Test

Mass Effect 2: Noch besser als Teil eins?

26. Jan 2010

Och menno. Schon Sonnenaufgang.

Das Safe-Knacken-Memory wird auf Dauer leider ziemlich ermüdend und langweilig.

Womit wir bei einem generellen Problem von Mass Effect 2 wären: Es ist kinderleicht. Rätsel gibt es - wenn überhaupt - nur in der "da wäre jetzt auch meine siebenjährige Nichte drauf gekommen"-Variante, und wer das Ganze auf Normal spielt, der muss sich schon verflixt anstrengen, um bei den Kämpfen ins Gras zu beißen. Spezialfähigkeiten jedenfalls haben wir auf diesem Schwierigkeitsgrad so gut wie nie benötigt - und eigentlich hätten wir auch Shepard nicht benötigt, denn richtig geskillt machen unsere beiden Kameraden die meisten Gegnerwellen auch ohne uns platt.

Das Komische ist: Wirklich gestört hat's uns nicht. Mass Effect 2 trifft nach stotterndem Start genau das richtige Tempo. Es gibt immer was zu tun, die Kameraden wachsen uns ans Herz, und wer eine Herausforderung sucht, der schraubt den Schwierigkeitsgrad eben manuell nach oben. Ehe man es sich versieht, erwischt einen das alte "nur noch diese eine Mission"-Syndrom - und schwupps, ist die Nacht verzockt.

Im Weltraum hört dich keiner gähnen

Es hat sich schon mal jemand totgescannt - glauben wir jedenfalls.

Das heißt ... wenn man nicht vorher beim Erforschen des Weltraums eingeschlafen ist. Die gute Nachricht: Die sturzlangweiligen Mako-Erkundungsfahrten des Vorgängers wurden gestrichen (überhaupt gibt's Fahrzeuge erst nachträglich per Download Content). Die schlechte Nachricht: Das neue Erkundungs-System ist genauso sturzlangweilig. Während wir mit der Normandy munter durch die Galaxis tuckern, stoßen wir immer wieder auf unbekannte Planeten. Die scannen wir nun auf seltene Rohstoffe, mit denen wir wiederum unsere Ausrüstung upgraden. Klingt gut, oder?

In der Praxis funktioniert das so: Wir bewegen ein Fadenkreuz millimeterweise über die Planetenoberfläche und wenn wir bis auf drei Atome an ein Rohstoffvorkommen geraten, schlägt der Scanner aus. Dann senden wir per Mausklick eine Sonde ab und sammeln das Zeug automatisch ein. Diese Pfriemelei macht ungefähr fünf Planeten lang Spaß, dann wird sie enervierend und nach etwa 20 Planeten steht uns beim Anblick einer neuen Galaxie mit lauter scanbereiten Sternen der Angstschweiß auf der Stirn. Haben wir die trotzdem alle brav abgearbeitet - in der wahnwitzigen Hoffnung, dass es irgendwann bestimmt sündhaft teure Upgrades gibt, die wir mit dem Plunder freischalten können - stellen wir gegen Ende fest, nö, die gibt's nicht.

Schwamm drüber

Typische Nebenmission: Einen Verletzten finden, ein paar Gegner umlegen, fertig.

Überhaupt ähnelt Mass Effect 2 abseits der Handlungs-Pfade frappierend seinem Vorgänger. Es gibt schlicht wenig bis nix zu entdecken. Okay, die Nebenmissionen sind nicht mehr ganz so generisch und austauchbar, aber spannend sind sie immer noch nicht. Ob wir nun ein von Geth überrantes Raumschiff vor dem Absturz retten oder uns durch eine Söldner-Basis kämpfen, ist spielerisch völlig einerlei, weil komplett nach Schema F: Reinlaufen, Gegnerwelle plattmachen, ein paar Safes knacken, noch ne Gegnerwelle plattmachen und ein Terminal benutzen - fertig.

Objektiv müssen wir das kritisieren, aber seien wir ehrlich: Schon der Vorgänger machte trotzdem Spaß. Und zwar viel. Exakt das gleiche gilt für Mass Effect 2 - die Hauptquest motiviert unheimlich und das ganze Drumherum ... naja, Schwamm drüber. Wer sich in Dutzenden Mini-Quests verlieren will, der greift ohnehin zu Risen oder Dragon Age. Wer stattdessen einen Sci-Fi-Film zum Selberspielen will, eine kinoreife Inszenierung, tolle Charaktere, eine packende Atmosphäre, der ist bei Mass Effect nach wie vor goldrichtig.

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