Test Risen: Phönix aus der Gothic-3-Asche

von Daniel Frick (02. Oktober 2009)

"Risen" ist endlich da. Und mit Spannung erwartet, schließlich sorgte der unrühmlichen Quasi-Vorgänger "Gothic 3" für viel Aufruhr. Im Streit hatte Entwickler Piranha Bytes die Schuld für die vielen Bugs der von Publisher Jowood verantworteten zu frühen Veröffentlichung zugewiesen. Und so fragt man sich jetzt natürlich nicht nur, ob "Risen" ein gutes Spiel geworden ist - sondern auch, ob es wieder buggeplagt ist.

Ehm... Minecrawler? Irgendwie kommen die uns bekannt vor...Ehm... Minecrawler? Irgendwie kommen die uns bekannt vor...

Déjà-vu à la Rollenspiel

Gothic hat dem Genre neue Impulse gegeben und vor allen Dingen durch die kantigen Charaktere und deren Eigenheiten in der offenen Spielwelt besonders deutschsprachige Rollenspielfreunde begeistert. Diese ganz eigene Spielatmosphäre war auch in Gothic 3 erkennbar, aber von so zahlreichen technischen Problemen dermaßen stark überlagert, dass nicht Begeisterung, sondern Frust das Spielen beherrschte. Eines vorweg: Diese unrühmliche Historie kann Piranha Bytes mit "Risen" endgültig vergessen machen. Es ist wieder da, das alte "Gothic-Feeling", wenn auch inzwischen etwas mit nostalgischen Gefühlen verstaubt.

Doch eines nach dem anderen, Helden werden schließlich nicht geboren, sondern müssen sich entwickeln. So wie der erneut namenlose Held, der nach Schiffbruch an Land gespült unser Alter Ego verkörpert. Mit nackten Fäusten und Robinson-Crusoe-Outfit schickt er sich an, das Rätsel um mysteriöse Tempelruinen zu lösen. Und auch das kommt Die Nacht des Raben-Veteranen irgendwie sehr vertraut vor. Dass auch bei der Geschichte Elemente aus den Quasi-Vorgängern übernommen wurden, muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Fakt ist dennoch: Die Rahmenhandlung von "Risen" kommt nur schwer in die Gänge und bleibt auch gegen Ende, wenn die Spannung steigt, recht blutleer. Es sind andere Dinge, die einen ins Spiel ziehen und bei der Stange halten.

Auch als Bogenschütze kann man sich wieder betätigen.Auch als Bogenschütze kann man sich wieder betätigen.

Dynamisches Kämpfen in drei Disziplinen

Doch abseits aller Kritik über die wenigen Neuerungen: Wie spielt sich "Risen" nun eigentlich? Beim Kampfsystem beginnt ihr mit simplen Manövern. Mit Linksklick greift ihr an, mit Rechtsklick wird geblockt. Doch was einfach klingt und ebenfalls an den letzten Gothic-Teil erinnert, ist auf den zweiten Blick herausfordernder, als man denkt. Mit brachialen Klick-Orgien wie in Götterdämmerung findet ihr euch schon bei den ersten Gegnern schnell im Inselsand wieder. Das Zauberwort heißt Timing. Angriffe der Gegner abwarten, blocken oder ausweichen und dann kontern verschafft euch bald die ersten Monsterskalps. Mit zunehmendem Spielverlauf könnt ihr weitere, komplexere Angriffsmanöver erlernen und miteinander kombinieren.

So nimmt die Herausforderung, aber auch der Spaß und die Motivation am Kämpfen zu, auch wenn die Animationen in den Gefechten deutlich schwächeln und einen weiteren Strich auf der Liste "Nicht ganz zeitgemäße Spielelemente" hinterlassen. Beim Charaktersystem hat Piranha Bytes ebenfalls das bewährte Prinzip aus den Gothic-Spielen übernommen: Für Levelaufstiege erhaltet ihr Lernpunkte, die ihr dann bei Lehrern in neue oder bessere Fähigkeiten im Schwertkampf, Bogenschießen oder Zaubern investiert. Innerhalb dieser drei Disziplinen könnt ihr frei entscheiden, wie ihr die Lernpunkte verteilt und so ein gewisses Maß an Individualisierung erreichen. Die ist optisch hingegen leider gar nicht möglich: Ihr startet mit dem vorgefertigten, namenlosen Charakter, der von einem gewissen Michael Scofield aus der US-Serie "Prison Break" inspiriert zu sein scheint.

Charaktere wie der charismatische Carlos verbreiten "Gothic-Flair".Charaktere wie der charismatische Carlos verbreiten "Gothic-Flair".

Veteranen ohne Innovationswünsche bevorzugt

Wer die Gothic-Reihe kennt und liebt, wird sich freuen zu hören, dass am eigentlichen Spielprinzip nichts verändert wurde. Sofort fühlt man sich "zu Hause", egal ob es die Tastaturbelegung für Charakterblatt und Inventar ist, das grundlegende Design der Spielwelt oder zahlreiche Kleinigkeiten, die nostalgische Gefühle wecken. Leider hat auch das seine Kehrseite. Um genau zu sein, gleich mehrere. Spieler, die die Gothic-Reihe nicht kennen, fühlen sich recht wenig an die Hand genommen, die nur schwer Fahrt aufnehmende Geschichte und die offene Spielwelt verstärkt das Gefühl der Verlorenheit zu Beginn noch etwas. Auf der anderen Seite kann man auch darüber streiten, wie viel Veränderung und neue Ideen einer Spielserie gut tun. Die kantigen Charaktere mit ihren locker-flockigen Sprüchen und das Verwischen der Gut-Böse-Klischees beim Missionsdesign sind jedenfalls bewährte "Zutaten", die abgesehen von The Witcher bisher niemand so hingekriegt hat. Und genau diese Elemente haben einen erheblichen Anteil daran, dass das Spiel trotz wenig Innovationen jede Menge Charme ausstrahlt.

Bei aller Liebe zur Nostalgie, sie hat den Nachteil, dass es dann doch recht staubig zugehen kann. Und genau das ist der Eindruck, den "Risen" eben auch hervorruft: Macht immer noch Spaß, gab es aber in sehr ähnlicher Form auch schon mehrmals. Wo ist das Neue, das den Spieler zum Staunen bringt, ihn in der Spielwelt versinken lässt? "Risen" ist wie ein gemütlicher Abend mit einem guten alten Freund, den man eine Weile nicht gesehen hat. Doch neue Bekanntschaften haben auch ihren Reiz, und erste Dates sind deshalb so besonders, weil sie prickeln und kribbeln.

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