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Browsergames rocken das Netz (Online)
Artikel veröffentlicht am 02.11.2009
Klein-Browsergame wurde in der Schule immer gehänselt. Als Langweiler und Hackfresse haben ihn die älteren Spielebrüder beschimpft. Die Zeit des Mobbings ist allerdings längst vorbei und aus Klein-B ist ein richtiges Muskelpaket geworden. Wir zeigen euch, warum Browserspiele so populär sind.
Bitte anschnallen, die Reise beginnt
Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise durch das Internet. Doch zuerst klären wir einmal, was ein Browserspiel überhaupt ist. Browsergames sind Online-Spiele, für die der Nutzer ausschließlich einen Browser benötigt, etwa den Internet Explorer. Punkt, Ende, Aus. Über die Zeit verwässerte der Begriff jedoch immer mehr, so dass auch die so genannten Plugin-Games, die Flash, Java oder Shockwave benötigen, in die Kategorie aufgenommen wurden.
Doch bevor wir zu technisch werden, lasst uns gemeinsam in die Spieletipps-Zeitmaschine springen und einen Rückblick auf die Entwicklung der Browserspiele in den vergangenen 14 Jahren wagen. Fasten your Seatbelts, wir reisen mit Lichtgeschwindigkeit!
Back in 1995
Wir schreiben das Jahr 1995, die ersten Castor-Behälter erreichen Gorleben, Windows 95 wird gerade vermarktet und ganz nebenbei erblickt das erste Multiplayer-Browserspiel SOL das Licht der digitalen Welt. Zuerst als Zwei-Spieler-Variante von Dune 2 geplant, entsteht dank der neuen Möglichkeiten des Internet Explorers aus SOL ein richtiges Strategie-MMO mit tausenden Nutzern. Das Prinzip von SOL dürfte jedem Browsergamer bekannt vorkommen: Ausbaubare Planeten, lukrative Handels- und Wirtschaftsabläufe und jede Menge Krieg. Zugegeben, das in Hamburg entwickelte SOL ist nicht das erste Browsergame der Welt. Es ist allerdings das erste Spiel, das sowohl in einer dauerhaft bestehenden Welt spielt, eine grafische Ausgabe hat, massiv-mehrspielerfähig ist und über den Browser gesteuert wird.
Fast alle darauf folgenden Browserspiele bauen auf diesem Konzept auf. Ein weiterer bekannter Vorreiter: Der Fußball-Manager Hattrick, der mit knapp einer Million aktiven Spielern noch heute eines der erfolgreichsten Online-Games überhaupt ist.
Die ersten Dauerbrenner
Nach dem beachtlichen Erfolg der ersten Browsergames sprossen fast täglich neue Projekte aus dem virtuellen Boden. Überwiegend laienhaft programmiert, mit langweiligen und eintönigen Ideen, dazu noch schlecht vermarktet, konnten nur die wenigsten Browserspiele der zweiten Generation eine größere Gemeinschaft an sich binden. Bedauerlicherweise klebt dieses veraltete Image nach wie vor an der Szene wie eingetretenes Kaugummi.
Doch einige wenige Spiele brachten mit neuen Ideen und innovativem Spielprinzip Frischluft in die Welt der browserbasierten Online-Spiele und sicherten sich frühzeitig einen Platz in den Analen der Internet-Geschichte. Die Weiterentwicklung der meist öden text- und zahlenlastigen Games hin zu wahren Dauerbrennern fand zu einem Großteil in Deutschland statt. Strategie-Browsergames wie Die Stämme und OGame prägen seit Anfang des Jahrzehnts die Szene.
Wir verdienen pro User zwei- bis dreimal mehr als Blizzard pro WoW-Spieler.
Wo viele Nutzer, da viel Taschengeld, dachte sich so mancher Anbieter und kaum hatte man sich versehen, gab es erst schleichend, dann fast überall präsent die so genannten optionalen Premium Accounts beziehungsweise Premium Items. Vorreiter in diesem Bereich sind klar die großen Browsergame-Publisher Bigpoint und Gameforge, die mit dem dadurch entstandenen Kapital nicht nur ihre Miete, sondern auch haufenweise neue Spiele finanzieren konnten.
Landeanflug auf die Gegenwart
Mit dem Einstieg kommerzieller Kräfte hat sich der Browsergame-Markt explosionsartig weiterentwickelt. Noch vor wenigen Jahren waren browserbasierte Online-Spiele eine absolute Nische in den Weiten des Internets. Mit mehr Kapital und neuen Web-Technologien stehen den Spieleschmieden heute ganz neue Möglichkeiten offen. Die großen Publisher verzeichnen Millionengewinne, die sich durchaus mit denen von Vollpreistiteln vergleichen lassen. So ließ Heiko Hubertz, Geschäftsführer und Gründer der Bigpoint GmbH, in einem Interview mit golem.de verlauten "Wir verdienen pro User zwei- bis dreimal mehr als Blizzard mit denen von World of Warcraft."
Die Klassiker unter den Browserspielen
OGame (links, Mitte) und Die Stämme sind nur zwei Beispiele der ersten wirklich erfolgreichen Browsergames. Weltweit werden die Strategie-Klassiker millionenfach gespielt.
Innovation und neue Wege
Interessant ist auch, dass nicht alle Publisher auf das gleiche Konzept setzen. Die InnoGames GmbH, die sich mit Die Stämme (Tribal Wars) einen Namen gemacht hat, baut auch in den neuen Spielen nicht auf 3D, sondern bleibt beim bewährten Konzept einer leicht verständlichen 2D-Spieloberfläche mit vielen Möglichkeiten der Interaktion. Gameforge experimentierte bereits mit neuen Ansätzen, hält aber bei den kommenden Produkten wie Gilde1400 an bewährten 2D-Konzepten fest und versorgt Fans der dritten Dimension mit clientbasierten Spielen.
Bigpoint hingegen versucht sich mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg auf allen Plattformen. Im Portfolio des Publishers finden sich viele actionlastige, flash- und shockwavebasierende Browserspiele à la Seafight und Dark Orbit. Mit dem GTA-ähnlichen Browserspiel Poisonville wagt sich Bigpoint erstmals an einen von Vollpreisspielen dominierten Sektor heran. Ein mutiger und ganz nebenbei auch sehr teurer Schritt, den Bigpoint noch 2009 gehen will.
Beliebt wir nie zuvor
Doch wie kommt es, dass Browsergames überhaupt so gefragt sind? Laut Wirtschaftsmagazin digital:next bevorzugen fast drei Viertel (73%) aller Online-Gamer Spiele, die direkt im Browser gestartet werden. Liegt es an den geringen Systemanforderungen, dem MMO-Charakter oder vielleicht doch am Bezahl-Wenn's-Dir-Spaß-Macht-Prinzip? Browsergames sind grundsätzlich kosten- und installationsfrei spielbar. Man muss nicht erst in den nächsten Laden sprinten oder etliche Gigabyte herunterladen, bevor das Spiel gestartet werden kann. Username, Passwort und eMail eintragen, bestätigen und los geht's! Zudem sind Online-Spiele in den letzten Jahren enorm vielfältig und grafisch immer besser geworden. Ob als friedfertiger Gemüseliebhaber, überzeugter Shooter-Fan oder größenwahnsinniger Möchtegern-Eroberer, in der Welt der browserbasierten Spiele wird jede Leidenschaft bedient.
Glaskugel und Lupe
Was bringt uns die Zukunft? Wenn der aktuelle Trend nicht abreißt, und davon ist nicht auszugehen, dann erwarten uns auch weiterhin spannende Abenteuer, trickreiche Manager-Simulationen, krasse Action und knifflige Strategie im Browser. Mit neuen Technologien, höherer Bandbreite und stromfressenden Rechenzentren sind den Entwicklern keine Grenzen gesetzt. Wir dürfen gespannt sein, was ihre Träume für uns bereit halten.
Doch zurück in die Gegenwart: Ab sofort stellen wir hier auf spieletipps die wichtigsten Projekte und Neuerscheinungen in ausführlichen Previews und Tests vor. Damit ihr wisst, in welche Spielwelt ihr eure wertvolle Zeit am besten investiert.
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