USK-Abschaffung stößt auf Ablehnung

(Special)

von Jochen Gebauer (31. August 2009)

Ungewohnte Einigkeit unter den deutschen Parteien: CDU, SPD, Grüne und Linkspartei lehnen im Gespräch mit spieletipps die EA-Forderung nach einer USK-Abschaffung einhellig ab. Nur die Piraten sind bereit zum Entern.

Monika Griefahn, Sprecherin für Kultur und Medien der SPD-BundestagsfraktionMonika Griefahn, Sprecherin für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion

"Ein großer Rückschritt"

Einen besseren Termin hätte sich Gerhard Florin gar nicht aussuchen können. Pünktlich zur größten Spielemesse der Welt forderte der internationale Vertriebsleiter von Electronic Arts die Abschaffung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Gegenüber Spiegel Online sagte er: "Das ist Zensur, was wir hier machen, aber keiner beschwert sich." Markige Worte, denen Florian noch einen draufsetzte - statt der deutschen USK, so sein Vorschlag, solle in Zukunft das europäische PEGI-System angewandt werden. PEGI findet als Alterseinstufungssystem in nahezu ganz Europa Verwendung; nur Deutschland nutzt noch ein eigenes System - die USK.

Die Reaktion der Politik ließ nicht lange auf sich warten: "Eine Abschaffung des deutschen Kennzeichnungssystems wäre für uns ein großer Rückschritt", so die Bundestagsfraktion der Grünen auf Nachfrage von spieletipps. "Gäbe es in Zukunft nur noch den PEGI-Standard, würde das bedeuten, dass die Hersteller selbst künftig vorschlagen, welche Alterseinstufung ein Spiel bekommen soll. Hier sehen wir die Gefahr, dass Verkaufsinteressen Vorrang vor dem Jugendschutzgedanken erhalten."

Wolfgang Börnsen, kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-BundestagsfraktionWolfgang Börnsen, kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Das deutsche Vorbild

Auch Monika Griefahn, Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien im deutschen Bundestag, lehnt Florins Forderung kategorisch ab. "Die Forderung nach einer Abschaffung der USK ist nicht im Interesse eines effektiven Jugendmedienschutzes", so die Politikerin gegenüber spieletipps. Und fügt dann hinzu: "Auf europäischer Ebene wurde das deutsche Modell von Regierungen anderer EU-Länder als vorbildlich gelobt. Das nächste Ziel muss eine Erweiterung für Alterskennzeichnungen im Online-Bereich sein, für deren Realisierung die USK eine gute Institution ist."

Ganz ähnlich das Urteil von Wolfgang Börnsen, Kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: "Die USK leistet seit langem anerkannte Arbeit, ihre Alterskennzeichen sind bei Verbrauchern und Wirtschaft akzeptiert. Der Jugendschutz in Deutschland ist einer der besten in Europa, für viele andere Länder sind wir Vorbild." Allerdings betont Börnsen auch, dass man berechtigte Forderungen der Spieleindustrie ernst nehmen müsse. Deshalb bleibe er bei der gelegentlich aufflammenden Verbotsdiskussion um die so genannten Killerspiele auch "skeptisch" - eine eher ungewöhnliche Position in der CDU/CSU.

Entspannte USK

"Das ist an den Haaren herbeigezogen"

Sehr entspannt gab sich hingegen USK-Geschäftsführer Olaf Wolters in einem Telefon mit spieletipps. "Wir sehen das ganz gelassen. Ich glaube nicht, dass der deutsche Staat das mit sich machen lassen wird." Wolters äußerte zwar Verständnis für die Forderungen aus dem Ausland, gab allerdings zu bedenken, dass das deutsche USK-System schon länger existiere als die europäische PEGI-Norm: "Wir machen das schon doppelt so lange". Eine Annäherung von USK und PEGI - gerade im Online-Bereich - sei allerdings durchaus sinnvoll und mittelfristig sei auch gegen ein europaweit einheitliches System wenig einzuwenden. Allerdings müssten dabei kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Während in Deutschland beispielsweise Nazi-Symbolik in Computer- und Videospielen verboten ist, erhalten sämtliche Kartenspiele in Griechenland keine Jugendfreigabe - dort sorgt man sich in diesem Zusammenhang um die Glücksspiel-Problematik.

Auch den Zensur-Vorwurf kann Wolters nicht nachvollziehen: "Das ist an den Haaren herbeigezogen. Da muss man die Kirche im Dorf lassen". Schließlich zwinge die USK ja niemanden, sein Spiel zu verändern. Man müsse sich in Deutschland lediglich an bestehende gesetzliche und strafrechtliche Vorgaben halten - wie das auch in anderen Ländern an der Tagesordnung sei. "In den USA darf man beispielsweise keine nackte Brust zeigen, wenn man eine Jugendfreigabe bekommen möchte."

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