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James Cameron's Avatar (PS3)
Artikel veröffentlicht am 31.10.2009
Ein weiteres Lizenz-Spiel, ein weiterer Flopp? James Cameron's Avatar ist zwar tatsächlich das Spiel zum fast gleichnamigen Film, allerdings gibt es hier merkliche Unterschiede zu anderen Lizenz-Titeln. Ubisoft hat es nämlich geschafft, diesem Spiel eine Seele zu verleihen.
Wunderprächtig
Die Macher von Prince of Persia oder Far Cry 2 haben bereits echte Blockbuster veröffentlicht, nun werkelten sie zwei Jahre an Avatar. In Hamburg verriert uns Animation-Director Brent George, dass Ubisoft sehr eng mit dem Filmteam und Regie-Legende James Cameron höchstpersönlich zusammen arbeitete.
Schon während den ersten Sekunden im Spiel wird eines überdeutlich: die Grafik ist wunderschön. Die Konsolen werden zwar weiterhin nicht ausgereizt, aber der dschungelähnliche Planet Pandora überwältigt mit großartigen Texturen, einer weitläufigen Sicht und atemberaubenden Details. Hier ist bereits der erste Unterschied zu anderem Lizenz-Müll zu erkennen. Avatar hebt sich jedoch noch anderweitig ab: Mit der richtigen Hardware könnt ihr das komplette Spiel in 3D erleben.
Rollenspiel für Arme?
Aus der bekannten 3rd-Person-Sicht ballern wir uns durch fabelhafte Wesen und skurrile Landschaften. Doch schon bald offenbart Avatar erste interessante Ansätze. Durchs Töten oder Zerstören erhalten wir Erfahrungspunkte und können damit unseren Charakter verbessern. Ein Vergleich zu typischen Rollenspielen ist jedoch nicht angebracht, da dieses System hier weit oberflächlicher ist. Wir können unsere Waffen modifizieren oder unsere Rüstung stärken. Ein paar Spezial-Fähigkeiten kommen hinzu. Unsichtbarkeit, Artillerie-Schlag, Gegner wegschleudern. Auch das kann verbessert werden. Komplex, kompliziert oder umfangreich sieht hingegen anders aus.
Die Parallelen zu einem klassischen Rollenspiel werden mit den Quests hingegen etwas deutlicher. Die Welt ist zwar nicht komplett offen, doch dem Open-World-Feeling sehr nahe. In einer Hauptquest-Reihe erledigen wir verschiedenste Aufgaben, bekommen dafür Erfahrungspunkte und können sie in Belohnungen und Verbesserungen investieren. Nebenbei sind optionale Side-Quests verfügbar, die ihr auch nach dem Verlassen der 16 Maps abschließen könnt.
Ballern ohne Verstand
Die Verbesserungen werden in einem Extra-Menü aufgerufen. Durch das Erreichen einer bestimmten Erfahrungs-Grenze schaltet ihr neue Waffen frei. Welche das sind? Keine Ahnung, das sehen wir erst, wenn sie letztlich freigeschaltet sind. Uns stehen vier Waffenslots zur Verfügung, die uns einen schnellen Zugriff per Knopfdruck ermöglichen. Hier ist Taktik gefragt, denn bei einigen Gegner benötigen wir schnell und einfach die Schrotflinte. Zusätzlich können wir jede Waffe modifizieren, allerdings beschränkt sich das teilweise nur auf eine erhöhte Reichweite oder ein größeres Magazin. Besonders neuartige Waffen wie in Fallout 3 gibt es auch nicht.
Dieses System der Verbesserungen dient wohl dazu, von der stupiden Ballerei abzulenken. Während wir zu Beginn fast nur Militär-Camps beschützen und wahllos die Tiere Pandoras erledigen, kommen ab und zu ein paar größere Wesen hinzu. Dann wird es noch stupider: ein wirklich großes und wunderschönes Viech greift uns an, inklusive Hammerhai-Kopf. Jetzt müsst ihr immer dann ausweichen, wenn das Tier auf euch zuläuft. Dazwischen, danach oder wann immer ihr Zeit habt, ballert ihr gradlinig auf das Viech. Zu keinem Zeitpunkt können uns diese "Bosskämpfe" beeindrucken, geschweige denn fordern.
Weitreichende Entscheidungen
Die Story ist schnell erklärt: Die gierigen Menschen kommen auf den außerirdischen Planeten Pandora, da dort ein paar wertvolle Ressourcen zu finden sind. Die Einwohner von Pandora, die Na'vi, sind selbstredend nicht begeistert. Ein gewaltiger Krieg droht auszubrechen. Wir übernehmen zunächst einen Soldaten der Menschen. Doch schon zu Beginn wird unser Geist in den Körper eines großen und bläulichen Na'vi gesteckt. Die sind weit agiler, nutzen jedoch primitiviere Waffen. Gelegentlich tauschen wir in einigen Quests noch ein oder zwei Mal den Körper, bevor dann der Zeitpunkt der Entscheidung kommt.
Na'vi oder Soldat? Diese Entscheidung wird nicht nur die Story beeinflussen, sondern auch eure komplette Taktik verändern. Als Einheimischer seid ihr ein Nahkämpfer, schleicht euch an und ballert mit eurem Bogen auf die unwillkommenen Gäste. Die Menschen hingegen sind ein wenig technischer orientiert, nutzen moderne Waffen oder gar Mechs. Die Na'vi hingegen reiten auf ihren fantastischen Wesen durch die Lüfte. Als bläulicher Krieger ändert sich zwar euer Vorgehen, die schwache Kameraführung hingegen verhindert oftmals leises Snipen mit dem surrenden Bogen im Dickicht: Stellenweise ist der Winkel wirklich unbrauchbar. Wir hören das Rattern eines Maschinengewehres, wissen allerdings nicht, woher es kommt. Das nennt man wohl mit den Ohren sehen.
Durchwachsene Inszenierung
Die Geschichte spielt übrigens nicht vor dem Film. Es ist ein paralleles Abenteuer zum neusten Werk von Regisseur James Cameron. Teilweise wird der Spieler sogar Orte im Kino wiederentdecken. Die Inszenierung im Spiel lässt allerdings nur müdes Gähnen zu. Die Zwischensequenzen sind wegen der schönen Landschaften angenehm anzuschauen, aber wenn es ins Detail der Gesichter geht, verfliegt die Begeisterung wie die Na'vi auf ihren Flugtieren. Die Charaktere bewegen sich zum Teil sehr steif und wirken absolut künstlich. Dazu haben die Synchronsprecher ihre monotone Phase und bringen die Sätze sehr emotionslos heraus.
von Jannick Gänger, 31.10.2009, 14:41 Uhr
Eigene Meinung:
Klar, James Cameron's Avatar ist mit keinem der schlechten Lizenz-Spiele vergleichbar. Zu gut ist die Grafik, zu solide das Gameplay. Auch die Ansätze des Rollenspiels kommen zur Geltung und beweisen, dass hier ein erfahrenes Team am Werk war. Allerdings bleibt abzuwarten, wie weitreichend die Entscheidung zwischen den Fraktionen wirklich ist. Leider kann mich auch die Story nicht mitreißen. Dramaturgie, Humor, moralische Konflikte? Nein. Und selbst wenn: Die gelangweilten Sprecher und die schwachen Charakter-Modelle sorgen für Dämpfer. Wenn die fertige Version jedoch mehr Abwechslung bietet, fordernde Kämpfe bereithält und sich das Verbesserungs-System entfalten kann, kann dieses Lizenz-Spiel durchaus richtig gut werden..
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