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Black & White - Einzelspieler-Test (PC)

Artikel veröffentlicht am 20.04.2001

Zu den meist erwarteten und herbeigesehnten Spielen gehörte mit Sicherheit das vor kurzem erschienene "Black & White", mit dem die Entwicklerlegende Peter Molyneux sein Meisterwerk abliefern wollte. Wir wollten wissen, ob es den Entwicklern von Lionhead gelungen ist, das Spiel der Spiele zu erschaffen. Die Antwort erfahrt ihr in unserem Test. Von dietmar

Eine Göttersimulation - Das Spiel

Wunderbare Landschaft mit Regenbogen

Bei "Black & White" ist man ein Gott in der Welt von Eden, die aus fünf Inselgruppen besteht. Zu Beginn des Spieles beobachtet man eine Familie am Strand der ersten Inselwelt. Der Sohn des Ehepaars geht kurz darauf baden, obwohl er nicht schwimmen kann. Das Kind bemerkt auch nicht die drohende Gefahr der Haie, die zielsicher auf den kleinen Balg zuschwimmen um ihn zu verspeisen. Als Gott stehst du natürlich den entsetzten Eltern bei, und rettest ihr verloren geglaubtes Kind, indem du es in deiner Allmacht rechtzeitig aus den Fluten herausholst. Die glücklichen Eltern und ihr Volk glauben nun aus Dankbarkeit an dich. Aber du merkst bald, dass es in der Welt von Eden noch andere Götter gibt, die dich am liebsten für immer ausschalten möchten. Das Ziel des Spieles ist es, deine eigene Existenz zu sichern, indem du die Konkurrenten besiegst und dadurch der alleinige Gott dieser Welt wirst. Aber man kämpft in "Black & White" aber zu keinem Zeitpunkt direkt mit seinem Gegner.

Ein Genre übergreifendes Spielerlebnis

Ein grandioser Sonnenuntergang

So leicht die Rahmenhandlung und das Ziel von "Black & White" zu beschreiben ist, so schwer ist aber auch zu sagen, um was für ein Art von Spiel es sich dabei handelt. Es gab bis jetzt noch kein Genre-Mix, der sich aus so vielen Bereichen bediente wie das bei "Black & White" der Fall ist. In diesem Spiel findet man Elemente aus Aufbau- und Rollenspielen, Anleihen aus Echtzeit-Strategie-Spielen und Adventures, ja sogar Spielzüge aus Actionspielen. In diesem Sinne ist das Programm auf jeden Fall das Spiel der Spiele, das von daher eine Menge Abwechslung zu bieten hat. Trotzdem möchte ich versuchen, das Spiel in drei grobe Hauptteile aufzugliedern, aus denen man mit Leichtigkeit jeweils ein eigenes Spiel kreieren könnte. Anfangen möchte ich mit der "Tamagotchi"-ähnlichen Seite des Spieles, die vor allem Rollenspielfans ansprechen wird.

Der allmächtige Spieler und seine Kreatur

Kuhzilla gegen eine Bestie

Es geht dabei um die Aufzucht und Erziehung einer Kreatur, die im Laufe des Spiels vom riesenhaften Tierbaby zum gigantischen Titan heranwächst. Nachdem man in dem Dorf des besagten Ehepaars geholfen hat, einen Tempel zu errichten, erfährt man von einer Dorfbewohnerin von der Existenz der Kreaturen. Sobald man drei Portalsteine gefunden hat, öffnet sich ein Tor, durch das man zu den drei Kreaturen gelangt. Wenn man dann vor den drei Wesen steht, der Kuh, dem Affen und dem Tiger, muss man sich für eines der Wesen entscheiden. Hat man dann seine Wahl getroffen, ist es ratsam, sich die Figur zu seinem Stellvertreter heranzuziehen. Da die Kreatur eine eigenständige Persönlichkeit ist, die im Grunde selbstständig handelt und ihren eigenen Kopf hat, sollte sie ganz gezielt erzogen werden. Das geschieht durch Lob und Tadel. Findet man eine Handlung gut, lobt man sie durch Streicheln, will man dagegen in Zukunft eine ähnliche Handlung unterbinden, tadelt man sie durch Schläge.

Idyllisches Dorf - hier lässt es sich leben

Dadurch lernt der Titan, was er darf und was nicht. Zudem ist es möglich, der Kreatur ganz gezielt Fähigkeiten beizubringen oder sie zu beeinflussen, in dem sie in bestimmten Situationen an die Leine des Lernens, die Leine der Aggression oder an die Leine des Mitgefühls gelegt wird. Je nachdem, welches Wesen man sich erwählt hat, dauert es eine Weile, bis die Figur das Gewünschte erlernt hat. Eine Glühbirne zeigt dann an, dass sie etwas begriffen hat. Es liegt ganz in den Händen des Spielers wie schnell und in welche Richtung sich seine Kreatur entwickelt, je nachdem wie viel Zeit er sich für sie nimmt und was er lobt und tadelt. Wer seine Figur aber gut in den Griff bekommt ist dem Sieg schon greifbar nahe, wer sie dagegen zu sehr vernachlässigt kann böse Überraschungen erleben. Einer gut entwickelten Kreatur kann man im späteren Spielverlauf getrost die Versorgung seiner Gläubigen anvertrauen.

Die Gläubigen und die Kraft des Gebets

Wer hat Angst vor dem großen Wolf?

Der zweite Hauptbestandteil der interaktiven Göttersimulation, die Betreuung seiner Gläubigen, wird vor allem die Aufbau und Echtzeit-Strategie-Spieler ansprechen. Auch diesen Bereich des Spieles sollte man nicht vernachlässigen, da er auch entscheidenden Einfluss darauf hat, wie das Spiel verläuft und ausgeht. Kurz gesagt ist es so, je mehr Gläubige man hat, umso größer ist die eigene Macht und die Energie zum Zaubern. Deshalb ist es wichtig, dass man möglichst viele Menschen zum Beten im Tempel abstellen kann. Damit das möglich ist, sollte man einen gut funktionierenden Wirtschaftskreislauf aufbauen und möglichst viele Dörfer zu sich bekehren. Ein überlegtes und strategisches Vorgehen ist dabei die halbe Miete, während einen ein plumpes Draufloswerkeln nicht weit bringt. Gerade zur Bekehrung fremder Dörfer benötigt man wieder seine Kreatur, da außerhalb des eigenen Einflussgebietes man selbst als Gott nur eingeschränkt handlungsfähig ist.

Kampf der Götter oder der unliebsame Konkurrent

Römische Dörfer?

Der dritte Hauptbestandteil des Spieles, der vor allem Actionfans ansprechen wird, ist die Auseinandersetzung mit anderen Göttern. Da ist vor allem der machthungrige Gott Nemesis, der alle Gegner auslöschen möchte, also auch dich. Eine Auseinandersetzung mit ihm und den anderen Göttern ist unausweichlich. Die Existenz eines Gottes ist beendet, sobald er keine Anhänger mehr hat und nicht genügend Macht, um neue Gläubige zu gewinnen, besitzt. Damit man selbst nicht diesem Schicksal verfällt, sollte man schnellst möglich versuchen, sein eigenes Einflussgebiet zu erweitern. Je größer die Anzahl deiner Gläubigen ist, um so größer ist deine Macht. Dabei ist es dir völlig freigestellt, wie du vorgehst, ob du die Völker mit Liebe davon überzeugst, an dich zu glauben oder ob du ihnen das Fürchten lehrst, damit sie aus Angst vor deiner Macht deine Anhänger werden. Es liegt also in deiner Hand, ob du gut oder böse bist, für den Spielerfolg ist das völlig egal.

Independence Day in Eden

Um ein Volk zu bekehren, musst du nur beweisen, dass du mächtiger bist als deine ungeliebten Konkurrenten oder eben dass es ihnen wesentlich besser geht, wenn sie sich dir zuwenden. Die fremden Götter räumen allerdings nicht tatenlos das Feld. Deshalb ist ein Kampf nur eine Frage der Zeit. Da die Götter nicht direkt gegeneinander antreten, lassen sie ihre Kreaturen miteinander kämpfen. Dein Titan bewerkstelligt das zwar alleine, per Mausklick bestimmst du aber wohin er schlagen soll. Der entscheidende Faktor für den Sieg ist der Entwicklungsstand der Kreatur. Allerdings stirbt die unterlegene Figur nicht, sondern wird in den Tempel zurückversetzt, wo sie dann allerdings erst wieder genesen muss, und das fremde Dorf ist ebenfalls wieder verloren. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb es wichtig ist, dass man seine Kreatur rechtzeitig hegt und pflegt, denn wenn sie zu schwach ist, wird es kaum möglich sein, einen Kampf zu gewinnen. Also, du weißt nun was zu tun ist, mach dich ans Werk.

Fantastisches Aussehen dank göttlicher Grafik

Wunderbare Lichteffekte zeichnen das Spiel aus

Dank der exzellenten 3D-Engine von "Black & White" sieht das Spiel einfach göttlich aus. Besser kann man es zur Zeit wohl nicht machen. Die Inselwelten haben ein richtig romantisches Flair und das Spiel bietet sehenswerte Sonnenuntergänge. Die Bäume wiegen sich im Wind, Schmetterlinge flattern in der Landschaft umher und das Meer zeigt sich von der schönsten Seite, mit Lichtspiegelungen auf der Oberfläche. Die ganze Welt von "Black & White" ist einfach mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken, das man zuvor noch nicht gesehen hat. Dabei ist die Kamera jederzeit frei dreh- und zoombar, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Ein besonderer Augenschmaus ist die Darstellung der Kreaturen. Zudem sind ihre Animationen und auch die der Menschen einerseits äußerst putzig und trotzdem sehr lebensecht eingefangen. Mit einem Wort, grafisch gesehen ist das Spiel einfach erstklassig.

Himmlische Klänge

Sonnenuntergang am Meer - was kann es schöneres geben ...

Auch soundmäßig kann "Black & White" auf der ganzen Linie überzeugen. Alle Aktionen werden mit passenden Klängen vorbildlich untermalt. Wenn in der Nähe Vögel vorbeiziehen hört man z. B. ihr Gezwitscher oder wenn man seine Untertanen bei Feierlichkeiten im Tempel beobachtet, hört man Fan-Gesänge und hört rhythmisches Trommeln. Vorbildlich abgerundet wird das Ganze durch die ständig vorhandene Hintergrundmusik, die aus sphärischen Klängen besteht und zudem eine wohltuende Ruhe ausströmt, passend zu den meist idyllischen Landschaften. Weniger gut ist dagegen die gewöhnungsdürftige Steuerung ausgefallen, mit der ich Anfangs so meine Probleme hatte. Nach eingehender Übung habe ich die Maussteuerung dann aber in den Griff bekommen. Zum Glück gibt es aber auch sehr hilfreiche Tastaturbefehle, die das Ganze doch erheblich erleichtern. Zum Glück wird man wenigstens mit einem gut gemachten Tutorial in die Grundzüge der Bedienung eingeführt, alles weitere erfährt man im umfangreichen Handbuch.

Fazit

dietmar von dietmar

"Black & White" ist mit Sicherheit eines der Spiele, die in keiner Sammlung fehlen dürfen. Allerdings gab es bei der Bewertung des Spiels heiße Diskussionen. Dem einen macht das Spiel unheimlich Spaß, der andere könnte es nach kurzem Anspielen in die Ecke pfeffern. Doch nichtsdestotrotz hat das Spiel durch seine geniale Grafik und seinen einzigartigen Genre-Mix unseren Award verdient. Ob es dem einen nun gefällt oder nicht.

spieletipps meint: Abgedrehter, faszinierender Mix aus Aufbau- und Strategiespiel. Allein schon das Hochzüchten der putzigen Riesenkreatur ist genial und fesselnd!
90
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