Test Dragon Age: Drachenklatschen mit Hindernissen

von Jochen Gebauer (11. November 2009)

Was macht ein gutes Rollenspiel aus? Eine epische Story, sagen manche. Ein tolles Charaktersystem, sagen andere. Wir sagen: Die Maus macht's.

Nicht ganz der Erzdämon, aber trotzdem fies: Drachenklatschen gehört zu den schwierigeren Aufgaben.Nicht ganz der Erzdämon, aber trotzdem fies: Drachenklatschen gehört zu den schwierigeren Aufgaben.

Der Anfühl-Effekt

Es gibt Spiele, die fühlen sich einfach richtig an. Die PC-Version von Dragon Age ist so ein Spiel. Da passt alles, die Geschichte, die Charaktere, das Kampfsystem. Und dann gibt es Spiele, die sich einfach falsch anfühlen. Die Xbox-360-Version von Dragon Age zum Beispiel. Gleiche Geschichte, gleiche Charaktere, anderes Spielgefühl. Dragon Age auf der Xbox zu spielen, ist ein bisschen so wie Porsche in der Spielstraße zu fahren: Da gehört das Ding nicht hin. Aber der Reihe nach:

Dass Bioware gute Geschichten erzählen kann, wissen wir nicht erst seit Mass Effect. Vom geistigen Baldur's Gate 2-Nachfolger war häufig die Rede, aber so ganz stimmt das nicht, jedenfalls nicht, was die Story angeht. Dragon Age ist erwachsener, kitschbefreiter, schmutziger. Natürlich gibt es die typischen Fantasy-Elemente, das uralte Böse, die treuen Gefährten, den garstigen Erzdämon - aber das alles bildet lediglich die Rahmenhandlung einer Geschichte, die sich mehr nach George Martin liest als nach Tolkien. Es geht um Intrigen und Verrat, um politische Ränkeschmiede, um Rache. Wo wir in anderen Rollenspielen die Welt retten, weil das Spiel das nunmal so will, haben wir in Dragon Age ein greifbares, persönliches Motiv. Erzdämon hin, Erzdämon her, der eigentliche Bösewicht ist erfrischend banal, ein machthungriger Politiker, der etwas tut, was Bösewichte leider viel zu selten tun: Er ist böse zu uns.

Nein, wir sind keine Ferkel. Für diese Quest mussten wir unsere Party ausziehen. Ehrlich!Nein, wir sind keine Ferkel. Für diese Quest mussten wir unsere Party ausziehen. Ehrlich!

Kopf ab für throngeile Königsmörder

Überhaupt gelingt Dragon Age - Origins ein Kunststück, das nur wenigen Spielen wirklich gelingt: Es ist plausibel. Wenn wir zu Beginn als grauer Wächter rekrutiert werden, dann muss Bioware nicht in die erzählerische Mottenkiste greifen, um das zu erklären - wir spielen es einfach. Die sechs verschiedenen Einleitungen geben unserem Charakter nicht nur Tiefe, sie stützen auch den gesamten Plot. Zugegeben: Einige tun das besser als andere. Als menschlicher Adeliger zum Beispiel haben wir nun wirklich jeden Grund, den throngeilen Königsmörder einen Kopf kürzer zu machen - schließlich ermordet dessen Handlanger in der ersten Spielstunde unsere komplette Familie, Frauen und Kinder eingeschlossen. Die Magier-Einleitung hingegen wirkt konstruierter, aufgesetzter. In gewisser Weise wird sich Dragon Age hier selbst zum Verhängnis: Weil einige Einleitungen schlicht grandios sind, erscheinen die anderen im direkten Vergleich langweilig und uninspiriert; obwohl jede davon in einem anderen Spiel als erstklassig durchginge.

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