Test

Call of Pripyat: Stalker-Atmosphäre mit angestaubter Optik

10. Nov 2009

Schlecht geschossen, gut gelacht

Oft seid ihr mit KI-Kumpanen unterwegs. Plündert Leichen nach Geld und Ausrüstung.

Wie in den Vorgängern lauft ihr durch eine glaubhafte Welt, reale Orte wurden zum Vorbild genommen. Drei große und vor allem neue Gebiete laden zum Erkunden ein. Das Spiel startet nördlich des Atomkraftwerks in der Flussregion des Prypjat. Viele Stellen sind ausgetrocknet, Schiffswracks dienen als Zufluchtsorte von Stalkern oder anderen Außenseitern. Dort nehmen wir erste Gefechte auf, weil sich unser Held trotz Warnungen einem Lager nähert. Einzelne Gegner sind kein Problem, mehrere Stalker gleichzeitig aber eine echte Gefahr. Die KI lässt Feinde in Deckung gehen und diese sogar wechseln. Nach zwei bis drei Treffern sacken Widersacher aber leblos zu Boden. Gern lässt die KI die animationssteifen Kollegen im Stich, wenn Gegner in Wände schießen, sich in Zimmern verirren und uns in schmalen Gängen nicht einmal als Gefahr erkennen. Das ist zum Glück selten, ebenso wie Abstürze. Entwarnung: "Call of Pripyat" läuft stabil.

Zudem erforscht ihr die industriell geprägte Jupiter-Fabrik und den östlichen Teil der Stadt Pripyat. Kenner der Vorgänger bemerken den bekannten Boulevard samt Riesenrad, den ihr diesmal aber nicht betreten könnt. Wirklich abwechslungsreich sind die Gebiete nicht, euch erwarten viel dröge Wildnis, verlassene Plattenbauten und Häuserschluchten. Dafür stimmt die Weitsicht.

Missionsbewuchs auf karger Fläche

Die wertvollen Anomalien verbergen sich gemeinerweise in hochgiftigen Arealen.

Aufträge sind nicht mehr zufallsgeneriert, sondern von Entwickler GSC per Hand designt. Das merkt man, ihr löst nun ganze Missionsketten, zum Beispiel wenn ihr in der Jupiter-Anlage auf die Existenz eines geheimen Tunnels aufmerksam werdet, der in den frischen Pripyat-Abschnitt führt. Doch der ist mit Giftgas gefüllt. Was tun? Ein befreundeter Stalker verkauft euch für viel Asche einen Schutzanzug. Woher so viel Geld? Händler und andere Auftraggeber bevölkern die Zone und belohnen jede helfende Waffenhand mit reichlich Rubel. Oder ihr stöbert die altbekannten Anomalien auf, seltene Artefakte, die ihr gewinnbringend verkauft und in neue Ausrüstung sowie Waffen steckt. Oder eben in einen schützenden Overall - der im Tunnel zwar vor giftigem Gas schützt, nicht aber vor den dort hausenden Mutanten. Die sind aber nichts gegen die Monolither, eine bislang geheime Stalker-Fraktion. Glücklicherweise leiden die an den gleichen KI-Aussetzern wie ihre Feindkollegen - radioaktive Strahlung scheint wohl nicht jedem zu bekommen.

Fazit

von Philip Ulc

Trotz technischem Stillstand ist "Call of Pripyat" der beste Stalker-Teil. Der unausgegorene Gigantismus der beiden Vorgänger weicht einer gesund geschrumpften Spielwelt mit durchdachten Missionen. Die tolle Atmosphäre wird zwar manchmal durch abstrus-doofes Verhalten der Gegner durchbrochen, die Grundstimmung einer unwirtlichen Zone bleibt aber erhalten - auch weil die düsteren Schauplätze an eine reale, schreckliche Tragödie erinnern. Neulinge sollten aber einen ausgiebigen Erkundungsdrang an den Tag legen. Geballert wird nur punktuell, erforscht dagegen unentwegt.

spieletipps meint: Kompakter Erkundungs-Shooter mit leichten KI-Macken und angestaubter Optik.
78

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