Modern Warfare 2 (PC)
Artikel veröffentlicht am 11.11.2009
Spiel des Jahres. Meist vorbestelltes Spiel aller Zeiten. Die Erwartungen an Modern Warfare 2 wurden im Vorfeld derart in die Höhe geschraubt, dass es nahezu unmöglich scheint, ihnen überhaupt gerecht zu werden. Von Oliver Hartmann
Die Geschichte geht weiter
Modern Warfare 2 knüpft geschichtlich an den ersten Teil an. Fünf Jahre sind vergangen, seit wir in einem furiosen Actionspiel Oberfiesling Imran Zahkaev endgültig das Handwerk gelegt haben. Inzwischen gilt Zahkaev posthum als Held des neuen Russlands. Sein legitimer Nachfolger Vladimir Makarov versucht, durch einen fingierten Terroranschlag Russland zum Krieg gegen die Vereinigten Staaten aufzustacheln. Auf einem russischen Flughafen geben Makarov und seine Leute sich als Amerikaner aus und erschießen brutal Unmengen an Zivilisten. Ein Abschnitt im Spiel, der aufgrund seiner exzessiven Gewaltdarstellung sicher noch länger im Gespräch bleiben wird. Auf Wunsch kann dieser Abschnitt übersprungen werden, dadurch geht aber ein wichtiger Teil der Geschichte komplett verloren.
Story löchrig wie ein Schweizer Käse
Mit der Predator-Drohne könnt ihr Fahrzeuge und Gegnermassen ausschalten, seid aber bei der Bedienung verwundbar.Es war noch nie die Stärke der Call of Duty-Serie, eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Modern Warfare 2 führt diese Tradition weiter fort und enttäuscht hier völlig. Das Story-Flickwerk dient lediglich dazu, die einzelnen Level irgendwie zusammen zu halten. Das Spiel schafft es nicht, einem zum Beispiel die eigenen Team-Mitglieder näher zu bringen, Namen sind Schall und Rauch. Dazu kommen extreme Logiklöcher und am Ende ein Story-Twist, der mehr als nur unglaubwürdig ist. Der Versuch, mit der Flughafensequenz zu vermitteln, wie grausam der Terrorismus doch ist, kann als gescheitert angesehen werden. Man schaut teilnahmslos dem Treiben zu und kann nicht eingreifen, was wohl die nahe liegende Lösung gewesen wäre. Das war aber im Prinzip schon fast alles, was wir zu meckern haben.
Atemlose Nonstop-Action
Nein, wir haben nicht einen falschen Grafikkartentreiber installiert. So siehts aus, wenn ihr schwer getroffen seid.Wenn die Call of Duty-Serie eines kann, dann ist das packende Action zu servieren. Die je nach Spielerfahrung und Herangehensweise zwischen fünf und zehn Stunden lange Kampagne ist am ehesten mit eine turbulenten Achterbahnfahrt vergleichbar. Infinity Ward hat ein unglaubliches Gespür dafür, das Tempo im Spiel zu variieren und zwischen brachialer Action und ruhigen Passagen zu wechseln. Einen Moment tastet ihr euch leise mit einem Herzschlagsensor durch einen Schneesturm vor, einen Moment später jagt ihr auf einem Schneemobil wild um euch schießend und mit mehreren Verfolgern im Nacken eine mit Bäumen und Felsen gespickten Abgrund herunter. Grandios. Im Vergleich zum direkten Vorgänger Modern Warfare ist die Optik zwar technisch nicht unbedingt besser, dafür aber deutlich detailreicher. Schade, dass ihr aufgrund der ständig überschäumenden Action kaum Zeit dafür habt, euch alles genau anzusehen. Es würde sich lohnen.
World Domination Tour 2009
Die einzelnen Abschnitte sind sehr abwechslungsreich. Mit den vier unterschiedlichen Charakteren, die ihr im Verlauf der Kampagne spielen werdet, bereist ihr quasi die ganze Welt. Ihr schleicht durch Höhlen in Afghanistan, lauft durch das verbombte Washington, jagt einem Terroristen über die Wellblechdächer eines Slums in Südamerika hinterher und landet sogar auf einer Ölplattform. Ihr sitzt auf einem Humvee an einem Maschinengewehr, entert Uboote, rast auf Jeeps und Schneemobilen herum und kraxelt mit Eispickeln steile Berge hoch. Modern Warfare 2 gönnt euch keine Verschnaufpausen und fordert ständig eure höchste Aufmerksamkeit. Andernfalls habt ihr schnell euer virtuelles Leben ausgehaucht.
Mitten im Krieg
Möglich wird dies alles durch einen streng linearen Levelaufbau. Die Entwickler setzen sehr stark auf geskriptete Sequenzen, wodurch eine noch packendere Atmosphäre erzeugt wird. Im Gegensatz zum Vorgänger spawnen Gegner aber nicht ständig neu und man hat auch seltener das Gefühl, zu irgendwelchen Triggerpunkten laufen zu müssen, damit es im Spiel weitergeht. Den Entwicklern ist es so gelungen, die Intensität eines Krieges einzufangen. In einem Abschnitt sitzt ihr am MG eines Humvee und dürft erst feuern, wenn auf euch geschossen wird. Beklemmend fahrt ihr durch die von Terroristen bevölkerten Straßen, die Gefahr liegt in der Luft. Und dann bricht wirklich die Action los, überall fliegen Splitter und alle schreien durcheinander. Kenner des Filmes Black Hawk Down werden wissen, was gemeint ist.
Herr schmeiß Hirn vom Himmel
Die KI ist immer noch vergleichsweise unterbelichtet. Zu oft kommt es vor, dass Feind um Feind hirnlos in seinen Tod rennt. Allenfalls in den Abschnitten, wo es mehrere Weg gibt (wie in den Slums von Südamerika zum Beispiel) fallen euch gelegentlich Gegner in den Rücken. Die deutsche Synchronisation geht über weite Strecken in Ordnung. In der obersten Liga spielen Soundkulisse und Musik. Explosionen dröhnen kräftig durchs Zimmer, die Surroundeffekte vermitteln eindrucksvoll eine Schlachfeldatmosphäre. Die Musik stammt teilweise aus der genialen Feder von Filmkomponist Hans Zimmer, der auch den weiter oben genannten Black Hawk Down mit einem exzellenten Score versorgt hat.
Krieg mit Freunden
Neben der Kampagne warten 25 Spec-Ops-Missionen auf euch, die ihr kooperativ angehen könnt. Dabei handelt es sich um spezielle Herausforderungen, bei denen ihr möglichst schnell bestimmte Ziele erreichen müsst, was je nach Leistung mit einem bis drei Sternen belohnt wird. Es gibt fünf Blöcke mit Missionen, die ihr nach und nach freischalten müsst. Dazu kommt ein exzellenter Multiplayer-Modus mit mehreren Spielmodi. Hier motiviert vor allem die sich ständig verbessernden Fähigkeiten und Ausrüstung. Maximal 18 menschliche Spieler (neun pro Team) können sich so online miteinander messen. Infinity Ward hat sich gegen dedizierte Server und Mod-Unterstützung entschieden, was in der Spieler-Community auf wenig Gegenliebe stieß.
Licht und Schatten
Modern Warfare 2 wird nicht ganz dem Hype gerecht, der im Vorfeld erzeugt wurde. Zudem gibt es ein paar wirklich ärgerliche Sachen, wie die verpflichtende Steam-Aktivierung, der Verzicht auf dedizierte Server und nicht zuletzt der unnötige Skandal bezüglich der Flughafenszene, der sicher ein mediales Nachspiel haben wird. Dennoch handelt es sich um ein herausragendes Action-Highlight, das im Einzelspieler nicht ganz an den ersten Teil ran kommt, im Multiplayer aber locker daran vorbei zieht.
Fazit
von Oliver Hartmann
Modern Warfare 2 ist fast so gut geworden, wie wir gehofft hatten. Es hat die serientypischen Macken und auf hohem Niveaus müssen wir auch meckern, dennoch gehört es zu den packendsten Actionspielen überhaupt. Kein anderes Spiel versteht es, eine derart fesselnde Kriegsatmosphäre aufzubauen. Wenn die Kampagne beendet ist, werdet ihr tief durchatmen und vermutlich leicht zittern. Der Adrenalinpegel dürfte zu dem Zeitpunkt einen Höchststand haben. Moralische Bedenken lassen wir bei unserer Wertung außen vor. Für den Multiplayermodus könnt ihr ruhig noch ein paar Punkte zur Wertung hinzuzählen.

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