SWAT 4 - The Stetchkov Syndicate (PC)
Artikel veröffentlicht am 02.03.2006
Ein knappes Jahr ist es her, seit Sierra Games im April der vergangenen Jahres die durch seine Atmosphäre und tolle Bedienung beeindruckende Taktik-Simulation "SWAT4" auf den Markt brachte. Trotz einiger kleinerer Schwächen hatte es der Titel geschafft, zu überzeugen. Nun ist mit "The Stechkov Syndicate" das erste Add-On erschienen. Grund genug für uns, wieder Kampfanzug und Kevlar-Weste anzuziehen und uns mit den Übeltätern unserer Tage zu messen. Wie "The Stechkov Syndicate" dabei abgeschnitten hat, erfahrt ihr in unserem Artikel. Von Daniel Frick
Story und Levels
Beim "SWAT-Club" gibt's neues: In der nicht näher bezeichneten US-Großstadt macht sich die Russen-Mafia breit. Mit gnadenloser Härte drängt sich das Stetchkov Syndikat in die ohnehin schon kriminelle (Spiele)welt. Weder Drogen noch Bandenkriege mit der Konkurrenz sind tabu: Klare Sache! Das SWAT-Team muß wieder ran.Am eigentlichen Spielprinzip hat sich nichts geändert. Wieder steuert man ein fünfköpfiges Eliteteam der Polizei, um Geiselnahmen, Schiessereien und Überfälle möglichst unblutig zu beenden. Insgesamt 7 neue Levels, die es wie der Vorgänger vom Schwierigkeitsgrad in sich habenn (4 Stufen sind möglich), gilt es zu absolvieren. Der Spieletitel lässt für das Add-On eine richtige Story vermuten. Doch Fehlanzeige. Der namensgebende Stechkov-Clan taucht nur in den letzten 3 Levels auf und das nicht einmal in zusammenhängender Art und Weise. Hier hätte man mit einigen kleinen Videos und entsprechendem Drehbuch noch einiges mehr aus dem Szenario herausholen können. So gilt es stattdessen als Anführer der Spezialeinheit militante Farmer mit Knarren aus dem Landwirtschaftsministerium zu bugsieren, ein Drogenlabor hochzunehmen und die Bewohner eines Veteranenheimes vor Fanatikern zu beschützen. Im Gesamten sind die Levels wieder liebevoll und lebensecht in Szene gesetzt. Allerdings zeigen sich zum Teil inhaltliche Parallelen zu den Szenarien des Hauptprogramms. So gilt es zum Beispiel eine Rockband vor fanatischen Satanisten-Gegener zu beschützen, im Hauptprogramm gab es eine Schiesserei in einer Disco, die ganz ähnlich daherkam.
Neuigkeiten im Add-On
Neben der 7 neuen Missionen, die vom Umfang her je nach Schwierigkeitsstufe einem Taktik-Shooter-Profi maximal 20 Stunden abverlangen sollten, gibt's noch die üblichen Neuerungen, allem voran neue Items. Diese sind jedoch nicht von Anfang an zugänglich, sondern müssen durch das Bestehen der Levels freigeschaltet werden. Die neu erhältlichen Waffen und Ausrüstungsgegenstände sind mehr oder weniger nützlich. Das Nachtsichtgerät leistet im Landwirtschaftsministerium gute Dienste und auch das Scharfschützengewehr kann bei ein oder zwei Missionen gebraucht werden. Weniger nützlich sind die beiden neuen Waffen (zu wenig erkennbare Unterschiede), die phosphoriszierenden Leuchtfackeln und der Granatwerfer für Gasgranaten. Den meisten Nutzen hat allerdings das neue Elektroschocker-Gewehr, das neu über 2 Schuss verfügt und außerdem über eine längere Distanz sehr effizient eingesetzt werden kann. Nach der Möglichkeit von Nahkampfangriffen (ebenfalls sehr nützlich auf kurze Distanz) und dem verzögerten Auslösen eines Befehls an die beiden 2 Mann-Einheiten erschöpfen sich die Innovationen aber schon. Unerfreulich die KI. Hier scheint sich der Status Quo aus nicht nachvollziehbaren Gründen verschlechtert zu haben. Während sich die beiden 2 Mann-Einheiten teilweise noch dämlicher als im Hauptprogramm anstellen und zum Teil auf gegebene Befehle gar nicht reagieren, ist die KI der Gegner manchmal ein Glücksspiel: Bei einem Mal fällt man getroffen zu Boden, kaum hat man seine nase um eine Ecke gesteckt, ein anderen Mal kann man locker zu einem Gegner laufen und ihn mit einem gezielten Tritt ausschalten. Das war im Hauptprogramm besser umgesetzt.
Bedienung
Bei der technischen Umsetzung enttäuscht vor allen Dingen die Grafik. Nicht dass sie schlecht wäre, auch wenn die unveränderte Grafikengine vor einem Jahr noch beeindruckender aussah. Inzwischen war "F.E.A.R.". Besonders enttäuschend ist außerdem, dass scheinbar zum Teil sogar die gleichen Texturen benutzt wurden, die Spielautomaten in einer Spielhölle kamen mir jedenfalls ungeheuer bekannt vor. Das Design der Levels dagegen ist solide und atmosphärisch dicht, wie schon oben beschrieben. Die Steuerung ist unverändert spitzenklasse und auch bei Sound und Musik kann man nicht klagen: Zynische Sticheleien unter den Kollegen, Machosprüche mit russischem Akzent bei den Stechkovs, da gibt es nix zu bemängeln. Zwischenspeichern ist wie im Hauptprogramm nicht möglich, würde dem Spiel aber vermutlich auch den Reiz der Herausforderung nehmen und ist daher eher löblich. Ohnehin kann man sein Können mit den 4 Schwierigkeitsstufen anpassen. Der Multiplayer-Modus hat neu einen Mod à la "Capture the Flag" erhalten, zudem können die 7 Levels aus dem Singleplayer-Modus von 10 Online-Spielern gespielt werden.
Fazit
von Daniel Frick
Der namensgebende Stechkov-Klan hätte dem soliden Add-On neues Leben einhauchen können, hätte man das Szenario mit einem ordentlichen Drehbuch (und wahrscheinlich relativ wenig zusätzlichem Aufwand) aufgepeppt. So stehen 7 zusammenhanglose aber lebendige neue Einzelmissionen zur Verfügung, die jedem, der das Hauptspiel mochte, neue Herausforderungen geben. Zu entzückten Schreien wird sich dabei wohl kaum einer hinreissen lassen, dennoch: Eine Enttäuschung kann man "The Stechkov Syndicate" bei weitem auch nicht nennen. Sie entschuldigen: Ich muss jetzt den Stechkovs endgültig in der letzten Mission das Handwerk legen.
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