King Arthur (PC)
Artikel veröffentlicht am 26.01.2010
Die etwas andere Geschichtsstunde: Im frühmittelalterlichen Britannien vermöbeln mies gelaunte Riesen ganze Armeen, während Dämonen wie ein schwarzer Schatten über das gebeutelte Land kriechen. In der Rolle des legendären König Arthur macht ihr euch daran, die Menschheit zu retten - oder sie zu unterwerfen. Von Philipp Rauh
Ihr gegen den Rest der Unterwelt
Britannien ächzt unter den endlosen Fehden rivalisierender Lords. Intrigen und Bürgerkriege prägen den Alltag. Damit nicht genug: In den abgelegenen Gebieten lauert ein übernatürlicher Feind. Das Böse selbst sammelt Dämonen und Wesen aus der Hölle, um die Macht auf der Insel an sich zu reißen. Hier kommt ihr ins Spiel. Als frisch gekrönter König Arthur mischt ihr die rebellischen Grafen auf und versammelt eine riesige Armee aus Menschen und Fabelwesen, um die britische Krone zu sichern. Ob ihr dabei als Wohltäter oder Schlächter regiert, liegt ganz allein bei euch.
Im Winter marschieren? Doof.
Wie aus dem großen Vorbild Total War bekannt, zieht ihr rundenbasiert auf der Strategiekarte Armeen über das mystische Britannien, immer auf der Suche nach neuen Quests, Schlachten oder gegnerischen Provinzen. Wird euch eine Aufgabe gestellt, habt ihr die Wahl zwischen einer guten und einer bösen Lösung. Es steht euch frei: Wollt ihr ein barmherziger König sein, oder der tyrannische Arthur von nebenan?
Je nach eurer Wahl erhaltet ihr andere Belohnungen, und eure Gesinnung verändert sich. Die wiederrum bestimmt, welche Einheiten ihr rekrutieren könnt. Gekämpft wird unterdessen nur in den schneefreien Jahreszeiten. Im Winter rekrutiert ihr hingegen neue Soldaten und levelt altgediente Haudegen auf, während eure Armeen bewegungs- und kampfunfähig in befestigten Lagern Däumchen drehen.
Alles nur geklaut?
Die Echtzeitkämpfe spielen sich genretypisch: Vor der Schlacht bringt ihr eure Verbände in Position und taktiert dann solange herum, bis eurem Gegner die Soldaten oder Moralpunkte ausgehen. Nebenbei nehmt ihr auf der ganzen Karte verteilte Siegpunkte ein, um wichtige Boni zu erhalten, etwa frisches Mana oder bessere Moral. Davon abgesehen spielt sich das Ganze wie Total War, inklusive Interface und Steuerung. Was nicht negativ gemeint ist.
Getrübt wird das Taktieren allerdings durch das unausgegorene Balancing. Denn die gefürchtetsten Einheiten sind in King Arthur nicht etwa magiebegabt, sondern hampeln eigentlich öfters ehern unscheinbar in der zweiten Reiher herum: Je mehr Bogenschützen ihr habt, desto besser. Mit weniger als fünf Verbänden dieser nervösen Sehnenspanner habt ihr im Kampf kaum eine Chance.
Nur für Sanftmütige
Das Balancing ist nichts für Spieler mit cholerischen Neigungen. Nach den ersten fordernden Scharmützeln in der Kampagne zieht der Schwierigkeitsgrad streckenweise enorm an. Vermutung A: Die Computergegner haben vermutlich die besseren Handwerker, fleißigeren Bauern und härteren Rekruten in ihren Provinzen leben. Vermutung B: Euer eigenes Völkchen ist total inkompetent und ohne jeden Überlebensinstinkt. Regelmäßig werden eure liebevoll aufgebauten Armeen von den "Hightech"-Truppen der Rivalen demontiert. Dagegen helfen nur beißfeste Tastaturen, schallisolierte Räumlichkeiten und der häufige Gebrauch der Quicksave-Funktion.
Gefährliche Zaubertricks
Der Rollenspielaspekt ist von NeoCore Games sauber integriert worden. Nach und nach füllt ihr die leeren Stühle eurer Tafelrunde mit legendären Rittern, rüstet sie aus und schickt sie an der Spitze eurer Armeen in die Schlacht. Durch das Absolvieren von Quests erbeutet ihr regelmäßig mächtige Artefakte, die euren Recken mehr Biss geben. Außerdem verfügt jeder Ritter über spezielle Fähigkeiten und Zaubersprüche, so gehen schon einmal ganze gegnerische Verbände in Flammen auf, nachdem sie einem eurer Ritter zu dicht auf die Pelle gerückt sind. Gerade diese Spezialattacken entscheiden, richtig eingesetzt, oft über Sieg und Niederlage. Aber achtet auf die Manaanzeige: Kein Mana - keine Magie.
Oh wie bist du schön
In der grafischen Umsetzung muss sich King Arthur nicht vor dem Klassenprimus Total War verstecken. Die strategische Übersichtskarte ist malerisch gestaltet und wahnsinnig detailverliebt. Aber auch während der Echtzeitkämpfe legt sich die Grafik-Engine mächtig ins Zeug. Die vielen verschiedenen Einheiten wurden toll in Szene gesetzt, so dass schnell ein "Mitten drin statt nur dabei"-Gefühl entsteht.
Einziger Makel an der sonst tadellosen Präsentation: Die Quests werden mit unvertonten Textkarten abgehandelt, die irgendwie an Adventures aus dem letzten Jahrhundert erinnern. Dabei ist die deutsche Synchronisation sehr gut gelungen und trägt seinen Teil zu der tollen Atmosphäre bei. Untermalt wird das Schlachtenschlagen mit mittelalterliche Musik, die dezent im Hintergrund spielt und während des Kriegsgetöses eindrucksvoll und bedrohlich anschwellt.
Schlecht repariert
Zu unserer Preview lag die bereits im November erschienene englischsprachige Verkaufsfassung vor. Bugtechnisch hat sich da zur deutschen Version wenig getan. Leider. Die teils ungenau abgespulten Kampfanimationen wurden ebenso wenig ausgebügelt wie die hakelige Kamerabedienung während der epischen Schlachten. Die ist leider dermaßen umständlich geraten, dass sie anfangs von den Echtzeitgefechten ablenkt. Gerade hier hätte Entwickler NeoCore Games auf das kritische Feedback der englischsprachigen Community mit einer simplen Tastenumbelegung reagieren und punkten können. Immerhin wurden in der deutschen Version bekannte technische Probleme behoben, etwa gelegentliche Abstürze.
Fazit
von Philipp Rauh
Leider bin ich minimal cholerisch veranlagt. King Arthur macht vieles richtig, besticht mit seiner Grafik, seiner Atmosphäre und seinen innovativen Ideen. Andererseits befürchte ich jedes Mal das Schlimmste für meinen Monitor, wenn meine Armeen immer und immer wieder von magischen Riesen über den Jordan geprügelt werden, immer dann also, wenn meine Maus durch das Zimmer segelt. Dennoch fesselt mich das Spiel mit seiner taktischen Tiefe und der spannenden Hintergrundgeschichte. Deswegen gibt es für frustresistente Freunde des Genres und Masochisten eine klare Kaufempfehlung.
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