Test

Mass Effect 2: Noch besser als Teil eins?

26. Jan 2010

Das Ende der Sklaverei

Unendliche Weiten: Die Milchstraße ist größer geworden und kann frei erkundet werden.

Weil wir gerade beim Thema Inszenierung sind: Besser geht nicht. Das wird insbesondere in den Dialogen deutlich, die schlicht perfekt in Szene gesetzt werden. Gestik, Mimik, Vertonung - da stimmt einfach alles, es wirkt echt, lebendig. Generell dürften sich andere Spiele beim Dialog-System der Mass-Effect-Reihe gerne eine Scheibe abschneiden. Wo Spiele-Protagonisten normalerweise nur sklavisch genau das Sprüchlein aufsagen, das wir ihnen gerade ins Ohr geflüstert haben, entwickelt Shepard eine Persönlichkeit und bleibt erfrischend unberechenbar.

Natürlich dürfen wir den Tenor der Unterhaltung immer noch selbst bestimmen. Und jetzt sogar mittendrin eingreifen. Bisweilen leuchtet am Bildschirmrand ein rotes bzw. blaues Symbol. Drücken wir nun die Maustaste, animieren wir Shepard zu einer heroischen Tat - oder eben zu einer weniger heroischen. Damit lässt sich der Spielverlauf - und der Ausgang vieler Missionen - nun deutlich stärker individualisieren. Erschießen wir den Verräter selbst? Oder greifen wir ein, wenn ein Gefährte die Waffe zieht? Oder halten wir uns einfach raus? Mass Effect 2 stellt uns immer wieder vor moralische Entscheidungen, ein klares Gut und Böse gibt es nicht. Und zwar konsequent bis zum Ende: Wer die Selbstmord-Mission überlebt - und welche Auswirkungen das auf den dritten Teil hat - entscheiden letztlich wir selbst.

Fazit

von Jochen Gebauer

Meine ersten Gedanken, als der Abspann über den Bildschirm lief: Ich will den dritten Teil spielen und zwar sofort. Aber lieber kippe ich mir kochendes Wasser in den Schoß als noch einen einzigen Planeten zu scannen. Mass Effect 2 ist genauso manisch-depressiv wie der Vorgänger. In der Hauptquest ein brillianter Sci-Fi-Film zum Selberspielen, abseits davon gähnend langweilig. Wie bewertet man ein Spiel, das einen einerseits so hungrig auf den Nachfolger macht, wie man seit Herr der Ringe nicht mehr war - und das einen andererseits mit Genuss in die Verzweiflung treibt? Letztlich bleibt dem Tester da nur der älteste und abgedroschenste Satz des Spiele-Journalismus: Wer den ersten Teil mochte, wird den zweiten Teil lieben. Auch wenn er ihn manchmal zur Hölle wünscht.

spieletipps meint: Brilliant inszenierter Sci-Fi-Film zum Selberspielen.
88
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