Machinarium (PC)
Artikel veröffentlicht am 03.11.2009
Ein kleiner stummer Roboter landet auf einem trostlosen Planeten voller Schrott und muss sich gegen große stumme Roboter wehren, die den ganzen Schrott in die Luft jagen wollen. Muss uns das interessieren, vielleicht sogar Spaß machen? Wir werden sehen, denn bekanntlich liegen die besonders wertvollen Dinge oft im Dreck. Von Andreas Hecken
Aschenputzig
Im krassen Gegensatz zur edlen Hochglanzverpackung mit der üppigen Zugabe von Poster, Soundtrack-CD und Bonusspiel "Samorost 2" bietet "Machinarium" selbst eine ausgesprochen triste Kulisse. Josef, unser Robo-Held, wird in Einzelteilen auf einem Planeten abgeladen, der aus nicht näher erklärten Gründen als Müllhalde dient und ausschließlich von Maschinen bewohnt ist. Nachdem Josef sich wieder zusammengesetzt hat, erschleicht er sich den Zugang zu Machinarium City, um dort allerlei Abenteuer zu bestehen. Er spielt "Space Invaders", besorgt einer Wasserpumpenzange Tanzmusik und befreit seine große Liebe.
Wer ein realistisches Adventure mit forensischen Ermittlungen oder langen Dialogen sucht, braucht eigentlich gar nicht weiter zu lesen. Für diejenigen, die auf hintergründigen Humor oder skurille Charaktere stehen und die leisen Töne bevorzugen, ist "Machinarium" genau das Richtige. Wem die früheren Spiele von Daedalic (etwa Edna bricht aus) gefallen haben, der weiß sowieso, was ihn erwartet.
Rostkäppchen
Die allerersten Schritte werden noch mit kurzen Hilfetexten begleitet, aber eigentlich kommt jeder auf Anhieb mit der Steuerung zurecht, selbst wenn er ein achtjähriger Computerneuling ist. Bis auf kleine, völlig unverständliche Abzüge wie das umständliche Ablegen nicht gebrauchter Gegenstände oder die Tatsache, dass nur Dinge erkennbar und benutzbar sind, die sich in unmittelbarer Umgebung von Josef befinden, ist die Bedienung genretypisch simpel gehalten. Besonders gelungen sind die Animationen beim Aufnehmen von Fundstücken, die der Held nicht einsteckt, sondern verschluckt. Auch bereits verwendete Teile werden hübsch und abwechslungsreich entsorgt.
Grafisch ist "Machinarium" ebenso gelungen wie das bereits jetzt Kultstatus genießende The Whispered World, besitzt aber seinen ganz eigenen Stil. Die von Hand gezeichneten Hintergründe mit kleinen, witzigen Details an jeder Ecke sind ja schon Standard bei Spielen aus dem Hause Daedalic.
Rumpelplätzchen
Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ist herausfordernd, aber immer zu schaffen und durch die unterschiedlichen Themen niemals langweilig. Es gibt eine Art Sokoban World oder "Vier gewinnt", aber auch Kombinationsrätsel oder Schiebepuzzle. Ein Beispiel: Um einer dreiköpfigen Band die gestohlenen Instrumente zurück zu bringen, müsst ihr unter anderem einen Fliegenfänger aus einer Bar holen. Das damit im nahegelegenen Abwasserrohr erbeutete Ungeziefer wird benutzt, um den Wirt davon abzulenken, dass man ihm ein leeres Ölfass klaut. Fertig ist die Trommel. Wenn die komplette Truppe dann groovige Drum'n'Bass-Rhythmen anstimmt und Josef dazu die Edelstahlhüften schwingt, ist das ganz großes Kino.
Tischlein, verdreck dich
Die Musik ist, wie immer, Geschmacksache, aber lässt sich mindestens als Hintergrundgedudel ertragen. Wer allerdings synthetische Klänge mag, bekommt eine brilliante Untermalung, die perfekt in das Szenario passt und wird die mitgelieferte Soundtrack-CD schnell auch für andere Gelegenheiten zu schätzen lernen.
Passend zum Easy-listening-Sound gibt es sozusagen die Easy-playing-Hilfe: Ihr könnt euch in jedem neuen Bildschirm-Abschnitt einen kleinen Tipp per Gedankenblase geben lassen oder durch ein Minispiel die Komplettlösung in Comic-Form freischalten.
Fazit
von Andreas Hecken
In einer Bonbonwerbung hieß es mal, zuerst wäre es etwas schwierig, die glänzende Verpackung zu öffnen, aber dann wäre der Genuss umso größer. Genau so erging es mir mit "Machinarium". In einer edlen Hülle steckt eines der anrührendsten und liebevollsten Computerspiele, die ich seit langem im Laufwerk hatte. Die Figuren von Daedalic haben immer ihren eigenen Charme, aber Josef ist mir besonders ans Herz gewachsen. Die Rätsel sind originell und fordernd, aber immer fair und die Figuren trotz oder gerade wegen ihrer schlichten Animationen einfach umwerfend. Schade nur, das der Akku des kleinen Kerls auf nur rund vier bis fünf Stunden Spielzeit ausgelegt ist.

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