King Arthur (PC)
Artikel veröffentlicht am 19.12.2009
Im legendären Britannien des frühen Mittelalters zieht der sagenhafte König Artus mit den Armeen der Menschen und Geisterwesen gegen das namenlose Böse. Der ungarische Entwickler NeoCore Games arbeitet derzeit an einem Spiel, das Total War mit Heroes of Mights and Magic verbinden soll. Wir konnten die Preview-Version bereits für euch spielen. Von Philipp Rauh
Auf den ersten Blick hat King Arthur: The Role Playing Wargame viel mit dem erfolgreichen Empire Total War gemeinsam. Ihr befehligt Armeen, angeführt von einzigartigen Oberbefehlshabern mit individuellen Stärken und Schwächen, über eine detailierte 3D-Karte der britischen Insel. Trefft ihr während eines Zuges auf ein gegnerisches Heer, wechselt das Spiel in den taktischen Modus und ihr werft eure vorher rekrutierten, wackeren Krieger in Echtzeit gegen den Feind. Tausende Polygonsoldaten hauen und stechen sich daraufhin gegenseitig das virtuelle Kriegswerkzeug um und in die Ohren, bis eine Seite komplett aufgerieben ist oder flieht. Klingt wie jedes andere Strategiespiel? So weit, so falsch. Denn King Arthur ist gleichzeitig auch ein Rollenspiel. Wirklich! Doch dazu später mehr.
Rebellen hier, schleimiges Viehzeug da
Das Spiel entführt euch in der Rolle eines Heerführers in das frühmittelalterliche Britannien. Doch ihr seid nicht irgendein dahergelaufener Wald- und Wiesendespot. Nein, ihr seid der legendäre König Artus selbst. Nachdem ihr das mächtige Schwert Excalibur aus dem Stein gezerrt und die königliche Macht an euch gerissen habt, müsst ihr das Land vereinen. Denn kaum ein Adeliger erkennt euch als wahren Herrscher an. Da hilft nur eins: Eine Armee ausheben und den aufmüpfigen Grafen zeigen, wo der Artus die Kronjuwelen hat. Doch die neidischen Untergebenen sind nicht das größte Problem, denn in Britannien häufen sich Gerüchte über mordlüsterne Dämonen und rachsüchtige Geister. Es liegt an euch, eine geeinte menschliche Armee aufzustellen und das höllische Getier dahin zurückzujagen, wo es her kam.
Frostige Soldaten marschieren nicht
Bei dieser Geschichte wundert es wohl wenig, dass die meiste Zeit des Spiels auf dem Schlachtfeld verbracht wird. In dieser Echtzeitkomponente steuert sich King Arthur sehr instinktiv. Das Interface ist zwar eindeutig von Total War abgekupfert, funktioniert aber dementsprechend gut. Hier gilt: Lieber gut geklaut, als schlecht selbst erfunden. Auf der Weltkarte zieht ihr eure Armeen in Runden über das Land. Dabei entspricht jede Spielrunde einer Jahreszeit. Während des Winters können eure Armeen jedoch weder marschieren noch kämpfen, dafür fließen die Steuern der Untertanen zum Jahresende in die Staatskasse. Das ist also die perfekte Jahreszeit, um neue Soldaten zu rekrutieren und die Schritte für das nächste Jahr zu planen.
So viele Entscheidungen...
NeoCore Games legt großen Wert darauf, den strategischen Part möglichst stimmig mit Rollenspielelementen zu verbinden. Eines dieser Elemente kommt zum Beispiel bei dem Lösen der Quests zum Tragen. Die Hauptkampagne ist in mehrere Kapitel eingeteilt und diese bestehen wiederum aus mehreren Quests. Meistens könnt ihr diese Aufgaben auf zwei Arten erledigen: Die böse Variante, zum Beispiel minimal bewaffnete Burgherren in ihren eigenen vier Wänden meucheln. Oder die brave Variante, etwa den armen Burgherren ein Schwert in die Hand drücken und ihn verteidigen. Je nachdem wie ihr euch so im Laufe des Spiels entscheidet, verändert sich die Gesinnung von Artus und ihr erhaltet Zugriff auf unterschiedliche Einheitentypen, Zaubersprüche und Fähigkeiten. So rekrutieren großherzige Monarchen goldene Reiter, während hinterhältige Tyrannen schwarze Ritter in die Schlacht schicken.
Mana Mana do doo be-do-do
Aber auch bei der Entwicklung eurer Heerführer merkt ihr den Rollenspieleinfluss. Ebenso wie der König können auch diese wackeren Helden tyrannisch oder barmherzig agieren. Ihr dürft sie mit erbeuteten Artefakten ausstatten, jeder Held hat eigene Skillbäume, die ihr nach einem Levelanstieg durch das Schlagen von Schlachten weiter ausbauen können. Auch hier gilt: Je nach Gesinnung des Helden werden andere Fähigkeiten freigeschaltet. Böse Recken können so etwa mit einem Zauber ganze gegnerische Einheiten ausrotten, gute Kämpfer beschützen ihre eigenen Männer mit einem Schutzschirm vor feindlichen Pfeilen. Das eröffnet euch im Kampf ganz neue taktische Möglichkeiten, aber achtet immer auf den Manabalken eurer Helden. Denn ist der aufgebraucht, steht ihr bereits nach kurzer Zeit ganz ohne himmlische Unterstützung da.
Technik, die begeistert
Der technische Unterbau von King Arthur gefällt uns bereits. Die Grafik-Engine zaubert wahrlich märchenhafte und sehr detaillierte Szenen auf den Bildschirm und ist zudem sehr genügsam, was die Leistung eures Rechenknechts anbelangt. In der stärksten Zoomstufe erkennt ihr jeden Gesichtszug eurer Krieger, Blut benetzt das Gras der Schlachtfelder. Einziger Manko: Derzeit verteilen die Soldaten in den Kämpfen oft Luftschläge, da die Animation zwar abgespult wird, aber sich kein Gegner in Reichweite befindet. Das trübt die Atmosphäre im Kampf etwas. Über den Sound lässt sich ebenfalls nichts Negatives berichten. Die Hintergrundmusik plätschert mittelalterlich vor sich hin, und Schlachtenatmosphäre kommt dank dem Ächzen und Stöhnen der unzähligen Soldaten ebenfalls auf. Das ist wirklich großes Kino!
Fazit
von Philipp Rauh
King Arthur kann etwas wirklich Großartiges werden. Die märchenhafte Atmosphäre zieht euch von Anfang an in den Bann, die Kämpfe lassen sich intuitiv steuern. Klar, sehr viel erinnert stark an Total War. Aber die Rollenspielelemente, die ausbaufähigen Helden, die "Gut-oder-Böse"-Entscheidungen bei den Quests, all das versprüht einen sehr innovativen Charme. Jetzt bleibt abzuwarten, ob NeoCore Games die letzten Macken bis zum Release ausmerzen kann und vielleicht auch noch etwas am recht deftigen Schwierigkeitsgrad schraubt.
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