiel, vornehmlich im Mehrspielermodus, ist "Virtua Tennis 2009" aber eine spaßige, nur etwas zu teure, Alternative.
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