Need for Speed Nitro (Nintendo Wii)
Artikel veröffentlicht am 06.11.2009
Die Wii ist nicht gerade die ideale Plattform für Rennspiele. Trotzdem bringt EA jetzt mit Need for Speed Nitro zum ersten Mal einen speziell für die Wii entwickelten Ableger der Serie heraus. Im Gegensatz zu Need for Speed Shift ist Nitro ein reiner Arcade-Racer, der nicht einmal einen Hauch von Realismus enthält. Von Gerd Schüle
Auf der andern Fahrbahnseite
Während die Entwickler Need for Speed Shift in Richtung Realismus getrimmt haben, fahren sie mit Nitro in die andere Richtung. Wie in den ersten Serienteilen steht der spaßige Rausch von Hochgeschwindigkeitsrennen im Mittelpunkt. Ihr setzt euch hinter das Lenkrad, gebt Gas und driftet in absolut unrealistischer Bleifußmanier schon nach den ersten Metern gekonnt um die Kurven. Dabei erinnert uns das actionlastige Fahrverhalten an die Burnout-Reihe, erreicht aber nicht ganz deren spielerische Qualität.
Welttournee
Im Mittelpunkt steht wie im Genre üblich der Karriere-Modus. Mit dem Ziel, der beste Fahrer der Welt zu werden, reist ihr in fünf Städte, die auf der ganzen Erdkugel verteilt sind. Dabei geht es nicht nur darum, einen Podestplatz zu ergattern, sondern ums Sterne-Sammeln - ähnlich wie in Shift. Die gibt es nicht nur für gute Platzierungen, sondern zum Beispiel auch für die beste Rundenzeit oder für eine bestimmte Anzahl von Stylepunkten. Die wiederum erhaltet ihr durch besonders spektakuläre Manöver wie gekonnte Drifts oder gute Sprünge. Je mehr Sterne ihr erhaltet, desto mehr Autos, Events, neue Wagenteile oder Städte werden freigeschaltet. Dabei ist das Spiel nicht so aufgebaut, dass ihr unbedingt in jeder Veranstaltung ganz vorne mitmischen müsst. Außerdem dürft ihr schlecht gelaufene Rennen jederzeit wiederholen.
Serien-typisch
Ihr beginnt eure Karriere im tropischen Rio de Janeiro im Bronze-Cup. Wenn ihr den erfolgreich absolviert habt, geht es im Silber- und Gold-Cup weiter. Jedoch stehen euch von Anfang an die unterschiedlichen Events offen, die es alle schon in den verschiedensten Vorgängern gab. Neben dem normalen Rennen gibt es das klassische Zeitfahren und die Eliminator-Veranstaltungen, bei denen ihr in keiner Runde als letzter über die Ziellinie fahren dürft - denn der Rundenletzte fliegt raus. Bestzeiten sind dagegen bei der Drift-Challenge nicht gefragt, hier geht es nur darum, auf einer meist relativ kurzen Strecke möglichst viele Stylepunkte beim Driften zu erfahren. Zuletzt wartet die Radarfallen-Challenge, bei der ihr mit möglichst hohen Geschwindigkeiten mehrere Blitzer passieren sollt.
All diese serientypischen Rennveranstaltungen sorgen zwar für spielerische Abwechslung, sind aber nichts Neues. Ebenfalls alte Bekannte sind die Cops, die euch das Leben schwer machen: Da ihr an illegalen Straßenrennen teilnehmt, jagen sie euch. Aber im Gegensatz zu älteren Teilen der Serie ist ein Rennen nicht beendet, wenn ihr erwischt werdet, nach kurzer Zeit dürft ihr wieder einsteigen. Trotzdem kann euch das den Sieg oder eine gute Platzierung kosten.
Überschaubar
Die 30 realen Wagen sind in drei Klassen eingeteilt. Ihr fangt entweder mit einem alten VW Bus oder einem Renault 4L aus der C-Klasse an. Obwohl ihr auch in Fahrzeuge wie einen Toyota Corolla steigt, geht es hier noch eher bedächtig zu. Etwas rasanter wird es in den Autos der B-Klasse. Hier stehen so edle Fahrzeuge wie der Porsche Cayman S oder Nissan 370Z beim Autohändler bereit. Richtig schnell wird es schließlich in der A-Klasse, in der ihr euch endlich in Rennboliden wie dem Lamborghini dem Geschwindigkeitsrausch hingeben dürft.
Sämtliche Wagen könnt ihr mit zusätzlichen Wagenteilen wie Spoilern, schöneren Felgen oder Motorhauben mit Luftöffnungen verändern. Echtes Tuning, das Auswirkungen auf Fahrleistung und -verhalten der Autos hat, gibt es aber nicht. Wenigstens könnt ihr eure Lieblinge in der Lackiererei mit Farben und Aufkleber ganz individuell gestalten.
Geschwindigkeit Pur
Egal welches Auto ihr fahrt, ohne das namensgebende Nitro gewinnt ihr kein einziges Rennen. Vor dem Start ladet ihr eure Nitro-Flaschen auf, indem ihr die Drehzahlnadel in einem sich verändernden grünen Bereich haltet. Den zusätzlichen Nitroschub solltet ihr möglichst oft einsetzen. Dabei braucht ihr keine Angst zu haben, dass eure Vorräte bald zu Ende gehen. Denn auch während der Rennen könnt ihr eure Flaschen ständig neu aufladen - durch möglichst spektakuläre Drifts, Sprünge oder im Windschatten eines Gegners. Besonders effektiv lässt sich der Nitroschub beim Driften einsetzen. Dadurch seid ihr schneller bei gleichzeitig wesentlich spektakuläreren Drifts und ladet dabei zudem eure Flaschen wieder neu auf.
Ungewöhnliches Aussehen
Der Comiclook des Spiel ist zwar ungewöhnlich, damit haben die Entwickler aber Nitro an die grafischen Möglichkeiten der Wii gut angepasst. Natürlich sieht Nitro bei weitem nicht so gut aus wie Shift, aber uns hat die Optik des Spiels gefallen. Weniger gut fanden wir die nicht besonders überzeugenden Motorengeräusche, richtig schlecht waren sie aber auch nicht.
Das wichtigste bei einem Wii-Rennspiel ist aber die Steuerung. Hier bietet euch das Spiel fünf verschiedene Möglichkeiten. Die gewöhnlichsten Methoden sind gleichzeitig die serientypischsten, indem ihr entweder den Classic- oder den GamecubeController benutzt. Aber wenn ihr wollt, könnt ihr das Spiel auch einhändig mit der Wii-Fernbedienung steuern. Oder ihr haltet sie wie ein Lenkrad mit oder ohne Wii Wheel waagrecht, wozu ihr natürlich beide Hände benötigt. Am besten zurechtgekommen sind wir aber mit der Kombination aus Fernbedienung und Nunchuk. Die unkomplizierte Bedienung mit allen fünf Varianten erlernt ihr sehr schnell.
Fazit
von Gerd Schüle
Ehrlich gesagt war ich sehr skeptisch, als EA einen exklusiven Ableger der Need-for-Speed-Reihe für die Wii ankündigte. Aber mich hat Nitro sehr positiv überrascht - es ist nicht nur für Gelegenheitsspieler ein einfaches, aber trotzdem gutes und vor allem actionlastiges Rennspiel. "Ich will Spaß, ich geb Gas" mit diesen Worten lässt sich das unkomplizierte Rennspektakel bestens beschreiben. Reinsetzen, losbrettern und in unrealistischem Geschwindigkeitsrausch um die Kurven driften. Mit diesem einfachen Konzept hat mich die Vollgasraserei in ihren Bann gezogen. Allerdings kommt das Spiel trotz ähnlichem Konzept nicht ganz an die Burnout-Reihe heran.
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