Test Dark Void - Seite 4

Eigentlich geht es hier nach oben... oder doch nach unten?Eigentlich geht es hier nach oben... oder doch nach unten?

Vertikal und horizontal

Richtig gelesen. Zumindest horizontal. Ja, das steht da wirklich. Hier kommt ein sehr frisches und im ganz groben Ansatz sogar innovatives Element zum Vorschein. Stellt euch vor: Unter euch ist eine Schlucht gelegen, es gibt keinen richtigen Weg nach unten. Lediglich ein paar Vorsprünge könnten reichen, um mit dem Jetpack Meter um Meter herunterzukommen. Nun zeigt uns ein Symbol an, dass wir mit Hilfe der Deckungs-Taste an jenen Vorsprüngen in Deckung gehen können. Zack, gedrückt und schon befinden wir uns in vertikaler Sicht auf einem Vorsprung. Klingt komisch, ist aber so. Es sieht unheimlich cool aus, wenn uns die Gegner entgegenfallen, wenn wir sie weiter oben aus vertikaler Sicht erledigt haben. Allerdings bietet es keine neuen spielerischen Elemente. Zu sicher und zu konzentriert springt Will von Deckung zu Deckung, ob nun horizontal oder vertikal. Wir können kaum beim Deckungswechsel eingreifen.

Aber Dark Void kann auch motivierend sein. Wenn wir uns am Boden mit ebenfalls fliegenden Gegnern rumärgern, gehen wir eben in den Schwebemodus und können so die Gefechte intensiver, schneller und spannender erleben. Der Schwebemodus erfordert zwar etwas Geschick, bei richtiger Einarbeitung ist es aber tatsächlich motivierend, von oben die Aliens zu zerteilen. Die KI ist dabei extrem wechselnd. Von sehr gut beim taktischen Einkreisen bis zu demotivierend schlecht bei direkt auf uns zulaufende Gegner.

Endgegner oder Boss-Kämpfe? Gibt es nicht. Zumindest nicht wirklich. Nur im Ansatz.Endgegner oder Boss-Kämpfe? Gibt es nicht. Zumindest nicht wirklich. Nur im Ansatz.

Mit Gefühl

Im Übrigen solltet ihr nicht zuviele Boss-Kämpfe erwarten. Hier steckt auf dem Papier nämlich gewaltiges Potenzial in Dark Void. Bei diesem Alien-Krams und dem Jetpack hätte man fantastische Endgegner in der Luft und am Boden präsentieren können, stattdessen ist bei größeren Feinden meist nur sinnloses Rumgeballer von Nöten. Fordernd ist es dabei schon. Gerade in den ersten Stunden, wenn das erste größere Viech am Boden von uns in der Luft vernichtet werden muss. Die Flüge mit dem Jetpack sind nämlich rasant. Obwohl wir eventuell nur den Feind angreifen und nicht großartig ausweichen müssen, ist es dennoch extrem schwer, die Kontrolle zu behalten. Es bedarf eine Menge an Gefühl und Sensibilität, um den Rucksack auch in rasanten Gefechten gut zu steuern.

Obwohl Dark Void spielerisch kaum überzeugen kann, haben die Entwickler weitere Probleme eingebaut. So ist es zum Beispiel sehr komisch, wenn wir ein Raumschiff gekapert haben, die Kamera uns plötzlich unser nächstes Ziel anzeigt und wir danach wieder im Jetpack durch die Gegend düsen. Ein ziemlicher Schnitzer.

Too much

Außerdem erlebt ihr das Spiel eh erstmal in Englisch. Ja, wir wissen, dass das Menü in Deutsch ist, aber der Rest ist eben in Englisch. Und da standardmäßig die deutschen Untertitel NICHT aktiviert sind, wir aber davon ausgehen, erleben wir die ersten Zwischensequenzen in einer anderen Sprache. Capcom, hallo? Jemand da?

Das Problem, das dadurch resultiert, ist folgendes: Englische Sprachausgabe, deutsche Untertitel, dazu das Spiel, das wir steuern müssen - wir haben leider nur zwei Augen und ein Gehirn, liebe Entwickler. Viele Dinge, die nötig sind, um die nicht vorhandene Beziehung zwischen den Charakteren aufzuzeigen, verschwinden schnell im Wirrwarr der schnellen und effektvollen Zwischensequenzen oder Schlachten.

Meinung von Redaktioneller Mitarbeiter

Also wenn die U.S.S. Cyclops senkrecht in dieser Parallel-Welt steht und ich sie mit dem Jetpack erreichen muss, ist das schon irgendwie packend. Und auch die erste Schlacht gegen die Untertassen war unterhaltsam und rasant. Aber wenn Airtight Games vergisst, die sogenannte Abwechslung zu integrieren, kann all das nichts werden. Das ist das Problem: Dark Void klingt so herrlich fantastisch, frisch und irgendwie ein bisschen anders, aber selbst die französische Sprache klingt dann auch nicht mehr schön, wenn sie ein Schwabe benutzt. Worauf ich hinaus will - die Steuerung funktioniert problemlos und geht sogar erstaunlich gut von der Hand, allerdings sorgen die immer gleichen Kämpfe sowohl in der Luft als auch am Boden für Unmut. Das vertikale Deckungssystem ist im Ansatz interessant und kann in den ersten Stunden überzeugen, auf Dauer fühlt es sich aber einfach um 90 Grad gedreht an. Eine völlig emotionslose, unspannende und überzogene Geschichte frustet umso mehr, weil sie im Prinzip ganz interessant ist, aber total unterirdisch inszeniert wird.

Immerhin hat Dark Void seine Momente. Und wenn es nur die unfreiwillige Komik bei idiotischen Zwischensequenzen ist oder der eine Moment an Spaß, wenn wir das erste Mal ein Raumschiff kapern. All das reicht aber nicht, da zwar alles im Ansatz irgendwie gut ist, der Ansatz jedoch bald verschwindet. So hat Airtight Games nur auf dem Papier ein ordentliches Spiel hinbekommen. Ich schätze, sie haben sich einfach übernommen.

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meint: Eine unterirdische Geschichte macht den Ausflug ins Bermudadreieck zum unfreiwilligen Witz. Lediglich die Jetpack-Gefechte machen Anfangs Spaß.

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