Command & Conquer 4 (PC)
Artikel veröffentlicht am 09.01.2010
Electronic Arts nimmt die Begriffe Command & Conquer beim Wort und krempelt das bekannte Strategiespiel komplett um. Befehlen & Erobern - das ist der Kern, auf den sich jetzt alles konzentriert. Wir konnten die Beta-Version spielen und erleben, wie weitreichend die Serie verändert wurde. Von Frank Hinken
Aus alt mach neu
An das alte Command & Conquer erinnert praktisch nur noch der Titel. Außer den ewigen Rivalen NOD und GDI ist nicht viel Bekanntes übrig geblieben. Tiberium? Gibt's praktisch nicht mehr. Die lieb gewonnenen, aber total dämlichen Ernter logischerweise auch nicht mehr. Bauhöfe? Kraftwerke? Fehlanzeige.
Stattdessen gibt es jetzt eine mobile Baueinheit, den "Crawler". Der ersetzt den Bauhof und sämtliche anderen Gebäude. Diese Einheit platziert ihr einfach im Startgebiet einer Karte, und bewegt sie wie jede andere Einheit auch zu irgendeinem Punkt der Karte. Während der Fahrt zum Ziel kann der Crawler bereits Einheiten produzieren. Auf Knopfdruck entpackt sich der mobile Bauhof vorübergehend zu einem festen Gebäüde, und alle produzierten Einheiten strömen heraus.
Unterhaltskosten
Da es kein Tiberium mehr gibt, fließt auch kein Geld mehr auf ein Konto: Sämtliche Einheiten, die ihr produzieren könnt, kosten nichts mehr. Um aber nun der reinen Massenproduktion von Kriegsgeräten vorzubeugen, hat Electronic Art die Commando-Points eingeführt. Jedem Spieler steht nur ein gewisses Kontingent an Punkten zur Verfügung.
Jede Einheit, die gebaut wird, verbraucht ein paar dieser Punkte. Je größer und schlagkräftiger das Teil ist, desto mehr. Der Crawler hört automatisch auf zu produzieren, wenn das Limit erreicht ist. Aber ihr könnt schon mal weitere Fahrzeuge in Auftrag geben. Solltet ihr im Kampf ein Vehikel verlieren, wird automatisch das nächste aus der Liste nachgebaut.
Crawler von der Stange
Und wenn ihr die mobile Baueinheit verliert, könnt ihr nach kurzer Zeit im Startgebiet einen neuen Crawler platzieren und euch erneut ins Getümmel werfen. Dadurch ist Command & Conquer im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich schneller und actionreicher geworden.
Und da ihr den Gegner nicht mehr vernichten könnt, gibt es strategisch wichtige Gebäude auf der Karte, die Punkte bringen, wenn sie euch gehören. Die Punkte nehmt ihr wie bei Battlefield ein, indem ihr einfach ein Fahrzeug daneben parkt. Die Partei, die die meisten Fahrzeuge an so einem Punkt hat, wird auf kurz oder lang das Gebäude einnehmen. Wenn ihr euer Punktekonto gefüllt habt, habt ihr gewonnen. Das bringt zwar Action, aber leider keinen Tiefgang. Durch die mobilen Crawler, die so gut wie immer mit an die Front geschleppt werden, gibt es einen praktisch unendlichen Nachschub an Einheiten.
Offensiv, defensiv oder Support?
Große Armeen sind passé, sinnfreies Rumgeholze und großzügiges Verheizen der Einheiten an der Tagesordnung. Auch mit dem Crawler wird entsprechend unvorsichtig umgegangen. Schließlich gibt es ja einen neuen, wenn der Alte hin ist.
Ein zerstörter Crawler ist wie ein Neueinstieg in das Spiel. Jedes mal, wenn ihr die zentrale Einheit neu aufstellen könnt, müsst ihr euch entscheiden, welche taktische Ausrichtung das Gefährt haben soll. Zur Auswahl stehen offensiv, defensiv und Support. Als offensives Baufahrzeug steht euch natürlich ein riesiges Sortiment der fettesten Artillerie zur Verfügung, die eure Fraktion zu bieten hat. Angefangen bei den Ingenieuren über die Laser-Tanks bis hin zu den Mastodons. NOD und GDI haben natürlich jeweils einen eigenen Fuhrpark.
Laserguns und Spinnen
Die Bruderschaft von NOD setzt wie früher schon gerne mal experimentelles Kriegsgerät ein. Entsprechend abenteuerlich sehen ihre Fahrzeuge aus, und entsprechend vielseitig sind ihre Fähigkeiten. Der Scorpion ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein Skorpion auf Ketten, der anstelle eines Stachels im Schwanz eine dicke Laserkanone verbaut hat.
Wohingegen der Spider Tank aussieht wie eine kleine Spinne. Alleine ist dieses arachnide Fahrzeug ziemlich schwach auf der Brust und wird vom Feind schnell weggeblasen. Allerdings verstärken sich ihre Fähigkeiten, wenn sie im Rudel auftreten. Da sie nur sehr wenig Kommando-Punkte benötigen, ist ein großes und damit äußerst gefährliches Spinnenheer schnell aufgestellt.
Star & Wars bei Command & Conquer
Die GDI hingegen setzt mehr auf die klassischen Fahrzeuge. Ihre Flotte sieht konventionell aus, ist aber deshalb keineswegs ungefährlicher. Der Hunter ist ein sehr schneller, kleiner Panzer mit leichter Artillerie. Ideal zum Erkunden des Areals und vernichten neugieriger Gegner.
Der Mammut-Panzer ist ja schon aus älteren Command & Conquer-Teilen bekannt. Auch er kann Spiegelbilder von sich erstellen und so dem Feind ein großes Heer vorgaukeln. Das Flaggschiff der GDI-Truppen ist der Mastodon. Er sieht ein wenig so aus wie der vierbeinige AT-AT in Star Wars, und ist entsprechend langsam unterwegs. Allerdings verfügt es über eine enorme Feuerkraft und verteilt permanent Flächenschaden auf alle umliegenden Feinde. Er ist damit ein ziemlich große Gefahr für alle Gegner.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Die defensive Haltung mit dem entsprechenden Crawler ist die einzige Möglichkeit, Gebäude herzustellen und zu platzieren. Da es für die Gebäude keine Kommando-Punkte gibt, müsst ihr hier den Energieverbrauch im Auge behalten. Jedes Gebäude verbraucht Strom, und der Crawler bringt nur eine relativ kleine Menge Energie mit sich.
Der Crystal-Shield, mit dem ihr Teile eurer Stellung in einen Schutzschild hüllen könnt, kostet schon fast ein Drittel des verfügbaren Stroms. Und die Ionen-Kanone, die ultimative Laserkanone der GDI, verbraucht schon mehr als die Hälfte, genau wie der Temple of NOD, das Pendant der Bruderschaft zur Laserkanone. Eine richtige Basis könnt ihr damit zwar nicht bauen, allerdings hervorragend Schlüsselstellen auf den Karten verteidigen.
Unterstützung naht
Der Support-Crawler bringt weder gigantische Armeen noch schlagkräftige Gebäude mit sich. Er ist ein reiner Unterstützer. Mit dieser mobilen Baueinheit könnt ihr diverse fliegende und auch ein paar fahrende Einheiten bauen, die meist passive Fähigkeiten mitbringen.
Die Flieger stärken durch ihre pure Anwesenheit die Moral der eigenen Truppen und erhöhen dadurch ihre Feuerrate. Der Leviathan der GDI hat Drohnen an Bord, mit denen ihr die Karte teilweise aufdecken könnt. Außerdem verstärkt er die Rüstung aller umstehenden Einheiten. Außerdem könnt ihr durch Power-Ups diverse Support-Fähigkeiten aktivieren, die logischerweise auch Punkte kosten und ein eigenes Konto haben.
Und noch ein Punktekonto
Grundsätzlich habt ihr die Möglichkeit, all eure Fahrzeuge, Flugzeuge oder Gebäude aufzuwerten. Egal, in welcher Haltung ihr euch befindet, stehen euch diverse generelle Upgrades zur Verfügung. Die Palette der Verbesserungen ist breit gefächert, und beinhaltet größtenteils direkte Optimierungen der Flotte, wie Erhöhung der Reichweite, des Tempos oder packt die Einheiten bei Treffern kurzzeitig in einen Schutzschild.
Bezahlt werden müssen diese Dinge mit Upgrade-Points. Die könnt ihr sammeln, indem ihr Tiberium-Kristalle auflest und zur Basis bringt. Diese Kristalle erscheinen hin und wieder an bestimmten Punkten der Karte. Dabei spielt es keine Rolle, welches eurer Vehikel den Kristall aufsammelt. Jeder kann einen bei sich tragen. Allerdings wird die Einheit mit dem Tiberium an Bord deutlich langsamer und verliert all seine Spezial-Fähigkeiten.
Fazit
von Frank Hinken
Das neue Command and Conquer hat mit den vorherigen Teilen der Serie herzlich wenig zu tun. Electronic Arts geht einen komplett neuen Weg. Fort vom Basenbau und Mikromanagement, hin zu Action und Tempo. Damit wird EA vielen altgedienten Fans der Serie vor den Kopf stoßen, allerdings auch viele neue Fans dazugewinnen. Zwar bietet das Spiel im aktuellen Stand der Beta nicht sonderlich viel Tiefgang, aber für eine schnelle Partie zwischendurch ist das Spiel Ideal. Einloggen, Crawler auswählen, losholzen! Wenn EA dem Spiel jetzt noch etwas mehr strategischen Anspruch und Tiefgang verleiht, steht einer zukünftigen Top-Ten Platzierung nichts mehr im Weg.
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