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Die Legende von Beowulf - Das Spiel (PC)

Artikel veröffentlicht am 18.11.2007

"Wird das Buch ein riesen Clou, floppt der Film dazu im Nu. Das Spiel zum Film wird um vieles schlimmer dann, sodass man's nur noch entsorgen kann. " Diese alte Binsenweisheit meiner Familie wurde von Generation zu Generation weitergegeben und behielt bis jetzt fast immer recht. Ob für "Die Legende von Beowulf" Gleiches gilt oder es Ubisoft gelungen ist diesen Teufelskreis zu durchbrechen, erfahrt ihr hier bei uns! Von Philipp Rauh

Die Imitation der Imitation.

Problem: Affen aus Tierpark entkommen.

In der Gamerszene sind Lizenzumsetzungen zu Filmen verschrien. "Lieblose Abzocke" murren die einen, "Bauernfängerei im großen Stil" klagen die anderen. Häufig beschränkt sich der Inhalt solcher Produkte auf eingestaubte Minispiele in einem mehr oder weniger neuen Gewand. "Die Legende von Beowulf" beinhaltet auch solche Spielchen bewegt sich aber immerhin fernab von einer penetranten Abarbeitung der Filmvorlage. Ganze 30 Lebensjahre des großen Beowulf spielt ihr im Game nach, die allesamt außerhalb der Filmhandlung liegen. Hier einen eigenen Weg zu gehen war anscheinend eine gute Wahl wenn man bedenkt, dass die Kritiker in "Beowulf - The Movie" einen "Langweiler auf ganzer Linie" sehen, während Befürworter verzweifelt: "Aber Angelina Jolie ist trotzdem hübsch! ", entgegen halten.

Bist du alt genug?

Und er sagte noch: "Ich bin direkt hinter dir!"

Um eines vorweg zu nehmen, "Die Legende von Beowulf" hat keine Jugendfreigabe in Deutschland erhalten. Warum? Blut fließt in rauen Mengen durch die virtuelle Welt der nordischen Germanen, böse Gegner werden in handliche Einzelteile zerlegt und aus dem Intro kann man eindeutig das Wort "Huren" heraushören. Für das frohe Schlachten gibt euch das Spiel aber relativ wenige Möglichkeiten. So könnt ihr zwischen einem leichten Angriff und einem Finishing-Move entscheiden oder den Gegner im Nahkampf-Modus bezwingen. Das ist sehr übersichtlich für einen Actiontitel, sieht aber gut aus! Gerade die schweren Attacken sind spektakulär in Szene gesetzt und spätestens wenn Beowulf nicht mehr nur mit seinen bloßen Händen sondern mit Waffengewalt seine Gegner malträtiert, geht der Spieler im Effektgewitter vor Staunen unter.

Wer mag spaßiges Tastenraten?

Soziale Kälte macht auch Beowulf zu schaffen.

Die Steuerung erweist sich als äußerst gewöhnungsbedürftig und so stellt sich beim Spieler direkt nach dem Start schnell Frust ein. Das Tutorial als solches ist ein schlechter Scherz der Entwickler, ohne das aufgeschlagene Handbuch in greifbarer Nähe bringt euch auch das dritte hieroglyphische Symbol für Packen nicht weiter. Und warum ich von dem Programm in das Nahkampfsystem "eingeführt" werde, indem ich gegen einen Endgegner mit bloßen Händen kämpfen muss, entzieht sich meiner Logik. Da leuchten goldene Pfeile auf, die drückt man brav aber das Spiel stellt sich bockig und reagiert einfach nicht darauf. Die "Prince of Persia"-Reihe löst die Problematik der Kampfsteuerung wesentlich besser, denn intuitiv sieht anders aus.

Geputzt. Geschliefen. Kaputt!

Nicht nur Mundgeruch macht einsam...

Die Programmierer scheinen sich das Sprichwort: "Die Feder siegt über das Schwert.", sehr zu Herzen genommen zu haben. Frisch vom Gegner gepflückte Waffen zerbrechen im Sekundentakt sobald sie auf hölzerne Schilde treffen. Eines scheint sicher, Germanen waren nicht in der Lage vernünftige Waffen zu schmieden. Besonders ärgerlich: Das Prügelmetall kann sich auch während einer Kombo in Luft auflösen, da schaut der Held dumm aus der Wäsche und geht Augenblicke später in einer Keilerei unter. Das ist traurig denn die Auswahl der Waffen ist sehr reichhaltig und geht von einhändig geführten Schwertern und Äxten über zweihändige Kriegshämmer und Speere, sowie legendäre Waffen, die etwas mehr Schaden als ihre gewöhnlichen Ausführungen anrichten.

Cholerischer Anführer

Den Strandausflug hatte er sich anders vorgestellt.

Obwohl es die meisten Action-Spieler gewohnt sind als abgebrühte Ein-Mann-Armee böse Buben zu vertrimmen, stellt euch "Die Legende von Beowulf" bis zu einem Dutzend bewaffnete und treue Soldaten zur Seite. Die helfen im Kampf und räumen ab und an ein Hindernis aus dem Weg, außerdem reagieren sie auf simple Befehle wie "Geht da hinüber!". Ein nettes Feature, das aber auch frustet, da man im Wüten-Modus gerne mal die eigenen Leute über den Jordan schickt. Beowulf verfällt in dieses Wüten wenn der Spieler oft genug auf die entsprechende Taste hämmert oder aber von Gegnern getroffen wird. Einmal aktiviert entwickelt er sich zu einem nahezu unbesiegbaren Übermenschen und teilt wesentlich kräftiger aus, macht aber dabei keinen Unterschied mehr zwischen Freund und Feind. Der Modus ist also mit Vorsicht zu genießen.

Ohne XP? Ohne mich!

Mutige Innenarchitektur.

Die Grafik ist durchaus auf der Höhe der Zeit und hübsch anzuschauen, auch wenn sie kein DirectX 10 unterstützt. Dafür sind die Settings der Levels gelungen und abwechslungsreich, wenn auch sehr performancelastig. Die Dialoge hingegen sind zwar meist gut gesprochen aber inhaltlich teilweise schwachsinnig. Entweder hat hier jemand kläglich versucht das angelsächsische Original ins Deutsche zu übersetzen oder aber der Schreiber von Ubisoft wollte sich auf diesem Weg für ein zu geringes Gehalt rächen. Der Soundtrack hingegen ist wieder stimmig und die Schlachtgeräusche sind atmosphärisch. Eine Warnung zum Schluss an alle Windows-Vista-User: "Die Legende von Beowulf" kämpft auf diesem System mit großen Schwierigkeiten, lässt sich häufig nicht starten oder stürzt nach kurzer Zeit ab. Wartet hier also auf einen Patch!

Fazit

von Philipp Rauh

Machen wir es kurz, ich weiß nicht ob ich wütend oder traurig sein soll. "Die Legende von Beowulf" hätte Potential gehabt! Wirklich! Endlich mal wieder ein Prügelspiel auf dem Rechner mit netter Grafik und ordentlicher Story, dachte ich jedenfalls. Von wegen, Ubisoft hat mich enttäuscht. Das Kombosystem wirkt unausgegoren und scheint eher Glück oder Zufall als Basis zu besitzen, jeden zweiten Gegner muss ich per Hand erschlagen, weil meine Waffe zerbröselt und wichtige, für die Spielmechanik entscheidende Elemente, erklärt mir das Spiel erst nach Stunden! Diese Fehler haben mir das Heldentum gründlich vermiest und erst wenn Ubisoft die Starrköpfigkeit des Spiels in Hinsicht auf die Tastenkombos per Patch verbessert hat, bin ich bereit abermals in die Fußstapfen des großen Beowulfs zu treten.

spieletipps meint: Prügeln und Klettern - die Belanglosigkeit des Films setzt sich im Spiel fort. Das hat dieses Genre nicht verdient.
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