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Might & Magic: Clash of Heroes (Nintendo DS)

Artikel veröffentlicht am 13.12.2009

Die Schlacht beginnt. Beide Heere stürzen aufeinander zu, und schnell treffen Jäger auf Gremlins, Bären auf Golems, Druiden auf Magier, Baumwesen auf Kolosse und der Drache auf den Phönix. In Sekundenbruchteilen hat sich eine breite Front geformt zwischen den beiden Heeren, und schon sieht es so aus, als wäre der Ansturm auf beiden Seiten zum Erliegen gekommen... Von Roland Mühlbauer

Wie beim Fußball: Mauertaktik rules!

Umsichtig läuft der Feldherr seine Truppen ab und ordnet die Schlachtreihen neu. Wo ihm die gegnerischen Reihen eher licht erscheinen, gruppiert er drei gleiche Truppenteile hintereinander, um einen Angriff vorzubereiten. Wo die eigenen Reihen der Verstärkung bedürfen, formieren drei gleiche Truppen nebeneinander undurchdringliche Wälle.

Da, eine Lücke! Schnell werden der Eliteeinheit noch zwei Soldaten zugeordnet, und schon pflügt das Einhorn durch die feindlichen Scharen wie Butter und richtet beim gegnerischen Kommandanten gehörigen Schaden an! Wer wird mit Umsicht, List und Nervenstärke in diesem Scharmützel den Sieg davontragen?

Ein Geniestreich

Noch scheint alles friedlich...

Wir erinnern uns: 2007 machte das innovative Puzzle Quest Verschiebespielchen als Kampfsystem für Rollenspiele salonfähig und erfand mit einem Paukenschlag ein neues Hybridgenre, die Puzzle-Strategie-Rollenspiele. Nachfolger blieben nicht aus, vom futuristischen Galactrix über das taktische Puzzle Kingdoms bis hin zum niedlichen Neopets - Puzzle Adventure.

So befriedigend die meisten dieser Werke auch zu spielen waren, so sehr litt die jeweilige Spielwelt doch unter einem Makel: Das Kampfsystem blieb ein abstraktes Puzzle, das eigentlich mit der restlichen Handlung nicht viel zu tun hatte. Oder kann uns jemand schlüssig erklären, wie wir mit einer Partie Reversi einen betrunkenen Kneipenschläger in die Knie zwingen? Eben. Diese Vorstellung hatte dann doch eher für hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Bei Might and Magic: Clash of Heroes ist das anders!

Ich sende meine Soldaten aus...

Elite- und Meister-Einheiten benötigen spezielle Formationen.

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, ordnet ihr als Feldherr/Held nicht abstrakte Symbole an, um irgendwelche Effekte auszulösen. Vielmehr gilt es, konkret das eigene Heer in "Match three"-Manier effektiv zu sortieren, wobei auch die Farbe eine entscheidende Rolle spielt: In jedem Heer gibt es nämlich alle Einheitentypen in drei verschiedenen Farben. Waagerecht gebildete Dreiergruppen dienen der Verteidigung, senkrecht organisierte Dreiergruppen bereiten einen Angriff vor. Dabei habt ihr jeweils drei Züge pro Runde zur Verfügung, dann kommt der Gegner an die Reihe. Nach wie vielen Runden die Dreiergruppen den Angriff dann starten, hängt vom Einheitentyp ab.

...mit vielen vielen Feinheiten

Eine wahre Giftspritze: Der Drache der Sylvaner!

Synchronisiert ihr die Attacken, so dass in einer Runde mehrere Gruppen angreifen, können sie besonders stark austeilen! Neben den Dreiergruppen gibt es aber auch noch Elite-Einheiten und übergroße Meister-zum Beispiel Drachen, die durch ihren Angriff dem gegnerischen Spielfeld mehrere Runden lang Schaden zufügen.

Diese Spezialeinheiten nehmen aber viel Platz auf dem Spielfeld weg und benötigen sogar bis zu vier gleichfarbige Truppen als Unterstützung für eine Aktion. Geschlagene Truppen werden übrigens nicht automatisch ersetzt, sondern müssen vom Feldherren als Verstärkung angefordert werden, was wertvolle Spielzüge verbraucht.

Angriffe mit Köpfchen

Mut zur Lücke kann ins Auge gehen!

Stürmt dann eine Einheit auf den Gegner los, hängt der Erfolg des Angriffs von der Angriffsstärke der eigenen Einheit ab, und wieviel Gegner sich ihr in den Weg stellen. Hat die angreifende Einheit z.B. einen Angriffswert von 15, wird pro zu passierender gegnerischer Einheit deren Verteidigungswert davon abgezogen. Sinkt der Angriffswert dabei auf 0, ist die angreifende Einheit gestoppt und geht verloren. Durchbricht sie aber die feindlichen Reihen, ehe der Wert auf 0 gesunken ist, kann sie dem gegnerischen Feldherren persönlich Schaden zufügen. Aus diesem Grund solltet ihr sehr genau die Aufstellung und Truppenbewegung des Gegners studieren, um etwaige Chancen für effektive Attacken zu nutzen und die gegnerischen Ausfälle möglichst gut abzublocken - Überlegungen also, die weit über das in einigen Puzzle-Spielen übliche "Wo kann ich ein Dreier-Grüppchen bilden?" hinausgehen!

Es gibt viel zu tun

Jabba de Hut in einer Gastrolle.

Um langfristig Erfolg in den Schlachten zu haben, dürft ihr die Helden außerdem mit magischen Artefakten ausstatten, die Angriff, Verteidigung oder Zauberkraft stärken. Darüber hinaus wollen die eigenen Armeen erst einmal rekrutiert werden. Starke Elite- und Meister-Einheiten können ihr in bestimmten Gebäuden gegen vorher gesammelte Rohstoffe rekrutieren. Außerdem müsst ihr jeweils im Vorfeld festlegen, welche Einheiten wie oft mit welcher Wahrscheinlichkeit auf dem Brett erscheinen sollen - in etwa so, wie bei einem Sammelkartenspiel vorher das eigene Deck optimiert werden will.

Zieht ihr bei den Überlegungen dann noch in Betracht, dass in der Schlacht geschlagene Einheiten tatsächlich verloren gehen und nachgekauft werden müssen, aber nach einer Schlacht auch nur diejenigen Einheiten wichtige Erfahrungspunkte erhalten und befördert werden, die tatsächlich noch auf dem Feld sind, erahnt ihr die Komplexität und strategische Tiefe dieses auf den ersten Blick harmlos erscheinenden DS-Titels!

Fünf Fraktionen mit je acht verschiedenen Einheitentypen

Reist mit Gremlins und Golems im Gepäck: Nadia von Akademie.

Wie für die Heroes of Might & Magic-Reihe typisch, gibt es wieder mehrere ausbalancierte Fraktionen, jede mit ihren eigenen Stärken und Spezialeinheiten: Die Sylvaner sind das Naturvolk, das auf die Stärke von Bären, Druiden, Baumwesen, Einhörnern und Drachen setzt und deren Wälle in jeder Runde nachwachsen. Die Zuflucht-Fraktion hingegen entspricht noch am ehesten einem traditionellen mittelalterlichen Heer mit Bogenschützen, Rittern, Priestern und Schwertmeistern. Sie kann starke Wälle bauen. Das Inferno trumpft mit diabolischen Gestalten wie Kobolden, Höllenhunden, Succubi, Dämonen und Teufeln auf. Infernowälle verursachen bei den angreifenden Einheiten Feuerschaden. Die Akademie setzt ganz auf Magie und schickt Gremlins, Golems, Zauberer, Djinns und Riesen ins Feld. Akademiewälle werden umso stärker, je länger sie sind. Zu guter Letzt mischt auch die Nekropolis mit, hier tummelt sich alles Untote wie Skelette, Zombies, Vampire, Geister und Knochendrachen. Die Nekropolis kann sogar aus den Knochen der eigenen Gefallenen ihre Wälle errichten.

Helden gesucht

Auch Helden gehen mal in die Kneipe.

Wer aber sind die Feldherren? Passionierten Heroes of Might & Magic 5 -Spielern sollten sie bekannt vorkommen, wird doch in Clash of Heroes die Jugendgeschichte von fünf der dortigen Haupthelden erzählt. Die Handlung spielt rund 40 Jahre vor den Ereignissen in HoMM 5: Die Welt Ashan wird von der Parallelwelt Sheogh bedroht, in der Dämonen gefangen sind. Während einer Mondfinsternis können diese Dämonen nach Ashan kommen, und sie versuchen, die Klinge des Bindens in ihre Gewalt zu bringen, ein magisches Artefakt, welches die Kraft hat, die Dämonen zu unterwerfen.

Das wiederum ruft unsere Helden auf den Plan, Anwen, Fiona, Godric, Aidan und Nadia, von denen jeder - erraten - mit einer anderen Fraktion in die Schlacht zieht und seine Truppen mit eigenen Zaubersprüchen unterstützen kann. So lässt etwa Nadia von der Akademie Blitzschläge auf das gegnerische Heer los, während Godric von Zuflucht per magischer Barriere die Verteidigung stärkt.

Mehrspieler möglich

It´s a kind of... (Might and) Magic!

Neben der Solokampagne sind auch Modi für mehrere Spieler vorgesehen: Bereits mit einem einzigen Spielmodul könnt ihr Schlachten zu zweit austragen. Allerdings sind dabei die Fraktionen festgelegt, ein Spieler führt mit Godric die Armee von Zuflucht in den Kampf, während Spieler zwei als Aidan die Inferno-Heere befehligt.

Hat jeder von euch ein Modul erstanden, können sich beide Spieler vor Beginn der Schlacht einen von zehn verschiedenen Helden aussuchen, von denen alle über unterschiedliche Zauber und Mauerfähigkeiten verfügen. Desweiteren sind auch das Artefakt und die Armeeeinheiten frei auswählbar, so dass bereits eine gute Vorbereitung auf den Kampf spielentscheidend sein kann.

Woanders schon ein Hit

Feierlicher Schwur oder Beschwörung? Bald werden wir es wissen!

Im englischsprachigen Ausland ist Clash of Heroes bereits erschienen und wird einhellig bejubelt: Nintendo Power bemerkt, dass die ausgetüftelten Puzzle-Schlachten und die sich rasant entwickelnde Geschichte dazu führen, dass man das Spiel leicht beginnen, aber nur schwer wieder aus der Hand legen könne. Games Master UK beschreiben es als "herausfordernd, suchterzeugend und großartig", während 9Lives das Werk allen Rollenspielfans und Puzzle-Liebhabern empfiehlt: "Die Schlachten im Puzzle-Stil benötigen Geduld und taktische List, aber trotz des Einfallsreichtums bleibt es zugänglich, fordernd und abwechslungsreich." Dementsprechend errechnen Metacritic.com eine durchschnittliche Bewertung von 86 von 100 Punkten! Wie gut Might and Magic Clash of Heroes in Deutschland einschlägt, werden wir voraussichtlich ab Ende Januar 2010 erfahren.

Fazit

von Roland Mühlbauer

Ich weiß nicht, wie lange ich insgesamt vor den ersten drei Teilen der Heroes-Saga gesessen habe, aber ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welchen ungeheuren Reiz das Aufbauen von schlagkräftigen Fantasyheeren damals auf mich ausübte, bis schließlich auch die letzte Kampagne zu Ende gespielt war. Erst mit dem verschlimmbesserten Heroes of Might & Magic 4 wurde ich der Serie untreu. Um so mehr empfand ich dann wieder Puzzle Quest als Meilenstein, das nicht eher weggelegt wurde, bis ich das Spiel mit allen vier möglichen Klassen durchgespielt hatte. Und nun verspricht Clash of Heroes also das Beste aus diesen Spielejuwelen zu etwas einzigartigem neuen zusammenzufügen, und das auch noch im Hosentaschenformat für unterwegs! Schöne neue Spielewelt, ich bin dabei!


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