Napoleon - Total War (PC)
Artikel veröffentlicht am 20.01.2010
Brachialer Kanonendonner, herzzerreißende Sterbensschreie und knatternde Musketensalven begrüßen uns bei Segas Präsentation von Napoleon - Total War. Zwei Stunden lang haben wir das alleinstehende Addon auf Herz und Nieren geprüft und die Jungs von Creative Assembly mit Fragen bombardiert.
Von Nils FreitagWas steckt drin im Addon?
Drei neue Kampagnen haben den Weg in das Spiel Napoleon - Total War gefunden. Diesmal gilt es nicht die Welt, sondern "nur" Europa zu erobern. In der Rolle des kleinwüchsigen und leicht größenwahnsinnigen Generals Napoleon arbeitet ihr euch vom Heerführer hoch bis zum Kaiser - sofern ihr den anspruchsvollen Feldzügen gewachsen seid. Erst in der dritten Kampagne, dem Krieg um Europa, stehen euch alle Fraktionen offen.
Der Aufstieg Napoleons
Nach überstandenem Tutorial steht der Feldzug gegen Italien auf der Tagesordnung. In der ersten Kampagne, ebenso wie in der darauf folgenden, seid ihr auf die Rollen Napoleons und seine französischen Truppen beschränkt. Im Gegensatz zu Empire - Total War ist es in der Italien-Kampagne nicht notwendig, alle Städte einer Provinz einzunehmen. Wichtige Hauptstädte sind die primären Ziele Napoleons, während kleinere Städte einfach geplündert werden.
Der kleine Wadenbeißer hat sich bisher noch keine Lorbeeren verdient, ihr müsst den ersten Feldzug also vorerst mit schwachen und noch unerfahrenen Bataillonen bestreiten. Auch nach einer halben Stunde Spielzeit müssen wir noch immer über den kleinen Napoleon Bonaparte schmunzeln, der sich bei Auswahl mit einem freundlichen "Oui" meldet. Dazu sei angemerkt, dass sich jede Fraktion in der eigenen Landessprache äußert, die Texte sind natürlich allesamt übersetzt. Auf euren knuffigen Heerführer müsst ihr übrigens gut acht geben. Sollte der kleine Mann trotz seiner geringen Angriffsfläche mal einer Kugel zum Opfer fallen, bringt ihn seine Leibgarde für längere Zeit nach Paris zur Kur, was dramatische Auswirkungen auf die Moral der zurückbleibenden Truppen hat.
Zu Land und zu Wasser
Anders als in Empire - Total War müsst ihr eine Kampagne erst erfolgreich beenden, bevor ihr euch neuen Zielen widmen könnt. Sobald Italien gefallen ist und ihr als siegreicher Held in Paris gefeiert werdet, steht euch der zweite Feldzug offen. In Ägypten und dem nahen Osten macht ihr erste Erfahrungen mit den überarbeiteten Seeschlachten, die im Vorgängertitel äußerstes Micro-Management erforderten. Wirklich geändert hat sich das nicht, ganz im Gegenteil. Auch in Napoleon - Total War sind die Seeschlachten nur für echte Taktikprofis dauerhaft zu meistern. Sobald die Flotte mehr als zehn Schiffe umfasst, empfehlen wir euch, den Computer die Drecksarbeit machen zu lassen. Interessant ist die Option, Ladung und Kanonen über Bord zu werfen, um das Schiff schneller zu machen und auf See zu reparieren.
Flickenteppich Europa
Solltet ihr die Weltkarte des Vorgängers noch im Kopf haben und euch nun wundern, wieso die neuen Kampagnen nur so kleine Gebiete umfassen, hier die Antwort auf die berechtigte Frage. Während eine Provinz in Empire - Total War teilweise ein ganzes Land darstellt (Spanien beispielsweise), sehen die Länder des Addons aus wie ein Flickenteppich. Die Tatsache, dass Napoleon - Total War also nur ein erweitertes Europa als Schauplatz bietet, heißt nicht, dass es weniger Provinzen zu erobern gibt.
Außerdem bekommen einige Gebiete ganz neue Priorität. Sie bieten euch wichtige Vorteile, zum Beispiel verbesserte Pferdezucht nach erfolgreicher Eroberung des Gebiets. Auch der Städtebau wurde erweitert. Drei unterschiedliche Ausrichtungen stehen euch neuerdings beim Ausbau der zuerst kümmerlichen Dörfer zur Auswahl. Die Industriestadt rekrutiert die stärksten Truppen, während Wirtschaftsmetropolen die Staatskasse aufbessern und den Nachschub sichern. Bildungshochburgen konzentrieren den notwendigen Gehirnschmalz für Forschung, sind aber auch potenzielle Herde für Aufstände.
Nachschub im russischen Winter
Dem Nachschub fällt in den napoleonischen Kriegen eine ganz besondere Rolle zu, da die neu eingebauten Jahreszeiten und Klimazonen ihren Tribut fordern. Ohne ein Depot in Reichweite sterben eure Soldaten wie die Fliegen. Besonders der russische Winter und die unbarmherzige Sonne Afrikas strapazieren eure Truppen auf das Äußerste. Der Einbau von Jahreszeiten wirkt sich um so stärker auf eure Taktik aus, da eine Spielrunde nur noch einen Zeitraum von zwei Wochen umfasst - und der Winter entsprechend lang ist. Gebäude und Einheiten werden dadurch, im Vergleich zu Empire - Total War, deutlich langsamer fertiggestellt und Feldzüge komplizierter zu planen.
Bildungsalarm!
In den Schlachten mit dem osmanischen Reich geschwächt und vom Schwarzen Tod heimgesucht, verwehrt euch auch noch die englische Royal Navy die Rückkehr nach Frankreich. Die schießwütigen Expeditionstruppen, verantwortlich für die nasenlose Sphinx, hängt ihr aber ab und entkommt mit knapper Not nach Frankreich, wo euer General als Volksheld gefeiert wird. Die erbeuteten Schätze fallen den Engländern in die Hände - noch heute ist der historisch wichtige Plunder im British Museum in London zu finden. Soviel zur Bildung, zurück zum Spaß!
Wieder in Frankreich angekommen, strebt Napoleon die Herrschaft über ganz Europa an. In dieser dritten Kampagne seid ihr nicht länger an Frankreich gebunden, und so könnt ihr auch mit England, Preußen, Österreich und weiteren historischen Parteien diesen Feldzug bestreiten. Die Geschichte umschreiben war schon immer ein Highlight in der Total-War-Serie und macht auch in diesem Teil richtig Laune.
Das ist neu in Napleon - Total War
Mit leuchtenden Augen präsentiert uns PR-Manager Mark O'Connell von Creative Assembly die Neuerungen der Echtzeitschlachten. "Hab ich euch eigentlich schon gesagt, dass Napoleon - Total War 355 verschiedene Einheiten für euch bereit hält? Toll, nicht wahr?" Schon beim Ladescreen zeigen sich weitere Änderungen. Endlich keine Artworks mehr! Eine Aufstellungsvorschau gewährt euch schon während des Ladevorgangs Einblick in taktische Möglichkeiten. Die aufgewerteten Wettereffekte, beispielsweise flirrende Hitze, von donnernden Hufen aufgewirbelter Staub, Sand und Schnee sind ein zusätzlicher Teil der kleinen, aber feinen Verbesserungen. Auch Flüsse stellen keine großen Hindernisse mehr da. Sobald das Wasser flach genug ist, marschieren eure Truppen einfach hindurch und der in Empire - Total War sehr nervtötende Häuserkampf läuft jetzt deutlich schneller ab.
"Da, guck mal", zeigt uns Mark O'Connell ganz euphorisch eine Geschützbatterie. "Und jetzt schau, wo die Geschosse einschlagen." Wir verfolgen die Flugbahn der tödlichen Ladung in Zeitlupe und sehen die Kugeln auf dem gefrorenen Boden der Winterlandschaft aufklatschen, weiterhüpfen und eine blutige Schneise in die gegnerischen Linien schlagen. "Auf weichem Boden setzt die Kugel nicht mehrfach auf", berichtet Mark, "sondern schlägt mit voller Wucht ein und hinterlässt einen tiefen Krater, in dem Einheiten in Deckung gehen können. Je mehr der Boden einem Schweizer Käse ähnelt, desto langsamer bewegen sich die Truppen durch das Gelände."
Mit eigener Uniform in die Multiplayer-Schlacht
Ihr könnt die Europa-Kampagne von Napoleon - Total War zu zweit über LAN oder Internet spielen. Erfolge (Achievements), Gameplay-Boni, eine Sprechverbindung mit dem zweiten Spieler und ein Uniformen-Editor sind Teil des Online-Multiplayers via Steam. Auch für den Singleplayer-Modus steht eine richtig gute Mehrspieler-Option bereit. Die Aktivierung von "Drop in Battle" erlaubt anderen Spielern via Steam euren Gegner in den Echtzeitkämpfen zu steuern, was den Schlachtverlauf absolut unberechenbar macht.
Interview mit PR-Manager Mark O'Connell von Creative Assembly
Spieletipps: Wieso gerade die napoleonischen Kriege als Schauplatz? Eigentlich habt ihr die Epoche doch bereits abgefrühstückt.
Mark: Wir fanden, dass gerade diese für Europa so prägenden Zeit unbedingt eigene Spielinhalte verdient. In Empire - Total War lag der Fokus auf dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, während die europäische Geschichte gar nicht zur Geltung kam. Das wollen wir mit dem Napoleon-Addon ändern. Bei der Auswahl einer passenden Kampagne fiel unsere Wahl schnell auf den französischen Feldherrn - kein anderer General seiner Zeit hat das Gesicht Europas so stark verändert.
Spieletipps: Inwiefern habt ihr die KI der Computergegner verbessert? Erwarten uns neue Herausforderungen?
Mark: In der Tat haben wir die KI der Fraktionen sowohl in der Kampagne, als auch in den Echtzeitschlachten deutlich aufgewertet. Bisher hatte jeder NPC eine Prioritätenliste. Stand auf Punkt eins der französischen Fraktion die Einnahme Londons, so hat der Computergegner einen Feldzug auf die Stadt ausgeführt und bei Misserfolg einfach den nächsten Punkt der Liste in Angriff genommen. In Napoleon - Total War sind die NPCs deutlich hartnäckiger und werden verschiedene Wege ausprobieren, um ihre wichtigsten Ziele zu erreichen. Auch größere Landmassen sind jetzt deutlich schwerer zu halten, da die hinterhältigen Gegner immer zuerst die schwächste Stelle suchen, bevor sie einfallen. In den Kämpfen selbst reagieren die NPCs strategischer. Je nach Moral, Gelände und Truppen auf dem Schlachtfeld werden unterschiedliche Taktiken gegen den Spieler ausgeführt.
Spieletipps: Was darfst du uns über den Multiplayer des Addons noch erzählen?
Mark: Eigentlich nichts, nur soviel: Der Mehrspielermodus wird dem von Empire - Total War sehr ähnlich sein, wir haben aber noch ein paar kleine Überraschungen in petto. Euch erwartet eine ganze Menge diplomatischer Kniffe, mit denen ihr sowohl euren Mitspieler unterstützen als auch schaden könnt. Beispielsweise sind die NPC-Fraktionen einer Geldspende nie abgeneigt und dafür auch gerne bereit euren Mitspieler anzugreifen - sofern die Kasse stimmt.
Fazit
von Nils Freitag
Als Fan der Total War Serie hatte ich echte Probleme bei diesem Spiel nicht das Sabbern anzufangen. Fesselnde Echtzeitschlachten, anspruchsvolle Szenarien und taktisch herausfordernde Kampagnen, dafür steht Napoleon - Total War. Die kleinen Verbesserungen des eigenständigen Add-Ons runden das Spielgefühl zusätzlich ab. Einsteiger und auch Strategieprofis dürfen sich auf intensives Feldherren-Feeling auf den Schlachtfeldern Europas freuen. Besonders gefallen hat mir die "Drop in Battle"-Funktion. Scheinbar einfache Schlachten werden so zur echten Herausforderung.
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