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DJ Hero (Playstation 3)

Artikel veröffentlicht am 09.11.2009

Das Musikspielgenre stagniert auf einem extrem hohen Niveau, neue Features ändern nichts am zu Grunde liegenden Spielprinzip. Rock war gestern, DJ Hero setzt auf einen neuen Controller und viel Hip-Hop-, Pop- und Dance-Musik. Von Oliver Hartmann

Zeitreise in die eigene Jugend

Für den Coop-Modus benötigt ihr einen zweiten Controller.

Schon mit dem Auspacken werden Jugenderinnerungen wach. Der Turntable-Controller gleicht einer Zeitmaschine in die von Breakdance und Hip-Hop geprägten 80er Jahre. Um gleich den Vorwurf des billigen Plastiks zu entkräften: Der Controller ist sehr gut verarbeitet. Auf der rechten Seite befindet sich ein Plattenteller mit drei farbigen Tasten (rot, grün und blau). Das abnehmbare linke Teil beheimatet den Crossfader, Effektdrehregler sowie den Euphorie-Schalter. Unter einer Abdeckung befinden sich eine normale PS3-Steuerung mit Digipad und den üblichen Buttons. Einzig die etwas ungenau erfühlbare Mittelstellung des dreistufigen Crossfaders müssen wir kritisieren. Spielerisch erinnert DJ Hero zunächst etwas an seine Guitar Hero-Geschwister.

Auf den Spuren von Guitar Hero

DJ AM ist am Start. Von der Grafik bekommt ihr während des Spiels kaum etwas mit.

Auf dem Bildschirm sehr ihr einen Ausschnitt des Plattentellers, auf dem drei Spuren verlaufen. Ihr ahnt es schon, in drei Farben passend zu den Buttons auf dem Controller. Die beiden äußeren Leisten betreffen die beiden zu mischenden Songs, die mittlere Spur ist die Effektspur. Auf den Spuren kommen Punkte nach unten, die ihr dann mit den farbigen Buttons im richtigen Moment anschlagen müsst. Ab hier hören die Gemeinsamkeiten zur Guitar-Hero-Serie dann aber auch schon wieder auf. Statt Punkten kommen nämlich auch Pfeile nach unten gelaufen. Diese müsst ihr nicht drücken, sondern scratchen.

Die hohe Kunst der DJ-Technik

Hip-Hop-Legende Grandmaster Flash ist einer der bekanntesten Stars im Spiel.

Im höheren Schwierigkeitsgrad wird euch dazu noch die jeweilige Richtung vorgegeben. Der Crossfader kommt zum Einsatz, sobald eine der beiden äußeren Spuren einen Knick nach außen macht. Angesichts der nicht ganz präzise fühlbaren Mittelstellung ist hier ein wenig Übung nötig, insbesondere bei den schnellen Crossfader-Spitzen, bei denen ihr den Crossfader nur kurz nach links oder rechts bewegt und dann gleich wieder zurück in Mittelstellung bringt.

Den Effektdrehregler benötigt ihr, um eure Spuren ähnlich wie mit der Whammy-Bar in Guitar Hero 5 zu verzerren. Außerdem wählt ihr damit in speziell gekennzeichneten Phasen einen von fünf Effekten, die ihr unter den Song mittels Druck der roten Taste mischen könnt. Das Pendant zur Starpower heißt Euphorie und wird durch Drücken des entsprechenden Buttons (leuchtet rot wenn verfügbar) ausgelöst. Seid ihr richtig gut drauf, steht euch ein "Rewind" zur Verfügung: Einfach den Plattenteller um 360 Grad zurückdrehen und die Passage erneut spielen.

Herrscher über den Plattenteller

Wenn die Mittelspur breiter ist, könnt ihr mit der roten Taste Samples einstreuen.

Das klingt alles zunächst furchtbar kompliziert, das sehr gut gemachte Tutorial führt euch jedoch Schritt für Schritt an die professionellen Techniken heran. Bei den ersten Songs fühlt sich das alles noch sehr merkwürdig an, aber irgendwann kommt der Punkt, wo euch das Spiel infizieren wird. Dann habt ihr wirklich das Gefühl, dass ihr die Kontrolle über die Musik habt. Von der ansprechenden Optik bekommt ihr gar nicht viel mit, da ihr euch darauf konzentriert, die Spuren im Auge zu haben, Effekte einzustreuen und mit verzerrten Frequenzen und knackigen Beats den High Score in die Höhe zu treiben. Vom Schwierigkeitsgrad her ist das Spiel modular aufgebaut und bietet mit höherer Stufe immer neue Elemente und damit auch längerfristig Herausforderungen.

Gewaltig große Musicbox

Gleich ist der Crossfader gefragt. Außerdem steht der "Rewind" bereit.

Wenn es um die Musikauswahl geht, lässt DJ Hero gewaltig die Muskeln spielen. 102 Songs befinden sich auf der Scheibe, was dadurch relativiert wird, dass einige Songs in mehreren Mixen vorkommen. Dennoch die bisher gewaltigste und abwechslungsreichste Songauswahl in einem Musikspiel. Die Palette reicht von Soul (Marvin Gaye, The Jackson Five), Pop (Queen, Rihanna, Gwen Stefanie), Rap (Cypress Hill, Public Enemy), Rock (Foo Fighters, Weezer). Für die Qualität der Mixes stehen bekannte DJs wie Grandmaster Flash, DJ Jazzy Jeff, Daft Punk und DJ Yoda. Steht ein zweiter Turntable-Controller zur Verfügung, könnt ihr gemeinsam um die Wette scratchen. Alternativ dürft ihr auch einen Gitarren-Controller für den zweiten Spieler einsetzen, wenn ihr das entsprechende DJ-Set spielt.

Die Macken eines Erstlings

50 getroffene Noten in Folge, dazu den Punktemultiplikator auf 4fach.

An einigen Stellen merkt man jedoch, dass DJ Hero das erste Spiel dieser neuen Reihe ist. Eigene Charaktere erstellen könnt ihr nicht, Download-Inhalte sind nicht über das Spiel direkt erreichbar, ein Online-Mehrspielermodus fehlt und einige Sachen wie das optional nutzbare Mikrofon wirken ein wenig aufgesetzt und sehr mit der heißen Nadel gestrickt. Es sieht alles danach aus, als wenn sich Activision für DJ Hero 2 noch ein paar Optionen offen gehalten hat. Was wirklich schade ist: Egal wie schlecht ihr spielt, an einem Song scheitern könnt ihr nicht. Aber genug gemeckert, abseits dieser Probleme ist DJ Hero ein wirklich tolles Spiel und zudem ein innovativer Lichtblick im Genre.

Fazit

von Oliver Hartmann

Es war Liebe auf den ersten Blick mit kleinen Zweifeln. Seit der ersten Ankündigung habe ich mich sehr auf DJ Hero gefreut. Als ich dann endlich Hand anlegen durfte, kam die erste Ernüchterung. Alles fühlte sich zunächst ein wenig fad an. Es fehlte das Gefühl, wirklich selbst zu spielen. Das legte sich aber nach ein paar Songs, wie im echten Leben muss man sich eben ein wenig aneinander gewöhnen. DJ Hero macht es einem dank riesiger Musikauswahl und einem fesselnden, neuem Spiel-Erlebnis nicht wirklich schwer. Daumen hoch, Freestyle Games - ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Teil.

spieletipps meint: Endlich echte Innovationen im Musikspielgenre. DJ Hero trumpft mit tollen Mixes, großer Auswahl und einem überzeugenden Controller groß auf. Bring it on, DJ!
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