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Harvest Moon - Baum der Stille (Nintendo Wii)

Artikel veröffentlicht am 05.11.2009

Harvest Moon war schon immer eine ungewöhnliche Serie. Zwar ist auch "Harvest Moon - Baum der Stille" in erster Linie eine Bauernhofsimulation, aber mit einer Story und einigen interessanten Rollenspielaspekten. Von Gerd Schüle

Das dauert

Gießen und Unkrautjäten sind die täglichen Aufgaben eines Farmers.

Nachdem ihr euch entweder für einen männlichen oder weiblichen Charakter entschieden habt, erlebt ihr in einem ellenlangen Intro zuerst einmal die Fahrt zur Waffelinsel. Ihr wollt auf der Insel ein neues Leben als Farmer anfangen. Da euch aber wie im echten Leben nichts geschenkt wird, müsst ihr euch zuerst einmal Startkapital verdienen, indem ihr auf einer Farm einen Job annehmt.

Dieser Job dient gleichzeitig als viel zu langes, spielerisches Tutorial, in dem euch die grundlegende Steuerung des Spiels erklärt werden soll. Allerdings nur sehr unzureichend, die wichtigen Dinge werden einfach nicht erwähnt. Ihr findet die fehlenden Infos zwar auch in der internen Spielhilfe oder im Handbuch, allerdings ist das nicht gerade das Ziel eines Tutorials. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die ganze Sache ziemlich in die Länge zieht und somit der Einstieg in das Spiel weder besonders harmonisch noch interessant abläuft.

Der Aha-Effekt

Ein prächtiger Acker, so macht das Farmer-Leben richtig Spaß.

Wer sich durch diesen zähen Einstieg durchbeißt, erlebt nach einiger Zeit einen Aha-Effekt. Denn so unspektakulär, wie sein Anfang sich präsentiert, ist "Baum der Stille" nicht. Sobald ihr ins Spiel hinein gefunden habt, entpuppt es sich als abwechslungsreiche, rollenspiellastige Bauernhofsimulation. Auf eurer Farm, die ihr nach dem Tutorial erhaltet, habt ihr jede Menge zu tun. Unkraut jäten, Acker pflügen, Saatgut ausstreuen, regelmäßig gießen, ernten oder Tiere züchten.

Doch dabei sind euch zu Beginn des Spiels Grenzen gesetzt. Nach einer gewissen Zeit und Belastung wird euer Charakter müde. Mit der Zeit könnt ihr aber seine Ausdauer weiterentwickeln. Weitere Rollenspielelemente betreffen eure Werkzeuge. Deren Effektivität könnt ihr ebenfalls verbessern, wie die Waffen in Rollenspielen: Durch ständige Beanspruchung erreichen sie höhere Stufen.

Das soziale Umfeld

Eine virtuelle Hochzeit.

Aber so abwechslungsreich das Farmer-Leben auch ist, wer sich nur darauf konzentriert, beschäftigt sich nur mit einem Teil des Spieles. Ihr kauft und verkauft die verschiedensten Dinge, pflegt den Kontakt zu den anderen Inselbewohnern und nehmt an gesellschaftlichen Ereignissen teil. Dabei lernt ihr eventuell auch den virtuellen Partner fürs Leben kennen, heiratet, bekommt Kinder, mit denen ihr dann zum Beispiel ein neues Spiel beginnen könnt. Oder ihr zähmt Wildtiere und macht sie dadurch zu Haustieren. Wenn ihr wollt, lernt ihr Fischen oder sucht in Minen nach Gold und Kristallen. Zusätzlich könnt ihr jederzeit einen Teilzeitjob annehmen, um eure Kasse aufzufüllen.

Schließlich ist auch auf der Waffelinsel das Leben nicht billig, und wenn ihr euch neue Möbel, einen Fernseher oder andere nützliche oder schönen Dinge kaufen wollt, braucht ihr das nötige Kleingeld. Die Möglichkeiten sind vielfältig und gut in Szene gesetzt. Aber im Gegensatz zu den Sims-Spielen geht es in "Harvest Moon - Baum der Stille" nicht nur darum, euren Figuren ein glückliches Leben zu ermöglichen. Ihr begebt euch auch auf die Suche nach der Erntegöttin. Euer Ziel: den Mutterbaum und die Erntewichtel retten. Als Belohnung warten neue Gebiete mit neuen Items und Wildtieren.

Insel auf Raten

Grafisch ist das Spiel nicht auf dem Stand der Zeit.

Aber leider wird der durchaus positive Eindruck durch unnötige technische Mängel getrübt. Den zähen Einstieg ins Spiel haben wir bereits erwähnt. Doch nicht nur am Anfang braucht ihr einiges an Geduld, sondern während der gesamten Spielzeit: Ihr seht viel zu oft einen Ladebildschirm. Die Waffelinsel wurde wie in Fable in unterschiedliche Gebiete aufgeteilt. Bei jedem Gebietswechsel und bei jedem Gebäude, das ihr betretet oder verlasst, beginnt das Warten von Neuem. Dabei sind die Zeiten zwar recht kurz, summieren sich aber. Wenn ihr dann mal quer über die ganze Insel laufen müsst, wird das richtig nervig. Und das trotz einer unterdurchschnittlichen grafischen Gestaltung, die uns nicht überzeugt hat. Auf der Wii gibt es wesentlich schönere Titel.

Auch soundmäßig glänzt das Spiel nicht. Außerdem ist die Steuerung absolut Wii-untypisch, obwohl "Baum der Stille" exklusiv für die Wii entwickelt wurde. Ohne einen Blick in die interne Hilfsfunktion oder das Handbuche werden viele Farmer an einigen Punkten einfach nicht weiterkommen. All das bremst den Spielspaß leider ordentlich aus.

Fazit

von Gerd Schüle

Der Baum der Stille hinterlässt bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. Zuerst muss ich mich durch ein zu langes Intro und ein nerviges Tutorial quälen, nur um festzustellen, dass mir wichtige Dinge vorenthalten werden. Als dann das Spiel so richtig in Schwung gekommen ist, zieht es mich immer wieder in seinen Bann, dank des sehr abwechslungsreichen Spielprinzips der spaßigen Bauernhofsimulation.

Aber die ständigen Ladebildschirme und andere technische Mängel dämpfen gnadenlos den immer wieder enorm aufkeimenden Spielspaß. Das finde ich sehr schade, denn der Kern des Spiels ist eine kleine Perle, die aber leider nicht blank poliert wurde und ihren Glanz darum in einer wenig reizvollen technischen Hülle versteckt.

spieletipps meint: Gelungene Bauernhofsimulation mit Story und Rollenspiel-Elementen. Lahmer Einstieg, lange Ladezeiten und dürre Grafik drücken den Spielspaß-Ertrag.
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